Eller: Politik setzt sich für Baumallee in Eller ein

Baupläne : Politik setzt sich für Schlossallee in Eller ein

Jedes einzelne Exemplar sei charakteristisch für die Straße. Kein Baum sollte einer Zufahrt weichen.

Wohnraum ist knapp in Düsseldorf, auf vielen Flächen in der Innenstadt und den Außenbezirken wird gebaut. Aber nicht um jeden Preis, wie die Bezirksvertretung 8 findet, die einen Bauantrag erstmal geschoben hat, weil zu viele Fragen offengeblieben sind. In der letzten Sitzung stellte die Verwaltung Pläne für das Grundstück an der Schloßallee 3 vor. Dort soll ein viergeschossiger Gebäuderiegel mit 27 Wohneinheiten und Flachdach entstehen, für das Erdgeschoss sind Ladenlokale vorgesehen, in die eine Beratungsstelle für Soziales, eine Versicherungsagentur und ein Kiosk einziehen sollen. Außerdem seien 25 der 27 Wohnungen barrierefrei erreichbar, wie die Verwaltung mitteilte. Für das Projekt müssen 25 satzungsgeschützte Bäume gefällt werden, 24 neue Bäume sollen als Ersatz gepflanzt werden.

Und das gefiel vielen Stadtteilpolitikern gar nicht. CDU-Ratsherr Dieter Reinold fürchtet, „dass für den Bau einer Einfahrt der Charakter der Straße zerstört wird“. Holger­Michael Arndt von den Grünen fand noch drastischere Worte, „skandalös und rücksichtslos“, nannte er den Plan, einen der mächtig gewachsenen Bäume an der Baumallee zu fällen. „Darauf kann nur jemand kommen, der nicht im Stadtteil lebt“, so Arndt. Die übrigen Bäume, die für das Bauvorhaben weichen sollen, beschäftigten auch Lutz Pfundner (Die Linke) und Susanne Ott (Grüne, zweite stellvertretende Bezirksbürgermeisterin). „Zwar sind Ersatzpflanzungen geplant, aber neue Bäume haben nie so eine Wirkung auf das Klima wie die Alten“, meinte Pfundner, und Ott forderte „Bäume erster Ordnung, keine Lollipop-Bäume“. Krzysztof Wolongiewicz (CDU) regte an, über intensive Dachbegrünung nachzudenken.

Vor einigen Jahren habe es schon mal eine fast identische Vorlage gegeben für das Gelände, das gleich neben der Haltestelle „Vennhauser Allee“ liegt und gegenüber der Schlosskirche, die seit 1984 unter Denkmalschutz steht. „Damals wurde die Vorlage abgelehnt“, sagte Petra Reidt-Schmidt von der SPD. Markus Dreist (SPD) fragte nach dem Handlungskonzept Wohnen, das in der Vorlage überhaupt keine Erwähnung fand. Weil die Baunutzungsverordnung von 1990 ist, „hat die Stadt keine Rechtsgrundlage, um auf den Investor Einfluss zu nehmen“, erklärte die Verwaltung. 2013 hat die Stadt erst festgelegt, dass 40 Prozent Wohnraum öffentlich gefördert und preisgedämpft sein soll. „Ganz so schlecht, wie der Entwurf hier zerredet wird, ist er aber nicht“, meinte Dreist schließlich und schlug vor, auf die Zufahrt über die Schloßallee zu verzichten und das Areal nur über die Von-Krüger-Straße zu erschließen. Einig wurden die Stadtteilpolitiker sich nach einer langen Diskussion: „Wir haben hier eine Menge ungeklärter Fragen, nehmen Sie die mit und legen Sie uns einen neuen Beschluss in der nächsten Sitzung vor“, fasste es Lutz Pfundner zusammen.

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