Benrath: Eine Stunde hat 67,5 Minuten

Benrath: Eine Stunde hat 67,5 Minuten

Wenn am 13. Februar das neue Schulhalbjahr beginnt, dauert eine Schulstunde im Schloß-Gymnasium 67,5 Minuten – erstmal auf Probe. Nach einer Befragung um Ostern soll die Schulkonferenz entscheiden, ob das auf Dauer so bleibt.

Wenn am 13. Februar das neue Schulhalbjahr beginnt, dauert eine Schulstunde im Schloß-Gymnasium 67,5 Minuten — erstmal auf Probe. Nach einer Befragung um Ostern soll die Schulkonferenz entscheiden, ob das auf Dauer so bleibt.

Mit dem zweiten Halbjahr beginnt im Benrather Schloß-Gymnasium eine neue Zeitrechnung. Dabei ist es nicht etwa so, dass sich Schulleiterin Sigrid Belzer und ihr Team vom gültigen gregorianischen Kalender lossagen wollen. Solch eine fundamentale Umwälzung wird es nicht sein, die nach den Halbjahreszeugnissen Einzug hält.

Obwohl es manchem Pädagogen fern der Hospitalstraße wohl so vorkommen wird: Eine Schulstunde wird künftig 67,5 Minuten dauern. Damit will man sich im Benrather Gymnasium an die neuen Erfordernisse der Schulzeitverkürzung fürs Turbo-Abitur (acht statt neun Jahre) und den Ganztag anpassen.

45 plus 90 geteilt durch zwei

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Wie man auf solch eine krumme Zahl kommt? "Man addiere 45 Minuten — so lange dauert derzeit eine normale Schulstunde — mit einer Doppelstunde von 90 Minuten und teilt die Summe durch zwei", erläutert Studiendirektor Gerhard Wansleben, der im Vorfeld des Projektes alles durchgerechnet hat. Aber auch pädagogisch mache die Zahl Sinn, unterstreicht Belzer. 45 Minuten sind zu oft kurz, um ein bestimmtes Wissen zu vermitteln, 90 Minuten können sich für Lehrer und Schüler endlos ziehen, es leidet die Konzentration.

Im Vorfeld hatten sich einige Lehrer des Schloß-Gymnasiums bei anderen Schulen angeschaut, wie die es machen. Viele hätten auf 60 Minuten dauernde Schulstunden umgestellt, war die Erfahrung. Allerdings bringt das aus Sicht von Belzer und ihrem Team gravierende Nachteile mit sich — vor allem für die Schüler. Am Ende eines Schuljahres gilt es dann plötzlich Schulstoff nachzuholen, um dem Lehrplan gerecht zu werden, weil im Ministerium immer noch mit Schulstunden in einer Länge von 45 oder 90 Minuten und dem dafür entsprechenden Pensum gemessen wird. Einige Gymnasien haben das Problem umgangen, in dem sie im Zwei-Wochen-Rhythmus den Stundenplan wechseln. "Das stand bei uns nicht zur Debatte, weil wir nicht wollten, dass dadurch so viel Unruhe bei den Schülern aufkommt", sagt Belzer. Stattdessen soll es mit den 67,5 Minuten-Einheiten, zu denen jeweils eine Pause von 12,5 Minuten gehört, zu mehr Gelassenheit und Ruhe kommen.

Auf jeden Fall sind die Pädagogen bislang völlig begeistert von ihrem System: "Wir haben noch keinen Pferdefuß gefunden", unterstreicht Wansleben. Vorteile seien zudem, dass die Schüler nicht mehr sieben verschiedene Fächer am Tag, sondern nur drei oder vier hätten. Zudem sollen sie nachmittags etwas früher zu Hause sein.

Ob die Schüler, die Eltern und auch die anderen Lehrer auch so begeistert sind, wird sich bis Ostern zeigen. Dann sollen alle per Fragebogen zu Wort kommen. Fällt das Resümee positiv aus, soll die neue Zeitrechnung ab den Sommerferien verbindlich in der Schule gelten. Vielleicht würde das Benrather Schloß-Gymnasium damit sogar zum Vorreiter in ganz NRW werden: Eine Stunde hat 67,5 Minuten.

(RP/anch)
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