Unterbilk: Erinnerung an einen Mutigen

Unterbilk: Erinnerung an einen Mutigen

Schüler des Leo-Statz-Berufskollegs erinnern mit einer Ausstellung an Leo Statz, der wegen kritischer Worte von den Nazis ermordet wurde. Statz war passionierter Karnevalist, er schrieb viele närrische Lieder.

Sich auch in Bedrängnis nicht den Mund verbieten lassen — dafür musste der Düsseldorfer Karnevalist Leo Statz 1943 mit dem Leben bezahlen. Er wurde wegen der Verbreitung von "Zersetzungspropaganda" von den Nazis zum Tode verurteilt und enthauptet. Das Leben und Wirken von Statz haben jetzt 23 Schüler des gleichnamigen Berufskollegs an der Friedenstraße erforscht und in einer Dauerausstellung zusammengefasst. Ein halbes Jahr lang haben sie das Archiv der Bilker Heimatfreunde durchforstet und über den Namensgeber ihrer Schule zusammengesucht, was sie finden konnten: Briefe, Lieder, Fotos. In Gruppen haben sie jeweils ein Plakat gestaltet.

Die Darstellungen widmen sich Themen wie "Leben in der Nazizeit", "Leo Statz und der Karneval" oder zeigen Passagen aus Karnevalsliedern, die Statz geschrieben hat. Auf einer weiteren Tafel haben die Schüler Orte in Düsseldorf zusammen getragen, die an den Karnevalisten erinnern, so wie den Leo-Statz-Platz mit Denkmal oder ihre eigene Schule.

Duze, duze, duze mich

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Statz wurde 1898 geboren. Früh trat er den Düsseldorfer Jonges bei, später wurde er Präsident des Karnevalsausschusses der Stadt sowie der Prinzengarde. Karnevalslieder und humorvolle Anekdoten waren eine seiner Leidenschaften. Statz war Mitglied der Zentrumspartei und sprach sich im Dritten Reich gegen eine Gleichschaltung der Karnevalsvereine aus. Das Lied "Duze, duze, duze mich" wurde verboten, weil es einen befreundeten Staatsmann verunglimpfe.

Gemeint war der italienische Diktator Benito Mussolini, genannt "Duce" (Führer). Von der Gestapo verhaftet wurde Statz, weil er gegenüber Wehrmachtssoldaten geäußert haben soll, sie hätten sich ihre Knochen nicht für das deutsche Volk, sondern für Adolf Hitler zusammenschießen lassen. Ein Mitarbeiter hatte ihn bei der Polizei angezeigt. Den Lebenslauf haben Laura Kuhlmann (20) und Alisa Schmitz (21) gemeinsam mit Mitschülern erarbeitet. "Leo Statz war nicht nur ein mutiger Mann, sondern auch ein ausgeprägter Familienmensch", sagt Schmitz.

"Als er wusste, dass er sterben musste, hat er seine letzten Momente seiner Frau gewidmet und ihr Briefe geschrieben". Angeregt hatte Politiklehrerin Alexandra Toppke die Arbeit. "Die Schüler haben dann aber ganz allein recherchiert", sagt sie. So haben sie sogar das Bundesarchiv angeschrieben und um Informationen gebeten.

(RP/anch)
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