Garath: Enttäuscht über Verkauf an die Caritas

Garath: Enttäuscht über Verkauf an die Caritas

Anstelle der entweihten Hoffnungskirche soll ein Seniorenheim entstehen. Das SOS-Kinderdorf bleibt auf der Strecke. Deren Garather Chef wundert sich, dass er sein Projekt dem Presbyterium nie vorstellen durfte.

Die Entscheidung ist endlich nach langem Hin und Her gefallen. Die ehemalige, inzwischen entweihte Hoffnungskirche — und damit verbunden das Mehrgenerationenhaus Hell-Ga als unmittelbarer Nachbar — wird verkauft. Die Evangelische Kirchengemeinde Garath hat sich für die Caritas entschieden. Wie es heißt, möchte der Verband auf dem Gelände ein Seniorenwohnheim errichten. Heute wollen Kirche und Caritas um 11 Uhr ihre Pläne vorstellen.

Erst vor wenigen Wochen hat die Caritas Interesse an der Hoffnungskirche gezeigt. Dabei will die Gemeinde das Gebäude seit fast zweieinhalb Jahren verkaufen und hat mehr als ein Jahr Verhandlungen mit dem SOS-Kinderdorf geführt. Um so größer ist jetzt die Enttäuschung bei Hell-Ga und beim SOS-Kinderdorf. Aber auch Vertreter der Bezirksvertretung 10 (zuständig für Garath und Hellerhof) können die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Sylvia Pantel, CDU-Bundestagskanditatin und engagierte Ratsfrau, ist fassungslos. "Beide Kirchen, Caritas und die Garather Gemeinde, haben ihren Auftrag, für den Menschen da zu sein, nicht erfüllt und nur den Profit gesehen. Das ist nicht deren Aufgabe", sagt sie, während SOS einen hervorragen Job für den Menschen mache.

Bezirksvorsteher Klaus Mauerberger (CDU) ist enttäuscht: "Diese Entscheidung ist gar nicht gut für Garath", sagt er. Er gebe zahlreiche Großprojekte, bei denen müsse Transparenz gezeigt werden. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Mauersberger hat bei den Verhandlungen die Fairness vermisst. Die Kirche habe sich wie ein Investment-Banker verhalten: nur auf Profit aus. Weder die Bürger noch die Gemeinde seien einbezogen worden, und SOS immer wieder hingehalten worden.

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Eine solche Salami-Taktik könne er nicht hinnehmen. Mauersberger fordert, bei den Planungen Hell-Ga zu integrieren, SOS zu berücksichtigen und fordert für das weitere Prozedere Transparenz: "Sonst werden wir das Ganze nicht positiv begleiten."

Maßlos enttäuscht ist Herbert Stauber, Leiter von SOS-Kinderdorf Garath. "Ich war der Auffassung, wir seien auf einem guten Weg", erklärt er. Im Nachhinein findet er es merkwürdig, dass eine so weittragende Entscheidung nur über eine Person gesteuert wurde. Das sei für eine Organisation wie die Evangelische Kirche nicht tragbar. Den Vorsitzenden des Presbyteriums, Pfarrer Carsten Hilbrans, hat Stauber in denn vergangenen Wochen immer wieder zu sprechen versucht, aber er sei für ihn nicht erreichbar gewesen. Merkwürdig findet Stauber auch, dass er dem Presbyterium nie das Konzept vorstellen durfte.

Auch beim Vorstand von Hell-Ga herrscht schlechte Stimmung. Immer wieder seien sie vom Vermieter, der Evangelischen Kirche, wohlwollend behandelt worden und man habe Kooperationsbereitschaft gezeigt. "Und jedes Mal hat es einen Rückschlag geben", sagt Daniela Winsberg vom Hell-Ga-Vorstand. "Wir sind menschlich sehr enttäuscht von dieser Vorgehensweise und den wiederholten Unaufrichtigkeiten und vorgespielter Ahnungslosigkeit einzelner Akteure." Hell-Ga wird aber wie zuvor weitermachen, denn der Mietvertrag läuft bis 2020.

(RP/EW)