Eller : Zeichnerische Entdeckungsreise

Rolf Escher stellt im Kulturbahnhof Eller bis 5. März mehr als 50 seiner Arbeiten aus.

Der Kulturbahnhof Eller bietet für besondere Ausstellungen immer eine wunderbar passende Kulisse. Diesmal hat der große Wartesaal einen beeindruckenden Künstler zu Gast: Rolf Escher präsentiert derzeit mehr als 50 Zeichnungen und Radierungen - auch Lithografien und Skizzen, die er an den Orten des Geschehens anfertigte. "Rolf Escher gehört zu den wenigen Künstlern, die die Tradition der meisterhaften Zeichenkunst in die Gegenwart fortgeführt hat", sagt Gerolf Schülke vom Freundeskreis Kulturbahnhof Eller.

"Die Sprache der Dinge zeichnerischer Entdeckungen" heißt die Ausstellung. Escher, der von 1956 bis 1963 an der Kunstakademie in Düsseldorf studierte, zeigt Werke aus seiner langen Schaffenszeit - mehr als fünf Jahrzehnte. Hauptarbeiten sind beispielsweise Zeichnungen aus italienischen Städten und alten europäischen Bibliotheken. Neben großen Zeichnungszyklen und bekannten Orten gibt es auch Werke, die Orte und Objekte zeigen, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

"Beim Zeichnen oder Radieren arbeitete ich auf den Punkt hin, wo das Motiv anfängt, die Phantasie des Betrachters in Gang zu setzen, ohne doch seine Identität zu verlieren", sagt der Künstler, der in Essen und Berlin lebt. Und das macht der bodenständige und sympathische Künstler mit einer schier unglaublichen Perfektion. Dynamisch und lebendig, raffiniert kombiniert mit Elementen aus Licht und Schatten, der Liebe zu Details und mit einem Blick für lebensnahe Momente. "Escher schafft es, Alltägliches und normale Dinge mit seiner Art des Zeichnens zu veredeln", sagt Kurd Mie aus Urdenbach, der mit Ehefrau Rita zur Ausstellung gekommen ist. Und auch seine Frau ist begeistert: "Besonders gut gefallen mir seine Serien, vor allem die Zeichnung zur Weimarer Bibliothek. Ein Ort, den ich kenne, selbst besucht habe."

Genau das ist es, was begeistert: Irgendwie spielen Menschen immer eine Rolle in Eschers Werken. Sie sind auf den Werken nicht zu sehen, hinterlassen aber ihre Spuren, indem sie stets was stehen oder liegen lassen - oder Orte sind, der von Menschen geschaffen wurden. Die Decke, die auf dem alten Sessel liegt, die antike Kommode, bei der alle Schubladen offen stehen, die Damenstiefel, die den Anschein erwecken, sie wurden gerade ausgezogen. Lebendig, intensiv und irgendwie geheimnisvoll wirken seine Motive. Auch Arbeiten mit Namen wie "die Schreibmaschine des Schriftstellers Hermann Hesse" oder "der Stuhl des Vaters" lassen nachdenkliche Momente zu und natürlich viel Interpretationsspielraum. "Alles soll erkennbar, durchsichtig sein und gleichzeitig befremden, sozusagen zur Kenntlichkeit entstellt", sagt Escher.

Die Ausstellung "Die Sprache der Dinge zeichnerischer Entdeckungen" ist zu sehen bis zum 5. März im Kulturbahnhof Eller, Vennhauser Allee 89, Di-So 15 bis 19 Uhr. Am 12. Februar gibt es um 16 Uhr ein Künstlergespräch mit Rolf Escher.

(RP)