Düsseldorf-Flingern: Planwerkstatt eröffnet Ideenrunde

Bauen in Düsseldorf : Erste Ideenrunde für die Kiefernstraße

Menschen aus ganz Düsseldorf sollen Vorschläge einbringen für die Bebauung des Grundstücks neben dem B8-Center.

Es ist alles ein bisschen mit der heißen Nadel gestrickt: Die Farbe auf der Wand an der Erk­rather Straße hatte kaum Zeit zum Trocknen, das Licht in den Dixi-Klos funktioniert nicht, und erst ein paar Minuten vor Beginn der Veranstaltung liegt die Nutzungsänderung für die alte Autowerkstatt vor. Aus dem Gewerbe ist in letzter Sekunde offiziell ein Veranstaltungsraum geworden, in den die Planwerkstatt 378 eingeladen hat – zu ihrer Auftaktveranstaltung, um die Nachbarn und Menschen aus dem Viertel über die Pläne für das Grundstück zwischen Erkrather und Kiefernstraße zu informieren.

Hinter der Planwerkstatt 378 – die sich mit großen Lettern auf der Hauswand an der Erkrather Straße verewigt hat – verbergen sich verschiedene Interessengruppen: die Anwohner der Kiefernstraße, die sich gegen zwei Hotels und Mikroappartements gewehrt haben, der Investor Cube Real Estate, der sich mehr als Entwickler sieht denn als reiner Investor, und Ulrich Hermann, ein Stadtplaner aus Bonn, der die Planwerkstatt als neutraler Moderator unterstützt. Gemeinsam wollen sie das Grundstück neben dem B8-Center entwickeln, Kompromisse finden und die Menschen aus dem Viertel teilhaben lassen. Ein Hauptquartier hat die Gruppe eingerichtet in der alten Autowerkstatt, die Ende 2017 geschlossen wurde. An den Wänden hängen Fotos aus dem Viertel, Plakate zeigen die ursprünglichen Baupläne von Cube Real Estate und einen Zeitstrahl, was seit Bekanntwerden der Baupläne passiert ist.

Zu Gast ist an diesem Abend unter anderem Planungsdezernentin Cornelia Zuschke. Für sie ist die Planwerkstatt etwas Besonderes, weil es einen Investor gibt, der sich auf das Beteiligungsverfahren eingelassen hat, obwohl er das rechtlich nicht muss, und Zuschke selbst diesmal einfach nur Gast sein kann, „das genieße ich“, sagt sie. Viel Lob hat sie auch für die Menschen aus dem Viertel, die sehr authentisch ihre Wünsche geäußert haben. Dabei erinnert sie sich an eine der ersten Aktionen an der Kiefernstraße: Die Anwohner hingen ein Banner auf mit dem Spruch: „Schatz, wir müssen reden.“ „Das ist eine ganz andere Variante, als sich anzupampen“, sagt die Planungsdezernentin, die außerdem findet, dass eine solche Planwerkstatt eine große Erleichterung sei für die Bauaufsicht und die Politik.

Planwerkstatt 378 steht in großen Lettern auf der Hauswand. Foto: nika

Dass es auf dem Areal neben dem B8-Center viel Platz für Kreativität gibt, darauf macht Christine Brinkmann aus dem Zakk aufmerksam. Sie hält einen kurzen Vortrag auf der Bühne, vor der Bierbänke aufgereiht stehen, auf denen fast 200 Menschen sitzen. „Weltkunstzimmer, Asphalt Festival, Bauwagenplatz, AK47, Jochens kleiner Plattenladen, das Kiefernstraßen-Fest und die Schwanenhöfe – mehr als 250.000 Menschen kommen im Jahr ins Viertel und genießen Kunst und Kultur“, sagt Brinkmann, die sich statt Mikroappartements eine Kulturmeile für den Stadtteil wünscht. „Wir sind kein Investor, der sein Ding einfach durchzieht“, sagt Thore Marenbach von Cube Real Estate, der gesteht, dass er anfangs nicht daran gedacht hat, die Nachbarn einzubinden, „und plötzlich wurde es laut“.