Düsseldorf-Flingern: Spielplatzinitiative will kein Kletterseilgarten

Engagement in Düsseldorf : Spielplatz-Initiative will keinen Kletterseilgarten

Die Mitglieder bedauern, dass sie nicht in die Planung einbezogen wurden. Dazu kommt, dass sie jetzt ein eigenes Spielgerät haben, das sie bei einem Quiz gewonnen haben. Ob sie es aufstellen dürfen, ist unklar.

An die Bezeichnung „Überflieger der Stadt“ wird sich Emmanuel Mir wohl nicht so schnell gewöhnen. „Ich muss immer lachen, wenn ich das höre“, sagt der gebürtige Franzose, der bei einem Düsseldorf-Quiz vom Radiosender Antenne Düsseldorf und dem Flughafen gewonnen hat und sich seitdem „Überflieger der Stadt“ nennen darf. Fragen wie „Welcher Likör wird am Hafen produziert?“ oder „Wie heißt der Mann, der auf dem Marktplatz steht?“ musste Mir beantworten. Ein Klacks für den Franzosen, der Kunstgeschichte studiert und nebenbei Stadtführungen angeboten hat, um sich sein Leben zu finanzieren. Nur beim G in DEG kam er kurz ins Straucheln, „zum Glück saß ich nicht allein im Raum am Telefon und hatte ein bisschen Hilfe“, sagt Mir.

Von der Stadt hatte er erfahren, dass es diesen Wettbewerb gibt, an dem Gruppen oder Initiativen teilnehmen können, die sich in den Stadtteilen für Kinder und Jugendliche einsetzen. Emmanuel Mir ist einer davon, er ist Teil der Spielplatz-Initiative Flurstraße, die es noch gar nicht so lange gibt, die sich zusammengetan hat aus Sorge, der kleine Hof in der Sackgasse an der Flurstraße könnte irgendwann von einem Investor zugebaut werden. „Wir wollen den Ort schützen, ihn erhalten, ein bisschen weiterentwickeln, weil er sehr beliebt ist bei den Menschen in Flingern“, sagt Mir. Und die Betonung liegt auf Menschen. Nicht nur Kinder kommen, auch Eltern und Senioren, die sich treffen, picknicken, quatschen.

Die Idee zur Initiative hatte der Anwohner Gerd Steinbach, der elf weitere Nachbarn gefunden hat, die das Projekt unterstützen, so wie Emmanuel Mir, der das nicht ganz uneigennützig macht, der selbst ein dreijähriges Kind hat. „Freundschaften sind entstanden“, sagt Mir, der sich schließlich hat überreden lassen, am Quiz teilzunehmen mit der Aussicht auf ein Spielgerät im Wert von 25.000 Euro. „Wir hätten gerne etwas für kleine Kinder, nicht auf der Wiese, sondern der asphaltierten Fläche“, sagt Mir. Doch dass die Initiative ihr Wunsch-Spielgerät bekommt, ist nicht sicher. Weil die Stadt bereits einen Architekten beauftragt hat mit der Planung eines Kletterseilgartens, „der eigentlich nur für ältere Kinder geeignet ist, die schnell die Lust daran verlieren“, sagt Mir. Er bedauert, dass dafür ein großes Stück der Wiese wegfallen wird. „Und unser Spielgerät soll woanders hin.“

Dass es bereits Planungen gibt für den Spielplatz an der Flurstraße, hat die Initiative zufällig erfahren. Um ihren Gewinn auf dem Areal aufstellen zu können, nahm sie Kontakt auf zu Bezirksbürgermeister Uwe Wagner, der den Anwohnern mitteilte, dass die Bezirksvertretung im Januar bereits über den Kletterseilgarten, der 35.000 Euro kostet, beschlossen hatte. „Wir wussten nicht voneinander“, sagt Wagner. Und eigentlich hätte der Seilgarten schon im dritten Quartal 2019 aufgebaut werden sollen. Wagner hat bereits mit dem Gartenamt gesprochen und will versuchen, eine Lösung zu finden, ein Treffen soll nächste Woche stattfinden. Einen alternativen Standort für den Kletterseilgarten hat der Bezirksbürgermeister auch schon im Kopf, „an der Paulusschule wurde ein Spielgerät abgebaut, das nicht mehr saniert werden konnte“.

Im Januar beschloss die Politik, dass ein Kletterseilgarten auf dem Spielplatz gebaut werden soll. Foto: Stadt Düsseldorf

„Das große Gerät entmutigt uns schon ein bisschen und macht uns einen Riesenstrich durch die Rechnung“, sagt Mir, der nicht verstehen kann, warum es keine Gespräche gegeben hat mit den Menschen im Viertel, dass die Stadt nicht gefragt hat, welchen Bedarf es gibt. Trotzdem hofft die Initiative, dass es ein gutes Ende gibt für die Anlage an der Flurstraße, für die sie noch so einige Ideen hat. Denn beim Wettbewerb von Antenne und Flughafen hat sie auch noch 2500 Euro bekommen. Mit dem Geld soll es zum Beispiel einen Wasseranschluss auf dem Spielplatz geben, „wir würden gerne eine Fläche für Schach und Boule anlegen“, sagt Mir, der auch an Nachbarschaftsevents denkt und noch Menschen sucht, die ein Projekt umsetzen möchten.