1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Flingern

Düsseldorf-Flingern: Studentin schreibt Buch über Kiefernstraße

Studium in Düsseldorf : Studentin schreibt Buch über Kiefernstraße

380 Seiten hat Lisa Scherf über die bunteste Straße Düsseldorfs geschrieben und dafür mit Zeitzeugen und Bewohnern gesprochen.

An einem Herbsttag hat sich Lisa Scherf mit einem Stapel leerer Zettel und einer Handvoll Stifte an die Kiefernstraße gesetzt, genau in die Kurve, dort, wo sich der Dorfplatz befindet. Sie hat die Menschen angesprochen, von ihrem Projekt erzählt und sie gebeten, ob sie ein K malen können. Nicht irgendein K, „sondern das Kiefernstraßen-K“, sagt die 25-Jährige, die fast 150 Bilder zusammenbekommen hat, von Kindern aus den Clubs drumherum und alteingesessenen Bewohnern, viele unterschiedliche Varianten des Buchstaben, mal in Blockschrift, mal verschnörkelt, mal im Graffito-Look.

Die Ks hat Lisa Scherf auf der Innenseite des Buchdeckels und den folgenden Seiten abgedruckt, ihr eigenes ziert das Cover, auch wenn sie daran fast verzweifelt wäre. Denn die 25-Jährige wollte, dass es perfekt ist, das K, das Cover, das Buch – ihr Buch, das sie über die Kiefernstraße geschrieben hat, für das sie ein­einhalb Jahre lang recherchiert hat. „Farbig & Bunt – Die Kiefernstraße in Düsseldorf“ hat sie es genannt und dafür die Bestnote bekommen. Denn das Buch ist Teil ihrer Masterarbeit gewesen, für die sie eigentlich ein ganz anderes Thema im Sinn hatte.

„Performative Lyrik“ – darüber wollte die gebürtige Düsseldorferin ursprünglich schreiben. Weil sie sich mit Lyrik schon in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt hatte. „Ich wollte das Phänomen Lyrik untersuchen, weil es gerade in den letzten Jahren viel Bewegung gegeben hat“, sagt Scherf. Doch irgendwie wurde nichts daraus, „ich wollte das nicht zwanghaft machen“, sagt die 25-Jährige, die durch einen Zufall auf ihr neues Thema stieß.

Die Studentin hat die Anwohner das Kiefernstraßen-K malen lassen und auf der Innensetie des Buchdeckels abgedruckt. Foto: nika

Beim Zakk-Straßenfest, an dem sich auch die Anlieger der Kiefernstraße beteiligen. „Ich kannte die bunteste Straße der Stadt zwar“, sagt Lisa Scherf, die aber wissen wollte, wer hinter den bunten Fassaden mit dem bröckeligen Putz wohnt. Plötzlich hat es Klick gemacht, „und ich hatte ein bisschen Glück“, sagt Scherf, weil sie genau dann mit ihren Recherchen anfing, als die ersten Pläne für die Bebauung des Grundstücks neben der Kiefernstraße auf dem großen Parkplatz am B8-Center bekannt wurden. Schnell hat sie Menschen kennengelernt und ist ziemlich herzlich in der Gemeinschaft aufgenommen worden, findet sie.

In drei Teile hat die Studentin ihre Arbeit gegliedert, die sie Kampf, Kultur und Kaviar genannt hat. Im ersten Teil geht es vor allem um die Geschichte der Kiefernstraße, als sie entstand, in der Zeit der Industrialisierung, lange bevor die Hausbesetzer kamen. Bis die Hausbesetzer schließlich kamen. Lisa Scherf hat mit Zeitzeugen gesprochen, früheren Aktiven, die ihr Fotoalben und Zeitungsartikel gaben. „In diesem Moment war ich ganz sicher: Das hat Potenzial“, erzählt die 25-Jährige, weil so viele unerzählte Geschichten in Schubladen schlummern, die unbedingt erzählt werden müssen.

Im zweiten Teil des Buchs beschäftigt sich Scherf mit der Gegenwart. In diesem Part ist auch ihr Lieblingskapitel: „Ein Leben hinter den Häusern – Der Bauwagenplatz“. Fünf Tage und Nächte hat sie auf dem Platz verbracht, den sie bis dahin nicht kannte. Sie saß an der Feuerstelle, hörte den Vögeln zu, „eine Oase“, sagt Scherf, „und dann geht man raus und ist plötzlich wieder mitten in der Stadt“. Was sie dort erlebt hat, das hätte für ein ganzes Buch gereicht, weil sie so viele Geschichten gehört hat, „die alle so unterschiedlich sind“.

Noch eine kleine Ewigkeit hätte Lisa Scherf an ihrem Buch weiterarbeiten können, so viel Material hat sie zusammenbekommen. Manchmal, da musste sie ihre Ansprechpartner stoppen. 380 Seiten sind entstanden, auf die Lisa Scherf mächtig stolz ist. Auch wenn sie mit dem Cover lange haderte. Weil sie sicher 20 Anläufe gebraucht hat, bis sie zufrieden war. Dabei gestaltet sie in ihrem Werkstudentenjob ständig Cover, „das fällt mir nie schwer“. Aber bei ihrem eigenen Buch sei sie total verkopft und manchmal verzweifelt gewesen. Sechs Exemplare hat die Studentin drucken lassen, „jedes hat 120 Euro gekostet“. Unterstützt wurde sie von der Stadtsparkasse Düsseldorf, aber irgendwie reichen ihr sechs Bücher nicht. „Viele Bewohner der Kiefernstraße haben gefragt, wo sie das Buch bekommen“, erzählt die Autorin, die jetzt auf der Suche nach einem Verlag ist. Bis es so weit ist, wird sie verschnaufen, ein paar Wochen Urlaub machen in Sri Lanka, dann vielleicht mal für eine Zeit ins Ausland gehen. Weil Lisa Scherf eigentlich ihr ganzes Leben in Düsseldorf verbracht hat, in Benrath und Holthausen ist sie groß geworden, seit zweieinhalb Jahren lebt sie in Flingern. Ein Stadtteil, „der nicht so düsseldorfig ist“. Mit viel Kultur und einer Straße wie die Kiefernstraße, die farbig und bunt ist.