Düsseldorf-Flingern: Lärmwand an Kettwiger Straße ist ein Schandfleck

Stadtteilkolumne in Düsseldorf : Ist das Kunst oder kann das weg?

Die Wand an der Kettwiger Straße sollte nicht nur Lärm aus dem Stadtwerkepark fernhalten. Sie war ursprünglich auch als Kunstwerk gedacht. Doch bei der Planung bedachten Stadt und Politik nicht, dass eine Glaswand ziemlich empfindlich ist.

Flingern-Süd 15 Jahre ist es her, als aus dem alten Werksgelände der Stadtwerke mitten im Arbeiterviertel Flingern-Süd eine kleine grüne Oase wurde. Die bis heute ein toller Ort ist, um mal ein bisschen Ruhe zu tanken. Oder sich auszutoben. Oder einfach ein paar Schritte zu gehen, fernab vom vielen Verkehr, der am Stadtwerkepark vorbeirauscht. Die Planung ist Stadt und Politik gut gelungen, weil es Flächen gibt für Kinder und Erwachsene. Sandspielplatz und Wassermatschanlage, ein Spielschiff mit kurviger Rutsche und ein Schaukelfeld. An Skater und Beachvolleyballer ist gedacht worden; Schach, Tischtennis und Boule gibt es ebenso. Sogar der Lärm ist eingedämmt worden, durch eine fünf Meter hohe Wand, die entlang der viel befahrenen Kettwiger Straße gezogen wurde.

Dass die Ausarbeitung aber schon gleich zu Beginn für Schlagzeilen sorgte, damit hätte man bei der Planung rechnen können. Denn auch vor 15 Jahren gab es schon Zerstörungswillige, die alles demolieren, was nicht niet- und nagelfest ist. Das blaue Glas war zwar so gewählt worden, dass es Steinschlägen oder herabfallenden Ästen standhält. Doch vor dem Nothammer aus der Straßenbahn war sie nicht sicher. Als Ersatz wurde im Oktober 2009 eine Acrylwand montiert, die beidseitig durch einen Stabgitterzaun geschützt wird. Viele sagen, dass der ursprüngliche Charme der blauen Glaswand durch die Gitter verloren gegangen sei.

Um ehrlich zu sein, hat die Wand eigentlich nichts charmantes mehr. Zwar erfüllt sie noch ihren Zweck – nämlich Lärm von der Straße wegzuhalten, gleichzeitig aber Einblick in den Park zuzulassen –, aber Gitter und Schmierereien zerstören eigentlich all das, was sich die Planer damals überlegt hatten. Ähnlich sieht das auch Ulf Montanus (FDP), der jetzt einen Versuch gewagt hat, um die Optik ein bisschen zu verschönern. An eine kostengünstige Lösung hatte er gedacht, die Wand zum Beispiel zu begrünen oder sie ganz durch eine Hecke zu ersetzen. „Durch eine Begrünung würde diese Wand wieder ansehnlicher werden, Schmierereien und Beschädigungen wären nicht mehr zu erwarten“, glaubt der FDP-Mann, der außerdem meint, dass eine begrünte Wand sich positiv auf das Stadtklima an dieser stark befahrenen Straße auswirken würde. Weil aber gerade die Transparenz vielen Politikern in der Bezirksvertretung 2 so wichtig war, hatte Montanus keinen Erfolg bei seinen Kollegen im Gremium. Die blaue Wand sei als Kunstwerk für den Stadtteil gedacht gewesen, die seinerzeit viel Geld kostete. „Ungeheuren Luxus“ nennt es Annelies Böcker von der CDU, „wir hätten uns rückblickend viel Geld sparen können, wenn wir realistisch gewesen wären“. Weil der SPD aber die Vorstellung fehlt, wie die Wand kostengünstig besser werden kann, sie zudem intakt ist und die Grünen unbedingt die Durchsichtigkeit behalten wollen, wird das sogenannte Kunstwerk noch eine ganze Weile stehen bleiben im Stadtteil. Die Frage, ob die Wand Kunst ist oder weg kann, haben SPD und Grüne mit einer Mehrheit beantwortet. Kunst ist das vielleicht mal gewesen, nach 15 Jahren sollte man aber eingestehen – auch wenn die Wand damals viel Geld kostete –, dass sie nichts mehr mit Kunst zu tun hat. Mindestens ein Kompromiss könnte die Optik der eingezäunten Glaswand verbessern: unten Grün, oben Durchsichtigkeit. Das würde vielleicht den einen oder anderen Sprayer davon abhalten, hässliche Schmierereien aufzutragen. Ein Versuch wäre es wert und sicher auch nicht teurer, als die Wand alle paar Monate regelmäßig professionell reinigen zu lassen.