Oberkassel/Unterrath: Faszinierende Kunst mit speziellen Materialien

Oberkassel/Unterrath: Faszinierende Kunst mit speziellen Materialien

Die Bildhauerin Nele Waldert lebt in Heerdt und arbeitet in Unterrath. Ihre Werke sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Die Bildhauerin Nele Waldert lebt in Heerdt und arbeitet in Unterrath. Ihre Werke sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Mehrere Jahre hat Nele Waldert nach der Figur gesucht, die sich als "Träger meiner Erzählungen" eignet. Vor fünf Jahren schließlich hat die Bildhauerin einen Prototyp entwickelt, der stoisch vor sich hinblickend und trotzdem aussagestark als Darstellungs-Objekt dient. Aus Gips geformt, demonstrieren die androgyn und verschlossen daherkommenden Figuren die von Nele Waldert gewollte Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart: "Sie passen in jedes Jahrhundert und in jede Nation." Eine Figur trägt als Brustbehaarung einen mittelalterlichen Königsmantel, eine andere einen voluminösen Halskragen aus Glasblasen oder ist mit einem Mantel aus Wachs umhüllt.

Aber es kann auch ein pompöser Halsschmuck aus Nerzfellen sein. Dieses edle Material steht für die Wurzeln der Bildhauerin: "Der Mantel gehörte meiner Urgroßmutter." Dass sie das Kleidungsstück zerstückeln musste, hat sie viel Überwindung gekostet. Jetzt aber fügt es sich nahtlos in das Ansinnen ein, Traditionelles mit Modernem zu verbinden. "Irgendeinen Weg gibt es immer", weiß Nele Waldert. 17 Jahre lang hat sie in Heerdt Wohnen und Arbeiten verbunden. Dann musste sie das zuletzt benutzte Atelier wegen der Nähe zur Vodafone Campus-Baustelle aufgeben und hat jetzt im Atelierhaus an der Kalkumer Straße 85 den Platz gefunden, an dem sie sich rundherum wohlfühlt. "Der Standort hier ist sehr begehrt. 60 Künstler hatten sich um diese drei Räume beworben. Ich habe den Zuschlag bekommen", erzählt die 48-Jährige strahlend. Sie mag die hohen Decken und den Holzfußboden: "Ich arbeite viel auf dem Boden." Dort warten menschliche oder tierische Figuren auf einen weiteren kreativen Schub und ihre endgültige Bestimmung. In der Regel werden fünf bis sechs Arbeiten gleichzeitig entwickelt — oder in Wartestellung geschickt: "Der Blick ändert sich mit der Zeit."

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Nele Waldert, die mit großer handwerklicher Meisterschaft ans Werk geht, liebt die Verfremdung. Trotzdem verströmen zumindest die Figuren eine gewisse Vertrautheit. Ob sie stehen, liegen oder fliegen — sie wirken sympathisch. Und sie verkörpern die Vorliebe der Künstlerin, Altes mit Neuem, Bekanntes mit Fremdem, traditionelle Handwerkstechniken mit zeitgenössischer Kunst und moderne Materialien mit traditioneller Bildhauerei zu verbinden. So gehört der Sandstein — "ein klassisches deutsches Material" — zu den bevorzugten, ebenfalls mit Polymergips kombinierten Werkstoffen. Außerdem bemalt sie selbst bearbeitete Kacheln aus einer Keramikmanufaktur mit Majolika, schafft mit einem Nagel Konturen und erzeugt so die Optik einer Druckgrafik: "Täuschung — darauf stehe ich."

Die Accessoires der Figuren sind mundgeblasen oder handgefertigt. Das nötige Handwerk eignete sich die Bildhauerin bei Meistern in Bayern und Hessen an. Wer Interesse hat, kann sich zur diesjährigen Kunstpunkte-Aktion am 14. und 15. September im Unterrather Atelier, Kalkumer Straße 85, umsehen.

(RP)
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