Neue Glocke setzt in Düsseldorf ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Populismus

Weihe in Düsseldorf : Neue Glocke setzt ein Zeichen gegen Rechtsextremismus

In der katholischen Kirchengemeinde weihte der Berliner Erzbischof Heiner Koch die sechste Glocke für den Kirchtum. Sie wurde den Opfern und Märtyrern des Nationalsozialismus geweiht und ist auch ein Signal gegen den neuen Rechtspopulismus.

Im Vergleich zum „Großen Bruder“ ist die neue Glocke trotz ihres Gewichts von 408 Kilogramm ein Leichtgewicht. Und relativ schlank ist sie auch mit ihrem Durchmesser von 85,4 Zentimetern. Das an Allerheiligen geweihte Exemplar ergänzt die fünf im Kirchturm von St. Gertrud in Eller hängenden mit der Note H. Bisher sind die Noten D, E, Cis, G und A im Glockenturm der katholischen Kirche versammelt. „Man könnte jetzt richtige Tonfolgen, Melodien spielen. Aber das ist sehr kompliziert“, sagt Joachim Decker, leitender Pfarrer von Eller und Lierenfeld und bis auf Weiteres auch Pfarrverweser der St. Lambertus-Gemeinde.

Viel wichtiger ist ihm die Botschaft, die von der vom Berliner Erzbischof Heiner Koch geweihten Glocke ausgeht. Sie ist dem „Gedenken an die Märtyrer und Opfer des Nationalsozialismus“ gewidmet. Und das steht auch auf dem Glockenmantel drauf. „Eller ist ja in letzter Zeit durch rechtsnationale Umtriebe ins Gerede gekommen. Da kam uns in einer Sitzung des Kirchenvorstands der Gedanke, dass wir die Glocken den Märtyrern und Opfern des Nationalsozialismus weihen sollten“, erläutert Decker. „Wenn die Glocke demnächst im Turm hängt, wird mit jedem Läuten ein Zeichen gesetzt, das uns mahnt, wachsam zu bleiben und allen faschistischen und neonazistischen Bewegungen mutig entgegenzutreten. Leider ist das in unserer heutigen Welt wieder sehr nötig.“

Weil das auch der Erzbischof von Berlin, der gebürtiger Elleraner ist, so sieht, kam Heiner Koch zur Glockenweihe extra aus der Hauptstadt an den Rhein. „Die Schrecken des Nationalsozialismus sind ein Stück unserer Geschichte, das wir nie vergessen dürfen, und das auch zu unserer Gegenwart gehört“, erklärte Koch. „Gerade heute, in einer Zeit, in der viele Werte infrage gestellt werden, in der Populismus und Extremismus Raum gewinnen, ist es wichtig und richtig, sich an die Geschichte zu erinnern. Wir werden immer etwas gegen Rechte tun, solange wir noch etwas tun können.“

So wird die neue Glocke, die über Unteroktave, Prime, Terz, Quinte und Oktave verfügt, demnächst von oben für Frieden läuten und an Solidarität und Menschlichkeit appellieren. Wer will kann selber aktiv werden, denn noch hängt die Glocke nicht im Turm, sondern ist im Kirchenschiff an einem Gestell aufgehängt. Mit einem Gummihammer kann die Glocke zum Klingen gebracht werden. Bis zum 17. März sollte die Glocke aber an ihrem angestammten Platz im Glockenturm hängen, denn dann wird Erzbischof Koch zum Titularfest von St. Gertrud wieder in Eller sein. „Ich komme ja aus Eller, das ist meine Heimatgemeinde. Alles, was Eller hilft und weiter entwickelt ist gut“, meint Koch. „Ich freue mich schon darauf, die Glocke im Zusammenspiel mit den anderen zu hören.“