Eller : Die Stadtteil-Kirmes lebt

In Eller gibt es noch eine richtige Jahrmarkt-Runde mit Raupe und Autoscooter und sogar einer kleinen Achterbahn. Das zieht jedes Jahr auch Auswärtige zum Schützenfest an. Der Auftakt gestern fiel allerdings ins Wasser.

Da wartet man ein ganzes Jahr auf diesen Moment, und dann schüttet es. Pünktlich zum Kirmesstart in Eller setzt gestern wieder der Regen ein, und er hält sich hartnäckig. Aber wer ein richtiger Schütze ist, lässt sich von ein bisschen Wasser nicht aus dem Konzept bringen. In Eller schon mal gar nicht. Offenbar direkt von der Arbeit kommend sieht man da den einen oder anderen hartgesottenen Haudegen, der sich trotz des Sauwetters unter freiem Himmel und mit nacktem Oberkörper am Auto die Uniform überstreift. Eller eben.

Klar ist gestern Nachmittag noch nicht viel los, das wird heute besser und spätestens morgen erst recht, wenn die Sonne wieder scheint. Die Kirmes zu Schützenfestzeiten hat es schwer in Düsseldorf, in Eller sieht das etwas anders aus. Hier kann man noch eine richtige Runde drehen, anderswo ist nach Kinderkarussell, Würstchenbude und Bierstand schon Schluss. Zwar sucht der Besucher in Eller selbstverständlich Hangover, Alpina- oder Wildwasserbahn vergeblich, aber es gibt eine richtige Raupe, einen großen Autoscooter und mit Speedy sogar eine kleine Achterbahn. Nicht zuletzt ist ein großer Biergarten aufgebaut, direkt am Eingang, wo sich auch immer eine Sitzgelegenheit findet.

Noch etwas gibt es in Eller nicht: Anonymität. Auf der Kirmes in Eller trifft man immer jemanden, da muss sich niemand verabreden, nicht einmal, wenn man kein Schütze ist. Auf der Kirmes in Eller werden Geschichten geschrieben, an die sich die Beteiligten noch Jahrzehnte später erinnern. "Weißt du noch . . .", heißt es dann. Und das war schon immer so.

Bestimmt 200 Jahre reicht die Geschichte der Kirmes in Eller zurück, als noch Gaukler und Wahrsager und Musikanten die Magneten waren. Sehnsüchtig warteten die Menschen Anfang des 19. Jahrhunderts im tristen Einerlei des Alltags auf den Jahrmarkt, plötzlich brummte es auch in den umliegenden Gasthäusern, war das Lebengefühl für drei Tage ein anderes. Ungefähr so wie heute, wenn Schützenfest ist. Das gibt es seit Beginn des 20. Jahrhunderts, der St. Sebastianus Schützenverein wurde 1902 gegründet, seit 1904 waren beide Veranstaltungen, Schützenfest und Jahrmarkt, immer enger miteinander verzahnt. Offizieller Ausrichter der Kirmes sind die Schützen seit 1909.

"Nachhaltig wollen wir unter Beweis stellen, dass die Pflege des Brauchtums ein wichtiger Bestandteil im Zusammenleben der Menschen in unserem Stadtteil und darüber hinaus ist", sagt Schützenchef Lothar Adams. Soziales Engagement ist ein wichtiger Eckpfeiler davon, ein anspruchsvolles Programm im Festzelt ein anderer oder eben ein gut bestückter Kirmesplatz. Den haben die Schützen in Eller, und nicht umsonst heißt hier das Schützen- ja auch Volksfest.

Dabei werden dann auch Hierarchien aufgehoben, trinkt der Bankdirektor sein Bier mit dem Handwerker und der Firmenpatriarch vielleicht sogar mit dem Arbeitslosen. Zumindest für diese vier Tage herrscht absolute Gleichheit. Das ist anderswo bei Schützenfesten auch so, und doch drängt sich in Eller stets der Eindruck auf, es geht noch etwas gleicher zu. Vor allem auf der Kirmes.

(arc)
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