Düsseldorf: Verkehr im Stadtbezirk 8 wird Hauptthema

Politik in Düsseldorf : Verkehr war Schwerpunkt im Stadtbezirk 8

ÖPNV, Umweltspuren und die rechte Gruppierung Bruderschaft Deutschland – das hat die Politik im Eller Rathaus 2019 beschäftigt.

Eller, Lierenfeld, Vennhausen und Unterbach – vier Stadtteile, in denen sich einiges getan hat in den letzten zwölf Monaten und in denen sich einiges tun wird im kommenden Jahr. Hunderte Entscheidungen sind im Eller Rathaus gefallen, mal mehr, mal weniger zufriedenstellend für die Menschen im Düsseldorfer Osten. Die Politik zieht Bilanz und schaut auf 2020 – der Wahlkampf hat begonnen.

CDU 26 Jahre ist Gerwald van Leyen inzwischen Mitglied der Bezirksvertretung 8, seit 2009 Bezirksbürgermeister. Solange es die Gesundheit zulässt, „mache ich weiter“, sagt van Leyen, der im kommenden Jahr noch mal antreten will bei der Kommunalwahl. Wohnen und Verkehr werden die Hauptthemen im Wahlkampf sein für die CDU, die Auswirkungen der Umweltspuren auf den Stadtbezirk 8 etwa. Außerdem wird der Chef im Eller Rathaus die großen Bauprojekte im Blick behalten, die 2020 vorankommen sollen. Wohnungen entstehen in Lierenfeld an der Königsberger Straße/Ecke Tulpenweg, an der Festenbergstraße, beim Bauvorhaben für den Breidenplatz ist man zuletzt einen Schritt weitergekommen. Was dringend in Angriff genommen werden muss, „sind Sauberkeit und Grünpflege, die müssen sich unbedingt verbessern“, sagt van Leyen, der sich weiter für den Lärmschutz am Abstellbahnhof in Eller starkmachen will und sich fragt, wann endlich lärmreduzierende Maßnahmen an der Bahnstrecke Hilden – Rath ergriffen werden. Dass der Skatepark in Eller so gut angenommen wird, freut Gerwald van Leyen, der auch zufrieden ist, dass 2019 die Wichernschule fertig geworden ist, an der Lore-Lorentz-Schule der Bau begonnen hat und die Renaturierung der Düssel vorangekommen ist.

SPD Ein Thema, das die Bezirksvertretung 8 gespalten hat, ist die Bruderschaft Deutschland, die im Frühjahr vermehrt in Eller patrouillierte. Die einen wollten der rechten Gruppierung keine Plattform geben, für die anderen konnte es nicht laut genug werden im Kampf gegen Rechts. Dazu gehörte auch die SPD im Gremium, für die es ein Erfolg war, „dass sich viele Bürger solidarisiert haben gegen Rechtsradikalismus in Eller“, sagt Markus Dreist, der froh ist, dass Eller endlich ein Gymnasium bekommt, der Neubau des Lore-Lorentz-Berufskollegs beschlossen wurde, „da stecken ja auch städtische Mittel drin“, sagt Dreist, und am Abstellbahnhof durch die Bemühungen des Umweltausschusses der Lärm reduziert wird. Für die Radfahrer im Stadtbezirk 8 habe sich auch einiges verbessert: „Es gibt neue Fahrradbügel und kritische Engpässe wurden entschärft“, sagt Dreist, der sich freut, dass der Jugendclub an der Bernburger Straße erhalten werden konnte. In seinen Augen hätte aber der Bus on demand in Unterbach längst eingerichtet und der ÖPNV im Stadtbezirk verbessert werden können. Für 2020 steht das Projekt barrierefreies Eller wieder auf dem Plan, außerdem will die SPD den Ausbau von Fahrradwegen vorantreiben, mehr P&R-Plätze einrichten und sich für bezahlbares Wohnen einsetzen. „Wir würden auch gerne endlich ein Studentenwohnheim am alten Kirmesplatz an der Sturmstraße realisieren“, sagt Dreist, der auch ein Auge auf die Einkaufsstraße im Eller Zentrum haben will, „wir wollen die Gumbertstraße stärken“.

Grüne Holger-Michael Arndt von den Grünen blickt eigentlich gern auf das Jahr zurück, „auch wenn nicht alles positiv war, auf das wir zu reagieren hatten“. Auf Initiative der Partei haben Schulen im Stadtbezirk die Möglichkeit bekommen, für Projekte gegen Rechts aus dem Haushalt der Bezirksvertretung finanzielle Mittel zu beantragen. Der Verkehrsversuch zur Beschleunigung der U75 auf der Erkrather Straße steigert in Arndts Augen die Attraktivität des ÖPNV im Stadtbezirk, „zudem haben wir erreicht, dass das Verkehrsaufkommen und die Emissionen auf der Bernburger Straße besser überwacht werden“, sagt Arndt, der sich weiter für bessere Luft, weniger Lärm und weniger Verkehr im Stadtbezirk einsetzen und dafür vor allem die Auswirkungen der Umweltspuren beobachten will. Er wünscht sich weitere Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNV, vergleichbar zur Erkrather Straße stadtauswärts, wo ein Fahrstreifen für die Stadtbahn abschraffiert wurde. „Die Erkrather Straße einwärts wäre eine Möglichkeit, die Oberbilker Allee auch“, sagt Arndt. Das Müllproblem im Bezirk wollen die Grünen im nächsten Jahr weiter bekämpfen, „besonders in Eller und Lierenfeld beschweren sich viele Menschen über wilde Müllkippen. Hier ist ein stärkeres Engagement der städtischen Verwaltung dringend erforderlich“, sagt Holger-Michael Arndt, der ein Familien- und Nachbarschaftscafé für Eller und Lierenfeld als Anlaufstelle für alle Generationen mit angeschlossenem Bio-Laden realisieren würde. Stärkung der Einkaufsstraßen, Beseitigung dunkler Angsträume, sichere Wege zu Kita und Schule und die weitere Optimierung der Fahrradwege stehen bei den Grünen auf dem Programm für 2020.

FDP Zufrieden ist Bodo Schadrack von der FDP, dass 2019 das Bebauungsplan-Verfahren „Nördlich Gerresheimer Landstraße“ abgeschlossen werden konnte und die Jugendfreizeiteinrichtung an der Bernburger Straße bleibt. „Trotzdem gingen manche Themen leider nicht so zügig voran, wie ich mir das gewünscht hätte“, sagt Schadrack, „der barrierefreie Ausbau der Straßen- und Stadtbahnlinien durch den Kern von Eller dümpelt vor sich hin.“ Und auch Unterbach sei vom ÖPNV weiterhin abgeschnitten. „Wir werden sehen, was der On-demand Bus bringt und hoffen, dass die Machbarkeitsstudie für die Verlängerung der 705 nach Gerresheim S positive Erkenntnisse enthält“, so der FDP-Politiker, der 2020 nur für die Bezirksvertretung auf einem relevanten Listenplatz kandidieren will, im Stadtrat einem anderen Kandidaten den Vortritt lassen möchte. ÖPNV und Sharing-Angebote, bessere Instandhaltung der vorhandenen verkehrlichen Infrastruktur, mehr Stadtsauberkeit und ein weiterhin hohes Tempo beim Ausbau von Kindertageseinrichtungen und Schulen werden für Bodo Schadrack und die FDP im Wahlkampf wichtig sein.

Das „Bündnis 9. Februar“ hatte zu einer Demonstration auf dem Gertrudisplatz in Eller aufgerufen. 1200 Menschen kamen damals. Foto: Bretz, Andreas (abr)
Morgens staut es sich auf der Deutzer Straße. Manche vermuten, dass es an der Umweltspur liegt. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Das Jugendzentrum an der Bernburger Straße hat nach langer Zitterpartie jetzt doch eine Zukunft. Foto: Nicole Kampe

Linke Zu wenig Sozialwohnungen bei Neubauprojekten werden in den Augen von Lutz Pfundner gebaut, bei Modernisierungen würden Mieten so sehr erhöht, dass sich viele die Wohnungen nicht mehr leisten können, so Pfundner. Diese Gefahr bestehe auch an der Kissinger Straße, fürchtet der Linke-Politiker, der sich mehr Informationen von der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft gewünscht hatte zu möglichen Kostensteigerungen. „Ein Herzensprojekt war die Vergrößerung des Jugendzentrums Eller Aue“, sagt Pfundner, der nach Gesprächen mit Jugendlichen einen Antrag in die BV einbrachte, um die Einrichtung ein wenig zu unterstützen. „Gut war, dass sich zunehmend die Erkenntnis in der BV durchgesetzt hat, dass es in erster Linie über die Parteigrenzen hinweg um die Interessen der Einwohner geht“, sagt Pfundner, der froh ist, dass oft einstimmige Beschlüsse gefasst werden konnten, „selbst wenn sie von der Linken kamen“. Ein Beispiel dafür sei das Festival „Bunter Tanz für Toleranz“ gewesen, das sich gegen Rechtsradikale in Eller richtete. „Wenn meine Partei mich wieder aufstellt, bin ich bereit, auch in der Zukunft in der BV politisch mitzuwirken“, sagt Pfundner, für den die Themen Wohnen, Umwelt, Verkehr und die Mitsprache der Einwohner im nächsten Jahr wichtig sind.