Flingern : Brot, Spiele und das Universum

In einer skurrilen Ausstellung in der Produzentengalerie Plan.D. in Flingern beschäftigen sich die drei Künstler Kerstin Bannach, Jyrg Munter und Geem Yonnyee mit den Themen Essen, Badminton und der Entstehung der Welt.

Der Typ hat sie doch nicht mehr alle. Das dürften viele denken, die Jyrg Munter das erste Mal begegnen. Ihn als quirlig und aufgedreht zu bezeichnen, wäre auf jeden Fall eine maßlose Untertreibung. Hinzu kommt, dass dieser Mann Schweizer ist, der durchschimmernde Dialekt dazu führt, dass in seinem Redeschwall das ein oder andere Wort schwer verständlich ist. Und er hat eine ausgeprägte Vorliebe für irritierenden Sarkasmus, den er gerne mit einer ironischen Selbstüberschätzung verknüpft. Das alles macht Munter zu einem Unikum, was für einen Künstler ja schon mal nicht schlecht ist. Der 50-Jährige ist aber vor allem eines: Badmintonspieler.

All diese außergewöhnlichen Eigenschaften verbindet Jyrg Munter aktuell in seinem Part der Ausstellung "Brot und Spiele" in der Produzentengalerie Plan.D. an der Dorotheenstraße, die er zusammen mit Kerstin Bannach und Geem Yoonjee gestaltet hat. Munter ist Vorsitzender von Plan.D., und damit hat er sich praktisch selbst einen Freibrief erteilt, seine skurrilen Spinnereien mit Lust und Wonne auf die Spitze zu treiben. Das fängt bei seiner "Autogrammkarte" an, auf der Rückseite gibt er sich dort nach Turniersiegen in Erkelenz oder im Neandertal vorzugsweise als "Gold-Medalist" aus. In einer Art Setzkasten hat er jede Menge Pokale aufgestellt. Er nennt es das "Regal der Hochstapler", ist doch die Mehrzahl der fantasievoll verfremdeten Trophäen offensichtlich selbst entworfen. Was sich hinter seinem "Schlägertrupp" verbirgt, kann sich jeder selbst vorstellen, der schon mal bei einer Ballsportart einen Schläger in der Hand hatte. Den Vogel schießt Munter aber sicherlich mit der Video-Parodie "Geteert und gefedert" ab, in der sich der Sportler/Künstler mit Honig einschmiert und anschließend mit "fremden Federn" von alten Badmintonbällen schmückt. "So wird doch aus der ursprünglichen Bestrafung eine Art Belohnung", sagt Munter und grinst.

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Wie es Kerstin Bannach und Geem Yoonjee mit dem "verrückten" Munter aushalten, erscheint schleierhaft, irgendwie funktioniert es aber. Beide Künstlerinnen haben selbst einen ungewöhnlichen Ansatz, bei dem sich eine nähere Betrachtung lohnt. Die ursprüngliche Grafikdesignerin und Dekorateurin Bannach hat sich vom Design abgewendet, mag inzwischen lieber das Haptische und schaut den Menschen dabei auf den Teller. Brötchen aus Gips werden so zu Skulpturen, Fleisch wird auf Bildern verewigt. Im Mittelpunkt: eine Rauminstallation, die das grausame Abschneiden von Haifischflossen thematisiert, der blutige und alles andere als appetitliche Weg endet dann in der Suppenterrine. Nicht unbedingt zum Anbeißen, eher zum Wegsehen, "aber so ist nun mal der Kreislauf des Lebens", sagt Bannach.

Die Galerie hat noch einen Keller. Dort taucht der Besucher in die dunkle Welt von Geem Yoonjee ein. In einer elfminütigen, von Musik untermalten Video-Arbeit erzählt sie die Geschichte der Evolution aus ihrer Sicht. Auf zwei Leinwänden in einem abgehängten Raum bildet die 39-Jährige in Ölfarben eine Supernova und ein Schwarzes Loch ab, zu erkennen nur bei ganz bestimmtem Lichteinfall. "Rotation" hat die Südkoreanerin die filmische und bildhafte Installation genannt, in der sie dem Kosmos huldigt. Um allen drei Künstlern gerecht zu werden, müsste man die Ausstellung also eigentlich "Brot, Spiele und das Universum" betiteln.

(RP)