Düsseldorf-Eller: Ein Samtkragen zum Abschluss

Verein in Düsseldorf : Ein Samtkragen zum Abschluss

Vor 15 Jahren haben Dirk Schmidt und ein paar Mitstreiter die Gesellschaft zur Förderung des Samtkragens gegründet. Ein bisschen hat der Verein mit dem Schnaps zu tun, er beschäftigt sich vor allem aber mit Heimat und Geschichte.

Eiskalt muss der Korn sein, der etwa drei Viertel des gekühlten Schnapsglases füllt. Darüber kommt der Boonekamp, ein warmer Magenbitter, der aus verschiedenen Kräutern besteht. Mehr als 50 können drin sein, unter anderem Anis, Koriander und Zimt. Am besten wird er mit einem Fadenausgießer eingeschenkt, damit sich der Boonekamp auf dem Korn verteilen kann, ohne sich mit ihm zu mischen. „Jetzt muss alles schnell gehen für das echte Geschmackserlebnis“, sagt Dirk Schmidt, der Wolfgang Laube und Jürgen Hagendorn zuprostet. Und schon ist der Samtkragen weg. „Ich mag schon keinen Korn“, sagt Hagendorn, der das Gesicht verzieht, den Kopf schüttelt, „mit dem Magenbitter ist das noch schlimmer.“ Trotzdem ist der Elleraner Mitglied in der Gesellschaft zur Förderung des Samtkragens – ein Verein, bei dem es ein bisschen um Schnaps geht, vor allem aber um Düsseldorf, die Heimat, die Geschichte.

Vorsitzender der Samtkragenfreunde ist Dirk Schmidt, der irgendwann in den 2000ern feststellte, dass immer weniger Kneipen den Samtkragen auf der Karte haben. „Schade eigentlich“, sagt Schmidt, der sich noch erinnern kann an früher, als sein Opa und sein Vater zum Abschluss eines Kneipenabends einen Samtkragen bestellten. „Mach mal den Deckel“, hieß es dann, dazu gab es einen Korn mit Boonekamp, wie er in vielen Gaststätten irgendwo zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet ausgeschenkt wurde. Wer den Samtkragen erfunden und woher er seinen Namen hat, das konnten Schmidt und seine Vereinskollegen bisher nicht herausfinden. „Nachweislich gibt es den Samtkragen seit mindestens 1818 in Düsseldorf“, so Schmidt, der eine kleine Broschüre erstellt hat mit allem, was die Menschen wissen müssen über den Samtkragen.

Jürgen Hagendorn, Dirk Schmidt und Wolfgang Laube (v.l.) mit dem neuen Lastenrad, das sie aus Essen abgeholt haben. Foto: Samtkragenfreunde

Aber einen Verein gründen, der sich nur dem Alkohol verschrieben hat, das wollte Schmidt auch nicht – wenngleich der Idee schon der eine oder andere Schnaps vorausgegangen war. Vor genau 15 Jahren ist das gewesen, als Schmidt und ein paar Freunde an eine Art Heimatverein dachten – ein bisschen ist der Samtkragen ja auch Heimat, Geschichte. Auf der Suche nach einem schönen Namen für den Verein bot sich schließlich der Samtkragen an, „der bleibt den Leuten in Erinnerung“.

Angelika- und Baldrianwurzel, Zimt, Anis und Fenchelsamen – im Boonekamp sind mehr als 50 Gewürze drin. Foto: Samtkragenfreunde

40 Mitglieder hat die Gesellschaft zur Förderung des Samtkragens heute, die meisten kommen aus Eller und Bilk, der Anteil von Männern und Frauen ist etwa gleich. Einmal im Monat trifft man sich zum Stammtisch, immer am 15. eines Monats, immer um 19 Uhr, „dann haben wir verschiedene Wochentage und jeder kann mal dabei sein“, sagt der Vorsitzende. Die Kneipen wechseln, mal ist der Verein im Norden der Stadt, mal im Süden – Hauptsache, es gibt Samtkragen, „auch wenn es keine Pflicht ist, einen Schnaps mitzutrinken“, sagt Wolfgang Laube. Jedes Jahr haben die Samtkragenfreunde ein anderes Motto – 2018 etwa hieß es „Düsseldorf von unten“.

„Wir haben eine Tour gemacht zum Besucherkanal in Golzheim“, erzählt Dirk Schmidt, der dann auch immer ein bisschen etwas zur Geschichte passend zum Motto erforscht. So wie vor ein paar Jahren, als das Thema die Schlacht von Worringen war „und wir festgestellt haben, dass Köln und Düsseldorf nie gegeneinander gekämpft haben, sich die Bauern stattdessen zusammengeschlossen haben, um gegen den Erzbischof anzutreten“, sagt Laube. So soll Düsseldorf die Stadtrechte bekommen haben.

Dieses Jahr schloss sich der Verein dem Elleraner Jubiläum „800 Jahre Flecken Elnere“ an, weil so viele Mitglieder aus Eller kommen. Dafür bauten Schmidt und die anderen aus dem Verein einen Pavillon beim Fest auf dem Gertrudisplatz auf, um ein bisschen bekannter zu werden bei den Menschen in Düsseldorf. Und natürlich, um den Samtkragen bekannter zu machen, „wir haben mehr als 50 Gewürze aufgestellt, die im Boonekamp drin sind“, sagt der Vorsitzende, dem dann die Idee kam, dass ein Lastenrad doch viel besser sei als so ein sperriger Pavillon.

Erfahrungen hat Schmidt schon mit dem Gefährt, in seiner Schreinerei gibt es auch schon zwei davon. Kurzerhand hat sich der Verein jetzt ein nigelnagelneues Elektro-Lastenrad zugelegt, es vor ein paar Tagen aus Essen abgeholt. Mit der Bahn sind Jürgen Hagendorn, Wolfgang Laube und Dirk Schmidt nach Essen, zurück natürlich mit dem Rad. „Und wenn wir es nicht brauchen, wollen wir es den Menschen im Stadtteil zur Verfügung stellen“, sagt Dirk Schmidt, der noch auf der Suche nach Ideen ist für das Samtkragen-Elektro-Lastenrad.