Eller: Hauptschule Bernburger Straße will für Standort kämpfen

Schulrochade : Hauptschule will für Standort kämpfen

Heute entscheidet der Rat darüber, ob die Schule von der Bernburger Straße an die Vennhauser Allee zieht.

Sie haben Plakate gebastelt, Flyer gedruckt, E-Mails verschickt. Sie sind bereit zu kämpfen, auch wenn die Entscheidung eigentlich schon so gut wie gefallen ist. Lehrer, Schüler und Eltern der Hauptschule Bernburger Straße versuchen aber noch auf den letzten Metern das abzuwenden, was die Bezirksvertretung 8 am Dienstagabend bereits beschlossen hat: Bis auf Lutz Pfundner (Die Linke) sind alle Stadtteilpolitiker dafür, dass die Hauptschule Bernburger Straße an die Vennhauser Allee zieht und am Standort der Hauptschule stattdessen ein Gymnasium eröffnet wird. Heute entscheidet der Rat, heute ist die letzte Möglichkeit für die Hauptschule, sich ein letztes Mal Gehör zu verschaffen. Ab 8.30 Uhr wollen Schüler, Lehrer und Eltern vor dem Rathaus protestieren.

„Das ist unser Zuhause hier“, sagt Musiklehrerin Anna Sänger, die seit fünf Jahren an der Bernburger Straße unterrichtet. Gemeinsam mit Kolleginnen und Schulleiterin Veronika Loose verfolgte sie die Entscheidung in der Bezirksvertretung – kopfschüttelnd. Denn die Schulkonferenz sprach sich einstimmig gegen den Plan der Stadt aus, „es ist für uns schwer zu vermitteln, dass unsere Hauptschule einem Gymnasium weichen muss“, sagt Lehrerin Karin Rading.

Die Arbeit sei keine leichte gewesen in den letzten Jahren, „Inklusion, Digitalisierung“, so Rading, viele Konzepte, die Lehrer und Schüler umsetzen mussten. „Ein Umzug würde nur wieder Unruhe in den Alltag bringen.“ Auch der Ergänzungsantrag, der in der Bezirksvertretung noch aufgenommen wurde, stimmt die Kolleginnen nicht ruhiger. Im Gegenteil: Offenbar ist nicht mal sicher, dass es komplett neue Gebäude gibt an der Vennhauser Allee, wo heute die Alfred-Herrhausen-Schule ist. Die Förderschule und die Hauptschule sollen sich künftig das Gelände teilen, die Stadtteilpolitik ist überzeugt, dass die Kooperation mit dem Technikzentrum an der Vennhauser Allee und dem Zentrum für Berufsorientierung und Übergang noch besser sein wird. „Die Zusammenarbeit ist aber auch von hier aus sehr eng verzahnt“, meint Anna Sänger, die auch das nächste Argument der Politik nicht gelten lassen will: dass die Schülerschaft beim Umzug eine andere sein wird. „Was sagen wir den Eltern, die bald kommen und ihre Kinder hier anmelden wollen?“, fragt sie. Diese Kinder seien betroffen vom Umzug.

„Wir sind glücklich, dass es uns noch gibt“, sagt Karin Rading, auch wenn die Zahl der Hauptschulanmeldungen seit Jahren in Düsseldorf zurückgeht. 2017/18 waren es 2727 Kinder, 2023/24, so ist die Prognose, sollen es noch 2007 Kinder sein. Was die Stadt aber nicht berücksichtigt: „Der Elternwunsch ist ausschlaggebend, auf welche Schule die Kinder gehen. In der siebten Klasse müssen wir in der Regel einen dritten Zug aufmachen“, so Rading. Weil es immer wieder Kinder gibt, die auf den höheren Schulformen nicht bestehen. „Und wir haben kein einziges Kind hier, dass eine Gymnasial-Empfehlung hat“, sagt die Lehrerin. Sie kann die Begründung einiger Politiker nicht verstehen, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien aus dem Stadtbezirk endlich die Chance haben sollen, das Gymnasium zu besuchen.

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