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Düsseltal: Erinnerungen an Verstorbene

Düsseltal : Erinnerungen an Verstorbene

Die Ausstellung "Dinge von unschätzbarem Wert" eröffnet am Sonntag in der evangelischen Matthäi-Kirche.

Normalerweise liegt das Stück Baumrinde, das Renate Klein an ihren verstorbenen Ehemann erinnert, zu Hause auf ihrem Schreibtisch. Doch seit ein paar Tagen hängt die Rinde in einem Rahmen an der Wand des Vorraums in der Matthäikirche. Sie ist ein Exponat der Ausstellung "Dinge von unschätzbarem Wert", die am Sonntag in der Kirche öffnet. Dort zeigen Trauernde Gegenstände, die sie an Verstorbene erinnern. Die Ausstellung ist Teil der Themenwoche "Abschied, Trauer, Neubeginn" des evangelischen Kirchenkreises. Mit unterschiedlichen Angeboten sollen Menschen bei ihrer Trauerbewältigung unterstützt werden und sich mit dem oftmals verdrängten Thema Tod auseinandersetzen.

Viele Jahre hatte Renate Klein mit ihrer Familie den Baum im Münsterland besucht. "Wir haben ihn Ehebaum genannt. Es sind zwei Bäume, die aussehen, als umarmen sie einander. Oben verwachsen sie zu einer Krone." 20 Jahre hatten sie und ihr Mann den Baum nicht mehr gesehen, als sie ihn noch einmal besuchten. "Wir haben dann etwas Rinde abgeknibbelt ", sagt sie. Auf dem Weg nach Hause ist Renate Kleins Mann bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Seitdem erinnert die Rinde sie an ihren Mann. Dass sie das Stück nun der Öffentlichkeit zeigen kann, bedeutet ihr viel: "Durch die Ausstellung kann ich die Erfahrung der Trauer teilen. Das ist mir wichtig, denn das Leben kann so schnell anders sein."

Auch für Rosemarie Kleinöder ist "Carpe diem" (Nutze den Tag) zu einem Lebensmotto geworden, seitdem sie ihren Mann verloren hat. "Er hat den Spruch oft zu mir gesagt", erzählt sie. Kleinöder hat der Ausstellung zwei Exponate zur Verfügung gestellt: Eine Collage, die an ihren Mann erinnert, und eine Trompete, die einmal ihrem toten Bruder gehört hat. Innerhalb von zwei Jahren hat sie beide Personen verloren. "Die Ausstellung ist für mich ein wichtiger Schritt, meine Trauer zu bewältigen. Auch wenn es mich Überwindung gekostet hat, die beiden Stücke herauszugeben", sagt sie. "Die Ausstellung hat mir beim Loslassen meiner Trauer geholfen und mir ein neues Glücksgefühl gegeben", sagt sie und lächelt.

Die Ausstellung ist noch bis Ostermontag geöffnet. Wenn sie vorbei ist, nimmt Renate Klein die Baumrinde wieder mit nach Hause. "Ich lege sie dann wieder auf den gewohnten Platz auf den Schreibtisch."

(sapo)