Flingern : Das lange Kunstwerk von Grafental

Ben Mathis hat an einer alten Fabrikhalle ein 100 Meter langes Wandgemälde aus tausenden Sternen geschaffen.

Ein Besuch des Cirque du Soleil ist ja an sich schon ein Erlebnis. In diesem Jahr ist jedoch bereits die Anfahrt zum Parkplatz am Zirkuszelt, das auf einer Brachfläche im Neubaugebiet Grafental aufgebaut ist, ein Ereignis. An der Fassade einer alten Lagerhalle hat der Künstler Ben Mathis Düsseldorfs wohl längstes Wandgemälde verwirklicht. Auf einer Länge von 100 Metern ist ein aus Tausenden Sternen bestehendes buntes Gemälde entstanden, das Mathis "Firmament Grafental" genannt hat.

Von weitem sehen die Sterne eher wie kleine Punkte aus, je näher man sich dem Bild nähert, desto besser erschließt sich der enorme Aufwand, den der Künstler mit Schablonen, Sprühflaschen und unter Zuhilfenahme eines Hubwagens in die Umsetzung investiert hat. Rund fünf Wochen habe er für die Fertigstellung benötigt, sagt der Künstler, der hauptberuflich als Apotheker arbeitet. "Das war Knochenarbeit." Wenn sein Werk am Abend dann noch von diversen Scheinwerfern angestrahlt wird, entfaltet es seine volle Wirkung.

"Das war schon eine große Herausforderung", sagt Mathis, der sich gerne spielerisch mit Fläche und Größe auseinandersetzt und für die Realisierung seiner künstlerischen Ziele bewusst einen minimalistischen Ansatz bei der Gestaltung wählt, um dennoch nach Möglichkeit Monumentales zu erschaffen. Nicht zuletzt greift er mit dem bunten Design indirekt die Zirkusatmosphäre auf.

Einen Schönheitsfehler hat das Bild jedoch, es ist nicht für die Ewigkeit gemacht, genau genommen sogar nur allenfalls für ein Jahr. Die alte Lagerhalle ist zum Abbruch freigegeben und wird einem weiteren Bauabschnitt in dem schicken Wohngebiet an der Metro weichen. Für Auftraggeber Ulrich Tappe, Geschäftsführer des Projektentwicklers Grafental GmbH, war jedoch sofort klar, dass er nach Möglichkeiten für eine Konservierung suchen würde, um das Werk für die Nachwelt zu erhalten. Und an dieser Stelle kommt Ansgar van Treeck ins Spiel.

Der Fotograf, spezialisiert auf Architektur, erhielt den Auftrag, das "Firmament Grafental" im Bild festzuhalten. "Das ging nicht in einem, ich habe es in mehreren Stücken fotografiert und die Fragemente später dann zusammengesetzt", erzählt der 59-Jährige. Diese 1-Gigabyte-Collage wurde im Anschluss auf eine Metallplatte gebannt, die nun als eigenständiges kleines Kunstwerk in einer limitierten Auflage produziert wird. "Wir wollen diese Skulptur, die das Gemälde von Mathis sehr gut abbildet, zu besonderen Gelegenheiten verschenken. Ist doch besser als ein schnöder Prospekt", sagt Tappe, der noch eine weitere Idee hat: "Beim Abbruch des Gebäudes wollen wir Gebäudefragmente sichern, die dann als Ausstellungsstücke genutzt werden können. Wenn es auch etwas vermessen klingt: Aber die Berliner Mauer ist natürlich das Vorbild."

Und dann gibt es noch die kleine Geschichte von der außergewöhnlichen Signatur auf dem Prototyp, den das Trio erstellt hat. "Die Fläche vor der Halle hätte natürlich eigentlich frei sein müssen, als ich die Fassade fotografieren wollte. Aber ein weißer Lieferwagen stand einfach jeden Tag da an der Seite. Also habe ich ihn einfach in das Bild integriert und auf die weiße Fläche den Namenszug von Ben Mathis abgebildet", erzählt Ansgar van Treeck.

(RP)