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Gastronomie in Düsseldorf: Keine Zeit für Tränen

Gastronomie in Düsseldorf : Keine Zeit für Tränen

Zehn Jahre lang gehörte Fatiha Moumen das kleine Café „Die Süße deines Landes“ an der Gumbertstraße. Weil der Umsatz zurückgegangen und es schwerer geworden ist, hat sie jetzt aufgegeben.

Drei dicke Fotoalben legt Fatiha Moumen auf den Tisch, alle voller Erinnerungen der letzten zehn Jahre. Zu jedem Bild, jedem Gesicht kann die 57-Jährige eine Geschichte erzählen, eine Anekdote oder ein besonderes Erlebnis. Da ist die „Elegante“, wie Fatiha Moumen sie nennt – sie zeigt auf eine ältere Dame mit grau meliertem Haar, das sie hübsch frisiert hat. Aus Bad-Neuenahr ist die Frau immer gekommen, besuchte in Eller ihren Sohn. Bis er starb. „Ich habe ihr dann geholfen bei der Wohnungsauflösung“, sagt die 57-Jährige. Oder Herr Joisten, der fast jeden Tag im Café an der Gumbertstraße vorbeischaute, das Fatiha Moumen vor zehn Jahren eröffnet hat.

Freundschaften sind in ihrem Laden entstanden, „oft sind die Gäste allein gekommen, haben dann zusammengefunden“, erzählt Moumen. Zehn Jahre, die wie im Flug vergangen sind, findet Moumen, zehn Jahre „Die Süße meines Landes“, in denen es viele Höhen, aber auch ein paar Tiefen gab. Irgendwann wurden die Tiefen tiefer, am 31. Dezember hat Fatiha Moumen zum letzten Mal das kleine Café an der Gumbertstraße geöffnet, es ein letztes Mal geschlossen, „weil es nicht mehr funktioniert hat“, sagt sie. Der Umsatz ist zurückgegangen, die Knochen wollen nicht mehr.

An ihren ersten Tag kann sich Fatiha Moumen noch gut erinnern, „ich war so aufgeregt“, sagt sie. Selbstständig sein, das ist ein großer Schritt gewesen für die gebürtige Marokkanerin, die vor 30 Jahren nach Deutschland kam und zuerst im Marienhospital als Bürokauffrau arbeitete. Irgendwann wollte sie aber was eigenes, das tun, etwas sie immer so gerne tat. Kochen und backen für Menschen, die sie gern hat. Alles hat die 57-Jährige selbst gemacht, sogar gelernt, Käsekuchen zu backen, so wie ihn die Düsseldorfer gern haben. „In Marokko kennen wir Käsekuchen nicht“, sagt Moumen, die irgendwann sogar ihre Familie vom Käsekuchen überzeugen konnte. Kaffee, Tee aus Marokko, Börek – viel Geld hat Fatiha Moumen nicht verlangt für ihr Essen, ihre Getränke. Alles unter drei Euro. „Wenn ich mehr genommen hätte, wären die Leute nicht mehr gekommen“, sagt sie. Ein Grund, warum sie die Miete nicht mehr zahlen konnte, „auch wenn die Eigentümer mir sehr entgegengekommen sind“.

Zeit für Tränen hat Fatiha Moumen keine gehabt, die letzten Wochen im Café waren stressig. Die Organisation, der Verkauf der Möbel – am Ende ist es dann die Erleichterung gewesen, ohne Groll oder Wut „Die Süße deines Landes“ zu schließen. Vielleicht auch, weil Fatiha Moumen weiß, dass sie nicht vor dem Nichts steht, dass es weitergeht. Es ist eine Floskel, „aber wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“, sagt sie und will anderen Mut machen mit ihrer Geschichte. Neben der Arbeit im Café hat sie sich qualifiziert zur Tagesmutter, wird ab Februar fünf Kinder betreuen, alle unter drei Jahre. „Ich freue mich auf die Zeit, auf die Kinder, ihre Energie“, sagt Moumen, die selbst nie Kinder hatte, aber einige Nichten und Neffen.

Das Ende von Fatiha Moumens Geschäft reißt wieder ein Loch in die Gumbertstraße, an der es inzwischen vor allem Ein-Euro-Läden und Billig-Shops gibt. Dass es der Handel schwer hat in Eller, das will Moumen so nicht bestätigen. „Die, die noch hier sind, die beschweren sich nicht“, sagt Moumen. „Aber es sind auch schon viele gegangen.“ Und für die Gastronomie gibt es besonders viele Vorschriften, Hürden, „ich hatte schon einen Nachfolger, aber er ist abgesprungen, weil das Gesundheitsamt sehr viel verlangt hat“. Ein nettes Café, das fehle in Eller, sagt Moumen. Eines, wie sie es hatte, in dem sich Menschen treffen, quatschen, sich kennenlernen, Freunde werden.