Düsseldorf-Eller: Wohnen auf dem Abstellbahnhof?

Stadtteil-Kolumne in Düsseldorf : Wohnen auf dem Abstellbahnhof?

Die CDU macht den Vorschlag, einen alternativen Standort für den Abstellbahnhof zu suchen. Würde das Gelände frei, könnte es städtebaulich weiterentwickelt werden und ganz neue Perspektiven für den Stadtteil schaffen. Ein spannender Ansatz.

Es vergeht kaum eine Bezirksvertretungssitzung, in der nicht wieder ein neues Bauprojekt auf der Tagesordnung steht. Sogar in den zentralsten Lagen, mitten in der City, finden Stadt und Investoren immer wieder Flächen, um Wohnungen zu bauen. Wohnraum wird gebraucht, dringender denn je. Da kommt der Vorstoß der CDU, über eine Verlegung des Abstellbahnhofs nachzudenken, eigentlich genau richtig. Das Grundstück könnte kaum besser liegen – zwischen Eller, Oberbilk und Wersten. Dadurch hat es ein bisschen Grün rundherum, viel Wohnbebauung in der Nachbarschaft und eine gut funktionierende Infrastruktur. Aus heiterem Himmel haben die Christdemokraten diese Anfrage im Rat nicht gestellt, der Abstellbahnhof ist seit Jahren Thema in der Politik. Weil sich Anwohner der Betriebsanlage immer heftiger wehren gegen den Lärm und die Abgase, die dort produziert werden – inzwischen sogar ein Gutachten bestätigt, dass Grenzwerte überschritten werden. Und auch wenn es Verbesserungen gegeben hat in den letzten Wochen und sich noch einiges tun soll, wie etwa veränderte Abstellpositionen der Züge und ein Lärmwächterplan, so glaubt der CDU-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Gutt nicht, dass sich auf diese Weise dauerhaft Konflikte vermeiden lassen. Dafür sei das Gebiet einfach zu dicht bebaut.

Gespräche hat es viele gegeben in den letzten zwei Jahren – zwischen Stadt, Deutscher Bahn und Eisenbahnbundesamt. Darin ging es vor allem um Maßnahmen, die Lärm reduzieren sollen. Der Ansatz der CDU ist etwas ganz Neues, mutig, und auch ein bisschen gewagt. Weil die Deutsche Bahn kein einfacher Verhandlungspartner ist und als Eigentümerin der Anlage erst einmal Hoheitsrecht hat. Immerhin gibt es den Abstellbahnhof seit mehr als 90 Jahren an dem Standort. „Die Gerichte verändern aber so langsam ihre Rechtssprechung“, sagt Gutt, die Bahn habe nicht mehr diese hoheitliche Sonderposition. Das zeigte sich zum Beispiel in einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das entschied, dass sich die Bahn bei den Flächen des Abstellbahnhofs nicht auf den Bestandsschutz von Schienenwegen berufen kann. Ob die CDU mit ihrem Vorschlag im Rat Erfolg haben wird, wird sich Ende März zeigen, in der letzten Sitzung wurde die Anfrage aus zeitlichen Gründen verschoben. Auf jeden Fall ist der Vorstoß einer, über den es sich nachzudenken lohnt. Von allen Fraktionen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Nachbarn zu schützen. Städteplanerisch hat das Areal viel zu bieten. „Wenn die Bahn von selbst sagt, dass sie das Grundstück nicht mehr braucht, wäre das für uns ein Riesenglück“, sagt Gutt. So einfach wird es aber nicht gehen, und dann steht da noch die Frage im Raum: Wohin mit den Zügen?