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Wittlaer: Eine Weltreise in collagierten Bildern

Wittlaer : Eine Weltreise in collagierten Bildern

Liesbeth Schieren-Verdoorn zeigt bei ihrem Debüt bedeutungsvolle Bildwerke von Ländern, die sie bereist hat.

Ein kleines Detail kann manchmal viel ausmachen. Ihrer Collage "Blue Emotion" fehlte genau ein solches noch, meint Künstlerin Liesbeth Schieren-Verdoorn: "Die Pommes mit Majo brauchten dringend eine Gabel." Kurz vor der Ausstellungseröffnung stiefelte sie deshalb noch mal los zur nächsten Pommesbude in Kaiserswerth. Jetzt ziert ein orangefarbener Piekser als Hingucker das Foto der Pommesschale, die als eines von vielen Motiven die holländische Stadt Bergen aan Zee beschreibt.

"Le bonheur" heißt die Ausstellung in der Galerie Winkelmann. Die Schau lässt die Besucher nicht nur durch Holland reisen — das Heimatland der Künstlerin —, sondern auch durch England, Italien, Kenia, die Schweiz und China. Es ist das Debüt von Liesbeth Schieren-Verdoorn, die erste Ausstellung einer Frau, die ihr Leben der Familie gewidmet hat, aber schon immer ein Faible für die Fotografie hatte. Die Ausstellung beschreibt einen Teil ihres Lebens: die Glücksmomente, die die mehrfache Mutter bei ihren Reisen empfunden hat.

Zunächst sammelte sie die Erinnerungen daran in Tagebüchern. Später ging sie dazu über, sie in Collagen zusammenzustellen. Dafür schnitt sie Fotografien und Werbesprüche aus Zeitschriften aus, die sie als typisch für das jeweilige Reiseziel hielt: Für Amsterdam steht etwa ein Bild von "Droste"-Schokolade und der Werbespruch für den typischen Bols-Schnaps: "Bols ist wieder da". Daneben Fotos von Klompen, den holländischen Holzschuhen, und Grachten. Sogar das Rotlichtmilieu fand Erwähnung, allerdings ganz dezent in Form eines schwarzen Lackschuhs mit sehr hohem Absatz. Über allem thront der Satz: "Und plötzlich ist alles anders". So fühle sie sich tatsächlich, erklärt Schieren-Verdoorn, sobald sie Amsterdam besuche, verändere sich ihr Lebensgefühl.

Die aufgeklebten Schnipsel ergänzte sie durch Farbkleckse. Zum Schluss ließ sie die fertigen Collagen professionell auf drei verschiedene Untergründe aufbringen: auf Leinwände, Aluminium-Platten und auf Platten hinter Acrylglas.

Die Arbeitsphase sei etwas chaotisch gewesen, berichtet sie. Bei der Vernissage dankte sie daher ihrem Mann und ihren Kindern, "die während meiner kreativen Tage immer noch einen Weg durchs Haus fanden, trotz aller Blätter und Pinsel auf den Tischen und Böden".

Die Ausstellungsräume im Erd- und Untergeschoss an der Bockumer Straße stattete sie passend zu den Bildern mit Deko-Objekten aus.

Besondere Bedeutung hat für sie eine Ebenholztafel aus Kenia, die sie 2005 für ihren ältesten Sohn hat schnitzen lassen. Er ist 2004 verstorben. Der Urlaub in Kenia war der erste gemeinsame Familienurlaub nach diesem schlimmen Schicksalsschlag, für Liesbeth Schieren-Verdoorn der erste ohne ihren Ältesten. Der Aufenthalt dort und auch die Aufarbeitung in der Collage später hätten ihr sehr geholfen, die Trauer zu verarbeiten — auch, wenn es anfangs sehr schwer war. "Aber es nützt ja nichts, wenn man sich versteckt." Durch die kreative Arbeit habe sie ihre Lebensfreude wiedergefunden. Deshalb wählte sie auch den Ausstellungstitel: "Le bonheur" ist Französisch für Glück, Freude, Vergnügen.

(RP)