Zukunft für Jugendfreizeit Düsseldorf-Eller gesichert

Jugendarbeit : Zukunft für Jugendfreizeit Eller gesichert

Zwar ist der Betriebsübergang der Einrichtung an die Katholische Jugendagentur noch nicht notariell beglaubigt. Geschäftsführer Ralph Baumgarten ist aber zuversichtlich, dass das in den nächsten Tagen passiert.

Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht, Details zur Arbeit ebenso wenig. Sicher ist aber, dass die Jugendfreizeit Eller an der Bernburger Straße gerettet ist, auch wenn der Notar die neue Trägerschaft noch nicht bestätigt hat. Die Mitglieder des Vereins Jugendzentrum Eller, der bis vergangenen Sommer für den Standort verantwortlich war, haben beschlossen, dass die Katholische Jugendagentur die Trägerschaft übernehmen soll. „Wir hoffen, dass wir noch vor den Sommerferien loslegen können“, sagt Geschäftsführer Ralph Baumgarten. Im vergangenen Sommer wurde der Treff geschlossen, nachdem der Vorstand im Mai 2018 zurückgetreten war. Das Jugendamt strich die Förderung, weil der Verein ohne Vorstand nicht mehr existierte und damit nicht die Bedingungen erfüllte für die städtischen Gelder. Der Betrieb musste schließlich eingestellt werden. Jugendamt und Bezirkspolitik waren sich aber immer einig, dass das Angebot im Stadtteil fortgeführt werden muss.

Im Sommer 2018 wurde die Einrichtung geschlossen. Foto: Nicole Kampe
Die Jugend in Eller konnte in der Einrichtung spielen, basteln, singen, feiern und auch beten. Foto: Ulrich Brzosa

Denn die Geschichte des Hauses ist mehr als 60 Jahre alt, auch wenn Stadt und Kirche erstmal lange gezögert hatten. Nach vierjährigem Kampf mit allen möglichen Stellen hatte Kaplan Heinrich Fein es geschafft. Am 8. November 1953 wurde das neuerbaute Jugendheim an der Bernburger Straße eingeweiht und der Pfarrjugend von St. Gertrud übergeben. Bis dahin hatte der rührige Jugendseelsorger viel Überzeugungsarbeit geleistet. Der Bau einer Jugendfreizeitstätte stand bei den Überlegungen der Behörden, wie das kircheneigene Grundstück neben der Bernburger Schule genutzt werden könne, nicht an erster Stelle. Angesichts des gravierenden Wohnungsmangels hatte zu Beginn der 1950er Jahre der Bau neuer Mietshäuser erste Priorität. Ein Jugendtreff galt vielen als Luxus. Doch Kaplan Fein vermochte alle Skeptiker zu überzeugen. In einer Eingabe verwies er darauf, dass die „heutige Jugend einen totalen Zusammenbruch auf allen Gebieten hatte erfahren und erleiden müssen“. Soziale Not, Wohnungselend, Familienzerfall seien die Folgen. „Hinzu kommt ein Glückshunger, ein Verlangen, dem grauen, trostlosen Alltag zu entfliehen und sich anderswo das Glück und die Freude zu suchen, die Beruf und Familie nicht zu geben vermögen“, so der Kaplan. Die Jugend wolle nach dem Krieg nachholen, was sie versäumt hat. Jugendliche, die „ihr ganzes Taschengeld zu den Kassen der Lichtspielhäuser mit oft zweifelhaften Filmen tragen“, täten dies nicht, weil sie schlecht sind, „sondern weil sie kein Zuhause haben, das ihnen Freude, Entspannung und echte Erholung bietet“.Unter dem Schutz des Heiligen Michael war das Heim fast 20 Jahre lang der Treffpunkt der katholischen Jugend in Eller. Dort wurde gespielt, gebastelt, gesungen, gefeiert und auch gebetet. Es gab Tischtennis, Theateraufführungen, Fußballturniere, Filmabende. Mit Fertigstellung des Pfarrzentrums an der Gertrudisstraße wurde das Michaelsheim zu Beginn der 1970er Jahre nicht mehr benötigt, verwahrloste und wurde 1972 von Rockern vollkommen verwüstet. Viele Jahre war es eine unansehnliche Ruine. Vermutlich wäre das Heim der Abrissbirne zum Opfer gefallen, hätte sich 1973 nicht die „Aktionsgemeinschaft Jugendzentrum Eller“ gegründet. Mit wenig Mitteln, aber viel Idealismus gelang es dem langjährigen Vorsitzenden Bruno Koslowski und seinem Team, ein Konzept zu erstellen, als Träger anerkannt zu werden, das Grundstück zu pachten und das demolierte Michaelsheim wieder herzustellen. Unter dem Namen „Jugendzentrum Eller“ öffnete das renovierte und modernisierte Haus im Mai 1976. Bereits am ersten Tag gab es eine Schlägerei, die schlagartig deutlich machte, wie notwendig in diesem Bereich eine Jugendarbeit unter guter pädagogischer Leitung ist. Mit jeder neuen Generation an Jugendlichen kamen in das JZE auch neue Problemlagen und Bedürfnisse.

Mehr von RP ONLINE