Eller: Bahnhof in Eller-Süd auf dem Prüfstand

Eller: Bahnhof in Eller-Süd auf dem Prüfstand

Seit zehn Jahren kümmern sich Werbegemeinschaft und Bezirksvertretung um die Haltestelle, die vom VRR jetzt sehr schlechte Bewertungen bekommen hat. Die Unterstützer fragen sich nun, ob sich ein weiterer Einsatz überhaupt lohnt.

Vor einem halben Jahr noch hatte Jürgen Hagendorn stolz vor dem S-Bahnhof Eller-Süd gestanden, auf das geschaut, was er und seine Kollegen von der Werbegemeinschaft erreicht haben. "Seit zehn Jahren ist der Bahnhof ohne Graffiti", sagte Hagendorn im September. Damals stieß er ganz zufällig auf ein Datum in 2007 - als die Säuberungsaktionen vor allem im Tunnel begannen. 50.000 Euro hat die Werbegemeinschaft inzwischen schon in die Aufwertung des Bahnhofs und dessen Umfeld investiert, oft wurde sie unterstützt von der Bezirksvertretung 8.

Umso härter wurden Hagendorn und Bezirksbürgermeister Gerwald van Leyen jetzt vom Ranking des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) getroffen, der dem Bahnhof Eller-Süd ein sehr schlechtes Erscheinungsbild attestiert. Professionelle Tester des VRR haben 2017 mehrfach die Düsseldorfer Stationen besucht und auf verschiedene Kriterien hin überprüft - mit dem Urteil, Eller-Süd sei "nicht akzeptabel". Der Zustand habe sich an diesem S-Bahnhof sogar verschlechtert im Vergleich zum Vorjahr. "Das ist frustrierend", sagt Hagendorn. Wohlwissend, "dass der VRR ja eine relativ neutrale Institution ist, die nichts davon hat, uns schlecht zu bewerten".

Hagendorn überlegt ernsthaft, ob die Werbegemeinschaft das Geld nicht doch in ein anderes Projekt investieren soll, denn offenbar hat die Deutsche Bahn kein Interesse, dass sich die Werbegemeinschaft als eine Art Pate um die Station kümmert. Obwohl es vor den ganzen Reinigungsaktionen eine Zeit gegeben haben soll, "in der die Leute regelrecht geduckt durch den Tunnel liefen", erzählt der Chef der Werbegemeinschaft, "da hat selbst die Bahn die Unterführung aufgegeben".

Viele Pläne hatten Bezirksvertretung und Werbegemeinschaft, um die Haltestelle im Düsseldorfer Osten attraktiver zu gestalten. Einen Ortstermin gab es dazu sogar noch im Herbst mit Stadt und DB, in dem es um die defekten Uhren ging, die abgesplitterte Farbe am Eingangsbereich des Tunnels und die verschiedenen Zuständigkeiten. "Das Treffen war richtig konstruktiv", sagt Hagendorn, "aber jetzt kommt nichts mehr", erzählt van Leyen. Nicht einmal Nachfragen per Mail würden beantwortet von der Bahn, "sie ist jetzt aber am Zug", meint der Bezirksbürgermeister.

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Ein Sprecher des Unternehmens meint, Eller-Süd sei kein Einzelfall. Viel mehr kann er dazu aber nicht sagen, der zuständige Kollege sei nicht erreichbar gewesen in der letzten Woche.

Dafür erklärt Dino Niemann, Sprecher des VRR, die Bewertung der Station: "Dort kam es wegen großflächiger Graffiti zu Abwertungen im zweiten und vierten Quartal." Weitere Minuspunkte soll es gegeben haben wegen einer Vielzahl von Schmierereien auf dem Bahnsteig. Im dritten Quartal sei die Sauberkeit auf dem Bahnsteig bemängelt worden. "Aus Sicht des VRR sind attraktive und funktionstüchtige Bahnhöfe von ganz entscheidender Bedeutung für einen leistungsstarken Öffentlichen Personennahverkehr", sagt Niemann. Handlungs- und Einflussmöglichkeiten des VRR auf die Entwicklung und die Qualität der Stationsinfrastruktur seien aber beschränkt, da die meisten Bahnhöfe der Deutschen Bahn gehörten.

Dass es schwierig ist mit den Zuständigkeiten, wissen auch Jürgen Hagendorn und Gerwald van Leyen. Deswegen habe es auch das Treffen gegeben, deswegen sei auch schon vor zehn Jahren ein runder Tisch organisiert worden. Seitdem hatte die Werbegemeinschaft sich vor allem um den Tunnel gekümmert. Es wurde dafür eigens eine Reinigungsfirma engagiert, die einmal in der Woche kommt, manchmal öfter, mit dem Ziel, den Sprayern die Fläche zu nehmen. Nach 48 Stunden sollen die Schmierereien entfernt sein, damit es uninteressant wird für die Sprayer, weil Farbe Geld kostet und ihre Graffiti gesehen werden sollen.

Wie es weitergeht, ist unklar. Bei der Deutschen Bahn will man noch einmal Rücksprache halten mit dem Verantwortlichen, der Kontakt hatte zur Werbegemeinschaft und zur Bezirksvertretung.

(RP)