Eller : Fegen gegen die Sucht

Sie haben getrunken und Drogen genommen, teilweise über Jahre. Nun wollen die Patienten des Therapiezentrums Haus Eller trocken werden und bleiben. Auf dem Weg dahin bringen sie die Nachbarschaft noch auf Vordermann.

Die meiste Zeit seines Lebens war Udo Marx ein unauffälliger Mensch gewesen: verheiratet, Frau, Kinder, und er arbeitete, um seine Familie zu ernähren, sich etwas leisten zu können. Doch dann verlor er diese Arbeit, nach mehr als 40 Jahren, und weil er ein Alter hatte, in dem man eben nicht mehr so einfach neu anfangen konnte, traf ihn das schwer.

Vorher trank er gelegentlich, "nicht mehr als andere", wie er sagt, Feierabendbiere, auf Partys, wie wohl jeder das macht. Doch eben weil der Feierabend sich nicht mehr einstellte, trank er immer mehr. Auch, um den finanziellen Druck zu kompensieren. Er und seine Familie hatten sich an einen Lebensstandard gewöhnt, den sie ohne den Job von Marx nicht mehr halten konnten.

Es gab Streit zwischen den Eheleuten, er trank noch mehr, schließlich verließ ihn die Frau und die Geschichte von Udo Marx hätte leicht mit seinem Tod enden können, wenn sein Sohn nicht irgendwann so viel Überzeugungskraft leistete, dass Marx sich in eine Therapie begab.

Man sieht ihm die Sucht immer noch an, auch vier Jahre danach. Er hatte in diesen vier Jahren einen Rückfall, "das geb ich zu", sagt er. Und dennoch hat er die Sucht im Griff.

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Marx lebt in einer Außenwohngruppe des Therapiezentrums Eller. Jeden Tag kommt er aber in die Einrichtung und arbeitet. Er säubert städtische Wege und Grünanlagen, er mäht den Rasen am Unterbacher See. Er und seine Kollegen sind gerngesehen in Eller oder Unterbach. Kein Wunder, machen sie doch sauber, was die Awista nicht schafft. Und das ist gar nicht so wenig.

Sieglinde Wohlleben ist die stellvertretende Leiterin des Zentrums. Sie hat die Vereinbarung mit der Stadt getroffen, dass die Bewohner in der Nachbarschaft arbeiten können. "Das Programm ist Teil unserer Arbeitstherapie, und ein wichtiges Element, um die Menschen wieder in einen geregelten Tagessablauf zu bekommen", sagt sie. Eine Ansicht, die auch Walter G.* geteilt wird. G. hat verschiedene Probleme. Da wären zunächst die Drogen. Er nahm sie um gegen sein strenggläubiges Elternhaus zu rebellieren, wie er sagt. Die Drogen schließlich lösten psychische Problem aus, hinzu kam der Alkohol. Auch für G. war der Therapieplatz die Rettung. Zunächst wurde er stationär betreut, inzwischen aber lebt auch er in einer Außenwohngruppe des Zentrums. Irgendwann will er sein Studium fortsetzen, wann er soweit ist, kann er noch nicht sagen.

Wohlleben und ihr Team lassen den Patienten Zeit. Es ist ein langer Weg bis zur wirklichen Stabilität der Menschen in der Einrichtung, weiß die Therapeutin. Bei manchen Menschen ist die Schädigung durch den oft jahrelangen Alkoholmissbrauch so groß, dass sie nie wieder ein unbetreutes Leben führen werden. In Eller haben sie eine Heimat gefunden, eben in jener alten Fabrikantenvilla, deren Garten von den Bewohnern selbst mit viel Arbeit als grüne Idylle erhalten wird. Auch für Jakob Schmitz ist der Aufenthalt ein Segen. Regelmäßig kommt er zur Arbeit, kümmert sich um die Wege rund um die Ellerkirchstraße, und das wird auch von den benachbarten Kleingärtnern geschätzt. Lange war die Ecke schmuddelig, nicht gerade der schönste Ort des Stadtteils, doch nun ist es immerhin sauber. Schmitz hat eine realistische Sicht. Er macht sich keinen Druck, aber: "Irgendwann komm ich auch wieder alleine klar", sagt er.

*Name der Redaktion bekannt

(RP)