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Düsseldorf: Der Heinrich-Heine-Salon wird 30 Jahre alt

Düsseldorfer Heinrich-Heine-Salon : Ein Verein für vergessene Literatur

Seit drei Jahrzehnten richtet der Heinrich-Heine-Salon regelmäßig literarische Veranstaltungen im Zakk aus. Die Lesungen sollen das Publikum aber nicht nur unterhalten, sondern haben häufig auch eine politische Botschaft.

Immer höher reichen die Flammen in den Himmel, als an der Oberkasseler Brücke in Düsseldorf dutzende Bücher und Magazine im Feuer verbrennen. Die Szenerie erinnert erschreckend an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933. Tatsächlich fand das makabere Schauspiel 1965 in Düsseldorf statt. Die Aktion des „Jugendbundes für Entschiedenes Christentum“ erregte damals einiges Aufsehen, doch geriet irgendwann in Vergessenheit. So lange, bis der Heinrich-Heine-Salon im Jahr 2015 mit einer Lesung an die Bücherverbrennung erinnerte. „Es ging uns darum, dass so etwas Schreckliches nicht einfach verdrängt wird und die Leute in der Stadt wieder darüber sprechen“, berichtet Christa Domke vom Verein.

Seit 30 Jahren engagieren sich die Mitglieder des Heinrich-Heine-Salons mit regelmäßigen Veranstaltungen im Zakk gegen das Vergessen. Vorträge zu brisanten politischen Geschehnissen stehen ebenso auf dem Programm wie die Besprechung von unbekannten Büchern. Diesen verloren gegangenen Werken möchte der Heinrich-Heine-Salon eine Bühne geben. „Es gibt viele Veranstaltungen, die bekannte Autoren und ihre Werke präsentieren. Wir kümmern uns mehr um die Bücher, die quer im Regal liegen bleiben“, berichtet Ida Münstermann.

Sie und Domke waren bereits 1990 bei der Gründung des Vereins dabei. Schon immer wurden bei den Veranstaltungen am Vormittag, sogenannten literarischen Matineen, Lesung, Musik und Frühstücksbuffet miteinander verknüpft. „Es ist einfach rundum schön. Das dachte ich sofort, als ich das erste Mal auf einer Matinée des Salons war“, berichtet Eva Pfister, die zum Vorstand des Vereins gehört. Für die Lesungen werden häufig professionelle Schauspieler wie Christiane Lemm und Moritz Führmann engagiert, die ausgewählte Werke vortragen. Meistens improvisierte musikalische Einlagen gehören ebenso fest zum Salon.

Den Namen Heinrich Heine trägt der Verein, um seinen aufklärerischen Anspruch zu verdeutlichen. Verschiedenste Themenbereiche wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten mal ernst, mal unterhaltsam, aber immer intellektuell und professionell aufgearbeitet. So gab es 1994 eine Matinée, bei der Düsseldorfer Antifaschisten davon berichteten, welche Bücher sie im Zweiten Weltkrieg während ihrer Zeit im Exil und im Gefängnis gelesen hatten. 2017 erzählten Linksaktivisten über skurrile Gespräche mit der Polizei. Neben deutschen Autoren wie Dieter Forte und Lion Feuchtwanger werden auch Texte von internationalen Schriftstellern besprochen.

Luzia Vorspel und die anderen Mitglieder des Salons sind fest entschlossen, ihre ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen: „Wir haben noch so viele unbekannte Bücher und Autoren auf unserer Liste, die wir gerne an die Leute herantragen möchten“, sagt die Vorsitzende mit einem breiten Lächeln.

Info Die nächste Matinée ist am 13. September um 11 Uhr im Zakk. Unter dem Titel „Wo die Torheit wächst“ geht es um literarische Auseinandersetzungen mit dem Rhein. Tickets gibt es für zehn Euro unter zakk.de.