Veranstaltungen in Düsseldorf : Von Gauklern und Ritterschlägen

Auf dem Mittelalterfest in Eller ging es für die Besucher zurück ins 13. Jahrhundert.

Sanft und bedacht rührt die Frau in dem wallenden Gewand und mit dem Kopftuch in dem gusseisernen Gefäß über der Feuerstelle, eine dickflüssige Suppe köchelt darin, wirft Blubberblasen. „Das ist Maronensuppe“, erklärt sie freundlich den neugierig schauenden Besuchern, „sehr lecker und herzhaft.“ Dann füllt sie eine Holzschüssel mit der dampfenden und deftig riechenden Köstlichkeit und reicht sie ihrem Gatten, dem edlen „Ritter Dennis“.

Hier auf dem Mittelalterfest haben die beiden gemeinsam ihr Lager aufgeschlagen, sie verbringen drei Tage lang ein Leben, so wie es aus dem 13. Jahrhundert überliefert wird. „Wir haben uns das Mittelalter zum Hobby gemacht“, erzählt Ninja Jasper lachend (die im wahren Leben wirklich so heißt), „wir sind keine Spinner, wir führen alle ein ganz normales Leben und besuchen in der Freizeit halt diese Märkte oder treffen uns mit Gleichgesinnten.“

Auf dem großen Turnierplatz kämpfen zeitgleich Ritter auf furchtlosen, schnaubenden Pferden, der Zuschauerandrang ist so groß, dass die Kinder in den hinteren Reihen auf den Schultern ihrer Eltern sitzen müssen, die Kleinen staunen mit offenen Mündern, auch die Eltern sind begeistert. „So etwas sieht man ja nicht alle Tage, das ist schon toll gemacht“, schwärmt eine junge Mutter und reicht ihrem Sohn einen Becher mit Wasser – es ist erstaunlich warm, die Sonne knallt vom Himmel.

An den Imbissbuden wird heute nicht Currywurst und Pommes angeboten, es gibt Drachenwurst mit Kraut und Fleischfetzen mit Brot, zwei Gaukler unterhalten die Menschenmassen mit Dudelsack und Trommelschlag. Am Stand „Suff und Sünde“ gibt es Speis und Trank in Hülle und Fülle, auf dem hölzernen, handbetriebenen Riesenrad quietschen kleine Kinder vor Vergnügen. Ein Kräuterweib bietet ihre Ware in einem geflochtenen Korb an, eine Frau in bunter Gewandung sitzt an einem Spinnrad, daneben brodelt in einem Topf eine rote Flüssigkeit, Corinna aus Oberhausen packt die gesponnenen Wollfäden hinein. „Wir färben sie lachsrot mit Rostholz und Rainfarn“, erklärt sie, „wir präsentieren auf diesen Märkten hobbymäßig klassische mittelalterliche Handwerke.“

Direkt neben ihr sitzt ein Zinngießer in Tunika, weiter Hose und Schaftstiefeln an einem überdimensionalen Blasebalg, pumpt ihn unermüdlich mit den Armen und heizt so den damit verbundenen Lehm­ofen an, demonstriert die Kunst der Bronzeherstellung. „Das ist alles so spannend“, findet der 12-jährige Jayden aus Gelsenkirchen, der zum allerersten Mal überhaupt Kontakt zur Mittelalterszene hat, „ich finde es toll, wenn ich sehe, wie die Menschen damals lebten, sie kamen mit nur so wenig so gut aus. Da kann man bestimmt viel von lernen“. Inga von Weiersee, im „normalen Leben“ Inga aus dem Kreis Paderborn, kann dem nur zustimmen, gemeinsam mit ihrer Familie hat auch sie an diesem Wochenende hier ihr Lager aufgeschlagen. Ihre Berufung ist die Herstellung von Pfeilbögen, mit großer Ruhe schnitzt sie auf ihrem Schnitzpferd an einer Auftragsarbeit. „Wir wissen, dass viele über uns lächeln, aber es ist ein ganz normales Hobby, wir sind nicht bekloppt oder so und vor allem, wir stehen dazu.“

Gabriela, eine befreundete Wikingerin, erinnert in ihrem langen Schürzengewand an Ylva, die Mutter von Zeichentrickfigur Wicki. „Ich habe gar kein Problem damit, mich so zu zeigen, ich war erst heute morgen noch so gekleidet bei Real in Mönchengladbach, weil ich noch einkaufen musste“, erzählt Gabriela. Die Leute würden schon gucken und tuscheln, „ich lache sie dann freundlich an, und wer etwas wissen möchte, darf mich auch gerne jederzeit fragen“.

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