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Düsseldorf: Das ist die Gumbertstraße in Eller - zwischen An- und Abreise

Serie „Meine Einkaufsstraße„ : Die Gumbertstraße in Düsseldorf-Eller - zwischen An- und Abreise

Die Gumbertstraße ist seit über 100 Jahren die Haupt- und Einkaufsstraße in Düsseldorf Eller. Doch sie war schon immer mehr Durchgangs- als Flaniermeile.

Dort, wo der Gertrudisplatz an die Gumbertstraße anschließt, herrscht reges Treiben. Alle drei Minuten hält eine Straßenbahn, fährt mit dem typischen Klingeln wieder los. Ein junger Mann mit einem Instrumentenkoffer und einem Kleidersack läuft eilig zum Bäcker an der Ecke. Er trägt eine Jacke der „Swinging Funfares“. Der Koffer sieht nach Posaune aus, der Kleidersack nach Anzug. Bestimmt hat er gleich einen Auftritt.

Am Eingang zum Rewe-Markt bietet ein Mann die Fiftyfifty an. Er lächelt freundlich. Mit jedem Öffnen der automatischen Türen schlägt ihm ein Schwall warmer Luft entgegen.

Auf der anderen Seite des Gertrudisplatzes liegt die gleichnamige Kirche, davor ein großer Spielplatz. Auf der rechten Seite steht das historische Rathaus, daneben die Stände des Wochenmarktes. Käse-, Fisch- und Blumenverkäufer bieten dort von Dienstag bis Samstag ihre Waren feil. Der Gertrudisplatz bildet mit seinem Markt die geschäftige Mitte der Gumbertstraße, die Haupt- und Einkaufsstraße in Eller.

Wer die Gumbertstraße abläuft, wird kaum ein Geschäft missen. Metzger, Schneider, Bäcker, Buchhandel – all das gibt es hier. Ganz unbeschadet kommt aber auch Eller nicht am Trend zum Discounter vorbei. Drei Ein-Euro-Shops, sieben Leerstände – darunter der Klassiker Videothek – und die üblichen drei Handy-Shops haben hier klassische inhabergeführte Geschäfte verdrängt.

Die heutige Gumbertstraße erstreckt sich auf 850 Metern zwischen der U-Bahn-Haltestelle Jägerstraße im Norden und dem Busbahnhof Vennhauser Allee im Süden. Früher ging die Gumbertstraße im Norden noch weiter, über den Ellerbittweg, die Annweilerstraße bis zur heutigen Ludwigshafener Straße.

Die meisten Geschäfte aber befanden sich schon immer im südlichen Teil. Da die Hausnummern nicht neu vergeben wurden, beginnt die Gumbertstraße heute mit der Nummer 79. Bemühungen in den 1980er Jahren, aus der Gumbertstraße eine Fußgängerzone zu machen, endeten mit einem halbgaren Kompromiss. Auf etwa 100 Metern dürfen seitdem nur noch Straßenbahn und Radfahrer passieren. Davor und danach auch weiterhin Autos.

Schulklassen der nahen Hauptschule laufen nun aus Richtung der Anhalter Straße zur Haltestelle. Handys werden gezückt, einige Schüler verharren noch an den großen Blumenkübeln und unterhalten sich. Eine Radfahrerin klingelt energisch, eine Frau mit Kind überquert ihr die Straße nicht schnell genug. Ein älteres Ehepaar schlendert unbeeindruckt vorbei, ganz ohne Handy und ohne Eile.

So unterschiedlich die Menschen sind, so zwiegespalten ist auch die Gumbertstraße. Als Einkaufsstraße hat sie es nicht leicht, obwohl die Anbindung nicht besser sein könnte. Der Bahnsteig Eller-Mitte, die Straßenbahn-Haltestellen Eller Mitte und Alt-Eller – an öffentlichem Nahverkehr mangelt es nun wirklich nicht.

Aber genau dies ist auch das Problem. Dadurch, dass die Gumbertstraße keine Fußgängerzone ist, geht viel Gemütlichkeit verloren. Kneipen und Cafés haben es viel schwerer als etwa in der Düsseldorfer Altstadt. Absperrpfosten und -Ketten sollen Fußgänger zusätzlich daran hindern, die Straße an gefährlichen Stellen zu überqueren. Die Gumbertstraße wirkt nicht wie das, was Stadtplaner eine Verweilstraße nennen – sie ist eher eine Durchgangsstraße. Aus den vielen Haltestellen werden Abreisestellen.

Der Mann mit den Fiftyfifty-Zeitungen steht noch immer am Eingang des Rewe-Marktes. Er lächelt nicht mehr so freundlich und er grüßt auch nicht mehr jeden. Die Sonne steht tief, die Häuser der gegenüberliegenden Straßenseite werfen ihre Schatten auf ihn. Ein Mann, der aus dem Supermarkt kommt, hält ihm etwas in einer weißen Serviette hin. Er sagt streng, fast belehrend: „Vorsicht, heiß!“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Gumbertstraße in Eller - keine richtige Flaniermeile