Düsseldorf-Eller: Eisenbahn-Bundesamt will Lösungen suchen

Lärm in Düsseldorf : Zwischen Hoffnung und Wahnsinn

In einem ersten persönlichen Gespräch zwischen Stadt und Eisenbahn-Bundesamt hat die Verkehrsbehörde signalisiert, dass sie das Lärmgutachten der Stadt als aussagekräftig bewertet. Ende August treffen sich Stadt, Verkehrsbehörde und Bahn. Dann wird sich zeigen, was für die Anwohner getan werden kann.

Dutzende E-Mails haben Michael Strelow und seine Nachbarn in den letzten zwei Wochen wieder geschrieben. Mal morgens früh, mal abends spät, mal mitten in der Nacht. Immer mit demselben Inhalt: „Schalten Sie umgehend die Motoren ab.“ Nachdem es ein bisschen ruhiger wurde am Abstellbahnhof in Eller, hat der Lärm seit Ende Juli offenbar wieder deutlich zugenommen, „durch stundenlang abgestellte Züge mit laufenden Motoren und Lüftern der Elektrozüge“, wie Ute Reinhardt in einer ihrer Mails schreibt. Für die Anwohnerin ein unzumutbarer Zustand. Zwischenzeitlich hatte sich bei den Nachbarn die Rufnummer der Leitstelle am Abstellbahnhof rumgesprochen. Ein kurzer Anruf reichte, und nach einer viertel Stunde seien die Züge abgeschaltet gewesen. „Mittlerweile wurde diese Nummer unbekannt geändert, und nun sind die Zustände hier schlimmer denn je“, so Reinhardt, die sich nach den Zeiten der Lärmmessungen sehnt, „als es endlich mal still hier war“.

Seit Jahren klagen die Menschen rund um die Anlage in Eller, Wersten und Oberbilk über Lärm und schlechte Luft. 2017 dann setzte sich vor allem die CDU im Stadtbezirk 8 für die Menschen ein, stellte Anfragen, formulierte Anträge, bis das Thema schließlich auf die Tagesordnung des Umweltausschusses kam, der im Frühjahr 2018 Lärmmessungen an der Anlage durchsetzte. Ein Gutachter kam zum Ergebnis, dass es zu laut ist. 176 Seiten umfasst das Dokument, in dem unter anderem steht, dass die Grenzwerte um bis zu 20 Dezibel überschritten werden. Inzwischen hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Messungen der Stadt überprüft und in einem ersten persönlichen Gespräch mit der Verwaltung mitgeteilt, „dass es das Gutachten im Grundsatz als aussagekräftig bewertet“, sagt ein Sprecher der Stadt. Das EBA habe sich aber vorbehalten, auch die DB Netz als Betreiberin des Abstellbahnhofs einzubinden und diese um Stellungnahme zum Gutachten gebeten.

Das Behörde sei bemüht, gemeinsam mit der Stadt und der Bahn Lösungen zu entwickeln, um die derzeit bestehende Lärmsituation dauer­haft zu entschärfen. Dazu habe die Behörde Vertreter der Stadt und der DB Netz zu einem weiteren Gesprächstermin eingeladen, für den 30. August, „die Stadt hat ihre Mitarbeit zugesagt“, so der Sprecher. Ob dann schon konkrete Lösungen und Maßnahmen vereinbart werden können, „lässt sich vor diesem zweiten Termin nicht mit Sicherheit sagen“, so der Sprecher der Stadt.

Es gibt aber Möglichkeiten, den Anwohnern ganz schnell und sogar kostengünstig zu helfen, meint Philipp Tacer (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses. „Soweit ich das verfolgt habe, kann man mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln den Lärm reduzieren, indem das Eisenbahn-Bundesamt die DB Netz anweist, ihre Züge abzuschalten“, so Tacer. Diese Anweisung müsste die Deutsche Bahn dann an die privaten Betreiber weitergeben, die ebenfalls Züge in dem Depot abstellen. Tacer ist froh, dass zwischen Stadt und EBA erstmals ein persönlicher Austausch stattgefunden hat, „so kann eine Dynamik in die Problemlösung kommen“, sagt Tacer, der weiß, dass es den Anwohnern gar nicht um ein- und ausfahrende Züge geht, sondern um jene, die ohne Bewegung stundenlang brummen.

In der Zwischenzeit wird das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz die Luftqualität in der Umgebung des Abstellbahnhofs messen. „Und Verwaltung und Politik müssen weiter Druck machen“, so Philipp Tacer. Er hofft, dass die Hilferufe der Anwohner bald ein Ende haben. Die wiederum können die Ergebnisse aus dem Termin am 30. August kaum abwarten. Die Gefühlslage bei ihnen schwankt – irgendwo zwischen Wahnsinn und Hoffen. Bis dahin werden sie weiter Hilferufe per Mail schicken: „Bitte, bitte, schaltet die Motoren ab. Sie laufen nun seit mehr als sechs Stunden ununterbrochen durch. Bitte, bitte“, ist nur eine von 19 Nachrichten, die in den letzten zwei Wochen verschickt wurde.

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