Düsseldorf-Flingern: Planungsverfahren für die Kiefernstraße

Bauen in Düsseldorf : Planungsverfahren für die Kiefernstraße

Der Investor führt Gespräche mit den Anwohnern. Die sollen mitreden dürfen bei der Planung für das Areal neben dem B8-Center.

Vorsichtig optimistisch schaut Daniel Wieczorek auf die nächsten Wochen und Monate. Einen kleinen Etappensieg haben er und seine Nachbarn jetzt erreicht. Sie konnten den Investor Cube Real Estate, der das Areal zwischen Erkrather und Kiefernstraße entwickeln will, offenbar dazu bewegen, sich auf ein Planungsverfahren einzulassen. „Am 28. Januar wird es eine Auftaktveranstaltung geben“, sagt Wieczorek, der seit 14 Jahren auf dem Bauwagenplatz hinter der Kiefernstraße wohnt und bei dem gleich die Alarmglocken angingen, als Cube Ende 2018 seine Pläne für das Grundstück neben dem B8-Center vorstellte.

Vor einem Jahr sollten auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal 150 Mikroappartements und ein Hotel mit 300 Zimmern entstehen. Baubeginn sollte schon im Herbst 2019 sein. „Das Viertel hat aber keine Verwendung für ein Hotel“, fand Harald Schwenk von den Grünen aus der Bezirksvertretung 2 damals, auch wenn der Bebauungsplan von 2002 zumindest für die Erkrather Straße als ausgewiesenes Sondergebiet viel zulässt. Und mit dieser Meinung war er nicht allein im Gremium.

Schnell machten die Anwohner der Kiefernstraße mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam, organisierten am Karnevals-Sonntag zum Beispiel eine Live-Performance auf der Kö. Auch starteten sie eine Online-Petition, in der sie sozialen und bezahlbaren Wohnraum an der Kiefernstraße forderten und sich eine Partizipation am Planungsprozess wünschten. 5000 Menschen sollen diese Petition unterschrieben haben, und die Proteste gingen weiter. Selbst als der Investor im April die Pläne für das Hotel kippte – was so in Düsseldorf eigentlich noch nicht passiert ist –, blieben die Nachbarn misstrauisch. Ende Juni reichte Cube Real Estate eine neue Bauvoranfrage ein, bei der statt des Hotels ein Wohnquartier mit 270 Wohneinheiten im Mittelpunkt standen – ein breiter Mix mit öffentlich gefördertem Wohnraum für Familien, Studenten, Senioren, außerdem auch andere Wohnformen. Doch auch im zweiten Anlauf gab es aus der Bezirksvertretung kein grünes Licht. Vor allem die Planung, dass die Zufahrt zur Tiefgarage über die Kiefernstraße erfolgen soll, stieß allgemein auf Ablehnung.

„Wir wollten ein Beteiligungsverfahren“, sagt Daniel Wieczorek und meint mit „wir“ nicht nur die Anwohner der Kiefernstraße, sondern alle Nachbarn im Viertel, den Stadtteil und jeden, der etwas beitragen will zum Projekt. Mehrere Gespräche hat es dazu gegeben mit dem Projektentwickler, der sich nun offenbar auf ein Planungsverfahren eingelassen hat. „Wir befinden uns derzeit in einem Dialog mit Anwohnern der Erkrather Straße sowie der Kiefernstraße“, sagt Matthias Felten von Cube Real Estate. Der Projektentwickler habe es sich zum Prinzip gemacht, Immobilien mit einem empathischen Fokus auf die infrastrukturellen und sozialen Voraussetzungen im direkten Wohnumfeld zu entwickeln. „Daher ist uns ein fairer Dialog mit den Bewohnern in unmittelbarer Nachbarschaft generell wichtig“, sagt Felten. Die Gespräche werden von einem externen Stadtplanungsbüro gesteuert

Das „Bündnis für eine rebellische Stadt“ demonstrierte im Sommer gegen überteuerte MIetpreise. Foto: Anne Orthen (ort)
Betti Tielker (l) und Andrea Schmitz-Faas waren im September bei einer Info-Veranstaltung an der Kiefernstraße. Foto: Stefan Osorio-König

„Inwiefern wir wirklich mitgestalten können, wird sich zeigen“, sagt Wieczorek, der auf dem Grundstück der alten Autowerkstatt gerne eine „Plan-Bude“ eröffnen würde, in der es Platz gibt für Veranstaltungen zur Kiefernstraßen-Bebauung. Die Bude soll ein paar Mal in der Woche am Nachmittag offen haben, „mit Leuten von uns, die über den Prozess informieren“, sagt Wieczorek, der inhaltlich aber noch gar nicht zu tief ins Detail geht und lieber wartet auf die Anregungen der Menschen, die ihre Ideen bei der Auftaktveranstaltung Ende Januar einbringen. Sicher ist aber, dass die Anwohner der Kiefernstraße bei der Nutzung des Gebäudes mitreden wollen, bei der Anbindung des Quartiers, der Mobilität und bei ökologischen Aspekten.