Eller: Auf Stippvisite in der Heimat

Eller: Auf Stippvisite in der Heimat

Seine Primiz, die erste Heilige Messe, hat der frischgebackene Priester Michael Schiller dort gefeiert, wo er aufwuchs: in Eller.

Die Erleichterung ist Michael Schiller nach seiner ersten Heiligen Messe deutlich anzumerken. "Ich war sehr aufgeregt", erzählt er, "schon in der Schule war es nicht mein Ding, Referate zu halten". Doch das war Schiller jetzt nicht anzusehen. Für seine Primiz in der St. Gertrud Kirche in Eller bekam er großen Zuspruch, viele Menschen aus seinem Freundeskreis und der Familie reisten extra an. Anschließend organisierte die Gemeinde für ihn ein Fest. Eine reibungslose Bewährungsprobe, könnte man sagen. Und damit steht dieser Tag in einem gewissen Gegensatz zu seiner bisherigen Laufbahn. Denn Michael Schillers Weg führte ihn über einige Umwege zu seinem Ziel.

Aufgewachsen bei einer sehr gläubigen Familie war der heute 34-Jährige schon immer ein aktives Mitglied der Gemeinde, wo er auch als Ministrant tätig war. So kam er auch zum Priesteramt, auch wenn die Initialzündung von außerhalb kam. Joachim Decker, Pfarrer der Gemeinde, war es, der Schiller unvermittelt an seine Berufung führte. "Du wirst später einmal Priester", sagte er zu Schiller damals. Doch dieser hatte als Jugendlicher eigentlich andere Pläne: Als Kind einer Arbeiterfamilie stand ein Studium nicht unbedingt auf seinem Wunschzettel, zudem wollte er unbedingt später eine Familie gründen. Doch Deckers Worte ließen ihn nicht mehr los, so dass er noch einmal in Ruhe mit ihm bei einem Bier im Pfarrgarten über die Idee sprach. Danach stand für ihn endgültig fest, dass er Priester werden wollte.

Doch seine Zukunftspläne sollten vor eine harte Probe gestellt werden: Schiller bestand nicht sein Abitur, womit das ersehnte Theologiestudium erst einmal in weite Ferne rückte. "Da habe ich schon mit Gott gehadert und mich gefragt, ob es vielleicht doch nicht der richtige Weg für mich ist", erzählt er. Aber dank der Hilfe von Familie und Freunden befreite er sich schnell aus dem Loch, in das er nach diesem Rückschlag gefallen war.

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Auch der Kirche blieb er trotz dieses Rückschlags verbunden und absolvierte nach seinem Zivildienst eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation im erzbischöflichen Gerneralvikariat in Köln. Das Priesteramt ließ ihn aber nicht los. So entschied sich Schiller, sein Abitur nachzuholen und doch noch Theologie zu studieren. Sieben Jahre später ist er nun am Ziel seiner Träume. Sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist nun jedoch Wermelskirchen. Auf seinen Wunsch wollte er seine erste Heilige Messe aber in seiner Heimat halten. Nicht zuletzt auch wegen Pfarrer Decker, der ihn damals zum Priesteramt führte. Ansonsten ist er heute nur noch selten in Eller. Wenn doch, dann meist, um das Grab seines verstorbenen Vaters zu besuchen. Mit seiner alten Heimat verbindet er neben den Erinnerungen an die Kirchengemeinde besonders den Schlosspark in Eller, wo er oft mit seinem Vater und Großvater spazieren ging, oder auch hinkam, wenn er den Kopf frei bekommen wollte: "Als ich mein Abitur nicht bestanden habe, war ich sehr oft hier." So ist Michael Schiller auch in seiner Freizeit eher der ruhigere Typ. Er trifft sich gerne mit seinen Freunden oder geht schwimmen, wenn es die Zeit zulässt.

In kirchlichen Fragen vertritt Michael Schiller konservative Werte. Er steht hinter dem Zölibat und folgt auch bei Fragen rund um die Segnung homosexueller Paare oder Verhütung der katholischen Linie. "Kirche ist kein Selbstzweck, sondern von Gott gestiftet", sagt er. Es sei wichtig, dass sich die Kirche auf traditionelle Werte und die Worte in der Bibel besinne. Eine Standfestigkeit, die auch seinen Lebensweg auszeichnet, der ihn trotz verschiedenster Widrigkeiten letztendlich ins Priesteramt geführt hat.

(RP)