Flingern: Das Leben in Japan auf 200 Fotografien

Flingern: Das Leben in Japan auf 200 Fotografien

Die Hans Peter Zimmer Stiftung erinnert an den Düsseldorfer Künstler Achim Duchow. Aufnahmen seiner Reisen durch den asiatischen Inselstaat sind zurzeit im Kunstraum Weltkunstzimmer auf dem Con-Sum-Gelände zu sehen.

Kaum ein Land ist mit so vielen Klischees behaftet wie Japan. Romantische Kirschblütenfelder, ewig lächelnde Menschen und Geishas voller Demut — so stellen sich vor allem viele Europäer das Leben in dem asiatischen Inselstaat vor. Ganz andere Eindrücke aber vermittelt eine Ausstellung zurzeit im Ausstellungsraum "Weltkunstzimmer" auf dem Con-Sum-Gelände der Hans Peter Zimmer Stiftung. Unter dem Titel "In Search of Japan" sind in der Schau etwa 200 Fotos unterschiedlicher Größen zu sehen.

Gemacht hat die Fotos Achim Duchow. Der 1993 verstorbene Düsseldorfer Künstler reiste 1978 als Stipendiat nach Japan und begann sofort mit dem Fotografieren. "Er suchte gezielt nach Klischees, um diese dann zu widerlegen", sagt Barbara Lange-Duchow, die Witwe des Künstlers.

Duchow richtete seine Kamera zwar auch auf Naturidyllen und japanische Baukultur, legte aber den Schwerpunkt seiner Arbeit auf skurrile Situationen im Alltagsleben in Städten wie Kobe, Tokio und Osaka. Ein Foto etwa zeigt Mitarbeiterinnen eines Schnell-Restaurants von McDonalds. Die Frauen nutzten ihre Mittagspause für ein Gebet vor einer Statue. Dass die Arbeiterinnen dafür ihre McDonalds-Mützen nicht abgesetzt haben, vereint auf bizarre Weise die japanische mit der US-amerikanischen Kultur auf einem Foto.

Auf anderen Werken sind jugendliche Japaner auf Motorrädern zu sehen. Die Halbstarken blicken aufmüpfig in die Kamera — ganz so wie Jugendliche in anderen Ländern der Erde: auf der Suche nach sich selbst und bereit, mit den starren Regeln ihrer Eltern zu brechen. Bilder wie dieses hatte Achim Duchow noch zu seinen Lebzeiten mit anderen Schnappschüssen aus Deutschland kombiniert.

Janine Blöß und Max Schulze, die Kuratoren der Duchow-Ausstellung, übernahmen diese Gruppierungen für ihre Ausstellung. Daher hängt neben dem Foto der japanischen Halbstarken ein Bild, das Duchow im Rheinland gemacht hat. Es zeigt die Fotografin Katharina Sieverding mit einigen anderen Künstlern im Alter von um die 30. "Beide Gruppen — die Japaner und die aufstrebenden deutschen Künstler — haben sich als Avantgarde gesehen, um sich vom Kleinbürgertum zu distanzieren", sagt Schulze, die Absicht Duchows erklärend.

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Weitere Informationen — etwa Namen, Orte und Zeitpunkte der Aufnahmen — gibt es nur selten zu Duchows Fotos. Auch das Bild eines jungen Mannes mit einer Hakenkreuz-Armbinde sowie zahlreiche Porträts der Menschen auf den Straßen, in Diskotheken und Tattoo-Studios hängen im Weltkunstzimmer meist ohne weitere Texte oder Erläuterungen. "Mein Mann war als Fotograf super schnell", sagt Barbara Lange-Duchow. "Nur wenige Fotos sind gestellt. Meist gelang ihm ein gutes Bild auf Anhieb." Zeit für Notizen und Interviews mit den Abgelichteten blieb da nicht.

Duchow fand einen weiteren Weg, seine Bilder darzustellen. Er projizierte die Motive auf eine Wand, stellte sich geschickt ins Licht und machte auf diese Weise seine Haut zur Leinwand. Diese Szenen fotografierte er. Auf den Fotos sieht Duchow aus, als verschmelze er mit dem Original-Motiv oder als habe er sich sein eigenes Fotomotiv auf die Haut tätowiert.

Duchows Dias, Negative und Abzüge lagerten lange im Archiv auf dem Gelände des Con-Sum, einer ehemaligen Backfabrik, in der Duchow als Künstler arbeitete und das nun die Hans Peter Zimmer Stiftung verwaltet.

Ein Jahr lang sortierte Max Schulze und Janine Blöß die Exponate, so dass die Bilder nun erstmals in der Ausstellung zu sehen sind. "Es ist wichtig, das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", sagt Lange-Duchow. Sie hat ihren Mann erst nach seinen Japan-Reisen kennengelernt. "Ich bin beeindruckt von der Ausstellung, weil sich auch für mich eine neue Welt aufgetan hat."

(lod)
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