Eller: Ein Pfarrer, der mit dem Fluss zieht

Eller : Ein Pfarrer, der mit dem Fluss zieht

Am Sonntag wird Jochen Lütgendorf als neuer Gemeindepfarrer offiziell in sein Amt eingeführt. Aus Wülfrath zog er für seinen neuen Job nach Düsseldorf. Die Arbeit in der großen Stadt am Rhein sieht er als eine neue Herausforderung.

In wenigen Tagen wird er seine erste offizielle Predigt als Pfarrer in Eller halten, bekannt gemacht mit seiner neuen Gemeinde hat er sich aber schon jetzt: Jochen Lütgendorf macht in Düsseldorf einen Neuanfang. Die neue Stelle bringt für ihn eine gewaltige Veränderung mit sich, denn in der Landeshauptstadt läuft einiges anderes als in Wülfrath-Düssel, wo er 16 Jahre lang arbeitete. Dennoch ist er guter Dinge, denn einige Dinge sind in jeder Gemeinde gleich.

"Als ich zum ersten Mal nach Düsseldorf kam, war mein erster Blick der auf das Düssel-Café an der Vennhauser Allee", erzählt Lütgendorf. "Das war ein schönes Willkommen." Der erste Eindruck prägt bekanntlich, und doch war für den 48-Jährigen auch vieles fremd in der neuen Stadt, in der er seine Gemeinde leiten wird. "Allein vom Äußeren her ist es natürlich eine große Umstellung, aber irgendwie passt es auch." Mit seiner Lebensgefährtin zog er schon am 1. Dezember ins "Gurkenland", wie er sagt, etwa seit einem Monat begann er, sich einzuarbeiten.

Aufgrund der Residenzpflicht muss Lütgendorf dort wohnen, wo seine Gemeinde ist. Das hätte er allerdings wohl sowieso getan, denn ein Prinzip ist ihm wichtig: "Die Nähe zu Gott und die Nähe zu den Menschen. "Ich hatte einen sehr guten Ausbildungspfarrer. Er hat immer gesagt, dass man nah am Wort Gottes und nah an den Menschen arbeiten muss." Für ihn persönlich bedeute das, sich an den christlichen Werten zu orientieren, nahe an den Worten Gottes zu leben, sich dabei aber niemals nur mit sich selbst zu beschäftigen: "Das ist das Wichtigste bei der Gemeindearbeit für mich. Die Menschen zu kennen, mit ihnen zu leben."

Die Gemeinde Eller ist etwa doppelt so groß wie die aus Düssel, Lütgendorf kann aber auch an guten Gewohnheiten festhalten, "Arbeiten wie Taufen, Trauerfeiern und Gottesdienste sind ortsunabhängig ähnlich." Besonders freue ihn, dass Eller zwar die ganze Bandbreite an klassischer Gemeindearbeit habe, aber auch neue Wege gehe. So gebe es neben der Kirchenmusik auch einen Gospelchor, meditative Gottesdienste und sogenannte "Punkt-6-Gottesdienste", in denen sich die Gläubigen kreativ mit kritischen Themen auseinandersetzen können. "Das sehe ich als neue und spannende Herausforderung", sagt Lütgendorf.

Eine weitere Herausforderung, der er sich stellen müssen wird, sei der demografische Wandel, der auch die Gemeinde betreffe. "Die Kirchgänger werden immer weniger. Der Nachwuchs fehlt." Allerdings habe gerade Eller viel Potenzial, neue Mitglieder zu gewinnen - besonders durch alternative Angebote. Es würden sich zukünftig Schwerpunktgemeinden bilden, weshalb sich jede einzelne Gemeinde auf ihre Stärken konzentrieren müsse: "Kirche wird sich anpassen müssen und für das da sein, was gerade gebraucht wird."

Den letzten Gottesdienst in Wülfrath-Düssel leitete Jochen Lütgendorf am 27. November vergangenen Jahres. Obwohl ihm der Abschied und der Umzug nach 16 Jahren auch schwer fiel, glaubt er, dass auch sein Nachfolger vieles von den guten Traditionen fortführen wird, die Lütgendorf begonnen hat.

Und am Ende ist die Reise nach Düsseldorf nicht nur etwas, an dem der Pfarrer beruflich wachsen könne, sondern auch gar nicht so weit. Denn es gibt etwas, das beide Orte miteinander verbindet: "Die Düssel entspringt nämlich im Gemeindegebiet Wülfrath-Düssel", sagt Lütgendorf.

(RP)