Bürgermonitor : Wieder Dauerkrach am Abstellbahnhof

Erste Ergebnisse der Lärmmessung am Abstellbahnhof in Eller hätten im Herbst 2018 vorgelegt werden sollen. Bisher gibt es aber keine Rückmeldung.

Fast 100 Stunden am Stück stand neben Karl Lehmanns Wohnung eine Lok, deren Motor fast ununterbrochen lief. Tag und Nacht. Auch am Wochenende. Donnerstagabend fing es an, am Montagabend war endlich Ruhe am Abstellbahnhof in Eller. Verzweifelt hat Lehmann in der Zeit versucht, einen Verantwortlichen ans Telefon zu bekommen. Er rief bei der Bundespolizei an, die ihm nicht helfen konnte. Er rief bei der Polizei an, die ihm auch nicht helfen konnte. Er suchte einen Ansprechpartner bei der Deutschen Bahn an der Willi-Becker-Allee, wurde von dort nach Münster verwiesen. „In Münster sagte man mir, die Lok sei defekt“, erzählt Lehmann, der nicht zu den Beschwerdeführern am Speyer- und Grüner Weg gehört, der sich bisher zurückgehalten hat. „Weil man ja weiß, wohin man zieht, es okay ist, wenn auch mal nachts gearbeitet wird, es mal laut ist“, sagt er. Aber die vier Tage zwischen Donnerstag- und Montagabend waren für den Anwohner fast unerträglich.

So ging es schon vielen seiner Nachbarn, die seit mehr als zwei Jahren um Hilfe bitten – bei der Politik, der Stadt, der Bahn. Im Februar vergangenen Jahres beschloss der Umweltausschuss schließlich Lärmmessungen am Abstellbahnhof, schnell arbeitete man an der Auftragsvergabe, um noch während der Sommermonate Schallimmissionen im Umfeld des Abstellbahnhofs zu messen. 12.000 Euro hat die Stadt zur Verfügung gestellt, für CDU-Ratsherrin Dagmar von Dahlen damals „ein Etappensieg“. Umweltdezernentin Helga Stulgies wollte schon nach der Sommerpause Ergebnisse der Messungen vorstellen. Doch bis heute hat es keine Rückmeldung dazu gegeben,

CDU-Ratsherr Dieter Reinhold will nicht mehr länger warten, hat für die nächste Sitzung des zuständigen Fachausschusses eine Anfrage gestellt: Er will wissen, ob die Messungen stattgefunden haben und welche Schlüsse daraus gezogen werden können. Außerdem bittet er die Verwaltung, Möglichkeiten aufzuzeigen, die Lärmbelästigung für die Anwohner am Abstellbahnhof zu verringern.

Seit zwei Jahren begleitet unsere Redaktion die Betroffenen schon beim Thema Lärm am Abstellbahnhof, nachdem Petra Krüger vom Grüner Weg einen Brandbrief schrieb. Damals wurden die aufgerüsteten Züge gleich vor ihrem Schlafzimmerfenster abgestellt. Nach etlichen Beschwerden besserte sich die Situation bei ihr, das Problem verlagerte sich einige Meter weiter an den Speyerweg.

Dass die Dieselloks manchmal über Tage laufen müssen, liege an den empfindlichen Batterien, die bei einer Temperatur unter fünf Grad leiden, sogar kaputt gehen könnten, erklärte man den Anwohnern. „Angeblich gibt es eine Verordnung, dass die Züge laufen sollen“, sagte Krüger damals. Daran will aber niemand in der Siedlung glauben. „Wenn ich meinen Wagen vier Tage lang laufen lasse, werde ich verhaftet“, sagt Karl Lehmann.