Niederkassel: Eko-Haus: Meditation und Stille im Bild

Niederkassel: Eko-Haus: Meditation und Stille im Bild

Die Ausstellung "Rückblick" im japanischen Kulturzentrum zeigt Fotografien, die in Kyoto und Umgebung entstanden sind. Sie sind keine Sightseeing-Erinnerungen, sondern leise Momentaufnahmen der japanischen Kultur.

Mannshohe schmale Holzstäbe, auf denen japanische Schriftzeichen eingraviert sind, stehen dicht an dicht und erinnern so ein wenig an Totempfähle. Genau genommen sind es sogenannte "Grabstäbe", die eben nach einiger Zeit vom Grab heruntergenommen und zu einer Sammelstelle gebracht werden. Dort entstand dieses Foto so wie auch etliche andere, die der Germanist und Linguist Volker Beeh auf Steifzügen in und um die Stadt Kyoto herum in einem Zeitraum von drei Jahrzehnten immer wieder mit seiner Kamera festgehalten hat. "Von diesem Fotomaterial kann ich zehren, wenn ich alt bin — also jetzt", sagte Beeh in seiner Einführung zur Eröffnung seiner Ausstellung "Rückblick" im Eko-Haus der Japanischen Kultur. Zur Vernissage waren rund 100 Gäste gekommen, darunter auch der japanische Generalkonsul Kiyoshi Koinuma und der Leiter des Eko-Hauses Takao Aoyama.

Viele der 19 Schwarz-Weiß Fotografien sind selbsterklärend, andere bringen die Fantasie ganz schön auf Trab: etwa das Bild "Wegeinfassung", vor dem der unwissende Betrachter beliebig oft den Kopf hin- und herdrehen kann, ohne dabei jemals zu einem sinnhaften Ergebnis zu kommen. Oder das Bild "B", in dem an einer Stromleitung sinnlos zwei Eimerhalter baumeln, die jemand dorthin gehängt hat — wohl, um sich ihrer zu entledigen — und die in dieser Formation eben das "B" ergeben.

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Der Ausstellung liegt kein fotografischer Leitfaden zugrunde und wenn doch, dann unbewusst: "Die Menschen sollen einfach gucken", sagt Beeh. Ingeborg Kempen folgt diesem Wunsch und steht lange vor den Bildern mit den Lotosblüten: "Sie wirken beruhigend auf mich, fast wie Meditation, wenn ich sehr lange darauf schaue." In "Rückblick" ist auch ein Pilger mit dem Rücken zum Zuschauer kniend zu sehen. Seine weißen Turnschuhe — "Sneakers" genannt — kamen zur Zeit der Aufnahme fast einem Skandal gleich. "Heute regt sich darüber kein Mensch mehr auf, weil fast alle sie tragen", sagt Beeh, der ein Fan der rein analogen Fotografie ist.

So wurden seine Bilder, die auf Kleinbild-Negativen in Schwarz-Weiß beruhen, von ihm selbst in der Dunkelkammer entwickelt und auf Baryt-Papier vergrößert. Eine Arbeit, die im digitalen Zeitalter kaum noch Raum findet und die ihn viel "Familienzeit" gekostet hat, wie er zugibt. Insgesamt bieten die Fotografien mehr als einen Rückblick auf Religion und analoges Bildzeitalter. Sie zeigen Elemente der japanischen Kultur wie die Lotosblüte, die im Buddhismus für einen reinen Geist und für Erleuchtung steht, oder die Tempel-Innenräume, die auch in Zukunft starken Symbolcharakter behalten werden.

(tine)
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