Eller : Schöner wohnen mit Historie

In den Wirtschaftsgebäuden von Schloss Eller entstehen bis Jahresende 13 Wohnungen - mit Respekt vor der Vergangenheit.

Hektor und Pascha leben schon lange nicht mehr hier, nur ihre Namen stehen noch immer an den Boxen des alten Pferdestalls von Schloss Eller. Aber nicht mehr lange. Denn nach jahrelangem Leerstand, nach endlosem Hin und Her, nach Plänen, Gutachten und endlich der Baubewilligung kommt bald wieder Leben in das ehemalige Bootshaus, die Remisen und Wirtschaftsgebäude, die zum zartgelben Schloss gehören. Schöner wohnen soll hier realisiert werden im Schatten einer mächtigen Platane, deren Wurzeln in das vergangene Jahrhundert reichen. Überhaupt soll die Vergangenheit hier nicht verdrängt werden. Im Gegenteil.

 Rolf Heitmann lässt die denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude sanieren. Er selbst wohnt in einem ehemaligen Kloster in Hochdahl.
Rolf Heitmann lässt die denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude sanieren. Er selbst wohnt in einem ehemaligen Kloster in Hochdahl. Foto: Hans-Juergen Bauer

Gerüste deuten schon seit November darauf hin, dass die Zukunft in Eller begonnen hat. Nun wird gebohrt, gesägt, gehämmert, wird die Stille von vielen Stimmen zerfetzt. Bis zu 20 Handwerker arbeiten auf der historischen Baustelle, seitdem kürzlich auch die Bezirksvertretung den Plänen zugestimmt hat. Und mittendrin steht jeden Tag der Mann, der seit drei Jahren an seiner Vision vom Wohnen am Schloss festhält: Rolf Heitmann. Sein Vermögen hat er in der Bekleidungsindustrie verdient, bis er vor zehn Jahren seine Fabriken verkauft hat, um sich ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: Er erwirbt historische Objekte, lässt sie restaurieren und in Wohnungen aufteilen, die er dann vermietet. Er selbst lebt mit seiner Lebensgefährtin in einem ehemaligen Kloster in Hochdahl.

 In den Treppenhäusern bleiben die Original-Kacheln erhalten.
In den Treppenhäusern bleiben die Original-Kacheln erhalten. Foto: Hans-Juergen Bauer

Aus einem Bericht in der Rheinischen Post erfuhr Rolf Heitmann im Spätsommer 2014 von den leer stehenden Wirtschaftsgebäuden von Schloss Eller und dem Problem, einen Investor dafür zu finden. "Das hat mich sofort elektrisiert." Gutachten, die eine "Verwertbarkeit der Gebäude" für fraglich hielten, hatten andere abgeschreckt, ihn nicht. Er prüfte mit eigenen Fachleuten, mit denen er schon andere Projekte realisiert hatte, die Bausubstanz der Fachwerkgebäude von 1902 mit ihren Türmchen und Erkern und war zum Schluss sicher: "Die Substanz ist in Ordnung."

 Alte Türen sollen aufgearbeitet werden.
Alte Türen sollen aufgearbeitet werden. Foto: Hans-Juergen Bauer

Als Erstes ließ er die Schieferdächer ausbessern und wo es notwendig war, erneuern. Überhaupt geht er nach dem Prinzip vor: "Was erhalten werden kann, bleibt bestehen." Wie das alte Gebälk in den Dachgeschossen, die Original-Kacheln in Treppenhäusern und auf Balkonen, die Eingangstüren, die aufgearbeitet werden und dann einen neuen rostroten Anstrich bekommen - wie vor über 100 Jahren. "Alles geschieht in Abstimmung mit dem Denkmalschutz", so Heitmann. Dessen Experten hatten durchaus großzügig entschieden, so dürfen die alten Remisentore durch Glas ersetzt werden - und schon sind Räume, die vorher ziemlich düster waren, Licht durchflutet.

Bis zum Jahresende sollen 13 Wohnungen zwischen 65 und 200 Quadratmetern fertig sein - mit Parkettböden, komfortablen Bädern, offener Küche. Die größten sind die beiden Eckgebäude, das Turmhaus über drei Etagen und das Bootshaus, mit Anlegestelle unter dem Gebäude direkt am Schlossgraben. Sobald bekannt wurde, dass das Ensemble nun endlich saniert wird, bekam Rolf Heitmann die ersten Anfragen, sieben Wohnungen (zum Quadratmeterpreis zwischen 12 und 14 Euro) sind bereits vermietet, "an junge Singles, ältere Ehepaare, Familien mit Kindern." Mieter, die es offenbar schätzen, dass kein Grundriss dem anderen gleicht. Einige Wohnungen haben Balkone, eine bietet von einer 30 Meter langen Loggia mit alter Holzdecke einen Blick aufs Schloss und in den prachtvollen Innenhof. Der wird zwei Mal im Jahr bei mittelalterlichen Märkten lebendig - "auch in Zukunft".

Nur die Entscheidung, wie die Wohnung im ehemaligen Pferdestall ("ein besonderes Schmuckstück") gestaltet wird, hebt sich Rolf Heitmann bis zum Schluss auf. Ob die alten Boxen von Hektor und Pascha dann irgendwie erhalten bleiben, ist noch ungewiss, aber wahrscheinlich. "Da werde ich meine Kreativität noch ein bisschen aktivieren."

(RP)