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Garath: Eine Siedlung aus dem Abseits holen

Garath : Eine Siedlung aus dem Abseits holen

In der von der Stadt aufgelegten Sozialraumstudie schneidet die Garather Siedlung rund um den Schwarzen Weg in allen Punkten schlecht ab. Jeder zweite Schüler geht dort zur Hauptschule. Hier setzt die Offene Tür mit einem Projekt an.

Während in einem Szenecafé in Oberkassel sich Düsseldorfs Hautevolee mit einem oder mehreren Gläschen Prosecco zuprosten, ist in den meisten Familien, die in Garath in der Siedlung rund um den Schwarzen Weg leben, für solchen Luxus kein Geld im Portemonnaie. Jeder Zweite ist hier arbeitslos.

Das sind sogar fast zehn Prozentpunkte mehr als in Hassels-Nord und damit die höchste Arbeitslosenquote in einem Düsseldorfer Stadtviertel. Die Hartz-IV-Quote liegt bei 59,2 Prozent, jeder zweite Schüler geht auf die Hauptschule.

Gerademal 4,4 Prozent haben es ans Gymnasium geschafft. Der Ausländeranteil ist unterdurchschnittlich. Diese Zahlen präsentierte die Stadt im Februar in einer Sozialraumstudie. Sie zeigt deutlich die Kluft zwischen Arm und Reich in der Landeshauptstadt. Für die Siedlung rund um Schwarzen Weg und Wittenberger Weg mit seinen 649 dort lebenden Menschen zieht die Stadt den Schluss: "Es handelt sich um einen Sozialraum mit hohem sozialen Handlungsbedarf." Wie dieser aussehen soll, das lässt die Studie offen.

Fakten, auf die nun der zuständige Garather Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger reagiert. In einem Schreiben an den Leiter des Jugendamtes, Johannes Horn, regte der CDU-Politiker an, eine Stadtteilkonferenz einzuberufen, an der alle Institutionen beteiligt werden sollen. Aus Sicht von Mauersberger sollen aber auch die Betroffenen, also die, die dort leben, mitdiskutieren. "Wir müssen mit den Menschen reden, nicht über sie." Denn Letzeres sei in den vergangenen Wochen zur Genüge vorgekommen. Nachdem die Stadt die Sozialstudie veröffentlichte, gaben sich die Boulevardmedien dort die Klinke in die Hand.

NRW-Wohnungsbauminister Michael Groschek (SPD) wies gegenüber der Bild-Zeitung auf die seines Erachtens nicht hinnehmbaren Zustände hin. Auf die Fernsehreporter ist man in der Siedlung nicht gut zu sprechen: "Ein Kameramann hat sogar extra Papier auf den Boden geworfen, um damit zu zeigen, dass hier alles dreckig ist", erzählt ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hat zwei Kinder. Und die seien schon genug gestraft, wenn rauskomme, dass sie in der Siedlung lebten, berichtete er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei sieht man vielen kleinen Vorgärten an, dass dort Menschen leben, die es sich auch ohne hohen finanziellen Aufwand gerne nett machen. Aber es gibt auch die ungepflegten Entrees.

Auf einen Müllsammelplatz am Wittenberger Weg 1, auf dem viele Container stehen, hat die SWD eine Überwachungskamera gerichtet. Früher — vor über 20 Jahren — war die Polizei in der Garather Siedlung quasi Stammgast. Inzwischen rangiert sie unter dem Stichwort "unauffällig", lautet die Aussage der Polizeipressestelle.

Mitte der 1960er Jahre entstand der überwiegende Teil der Wohnungen als städtische Notunterkunft. Es sind zumeist zweigeschossige Häuser, die sich im Besitz der Städtischen Wohnungsgesellschaft Düsseldorf (SWD) befinden. Diese vermietet aktuell eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 68,78 Quadratmetern am Wittenberger Weg für 391,36 Euro kalt — ein Wohnberechtigungsschein ist erforderlich. Das Problem mit den schlecht ausgebildeten Jugendlichen in der Siedlung will die Offene Tür "Wittenberger Weg", deren Träger der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) ist, mit dem Projekt "Meine Zukunft und ich" angehen, das in den Osterferien gestartet ist. Für und mit acht Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sollen Berufsperspektiven entwickelt werden. Die Bezirksvertretung 10 wird dies mit 840 Euro bezuschussen. In ihrem Antrag zur Kostenübernahme skizziert die Einrichtungsleiterin, warum das Projekt aus ihrer Sicht so wichtig ist: "Die Lebenssituation der hier beheimateten Jugendlichen ist gekennzeichnet durch ein mangelndes Bildungs- und Ausbildungsniveau, unzureichende bis fehlende berufliche Vorstellungen und Perspektiven sowie stellenweise Verweigerung gegenüber Arbeitsprozessen." Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger, der selbst einmal die Hauptschule besuchte, weiß, woran es den Jugendlichen in der Siedlung mangelt: "An Anerkennung. Sie bekommen eingeredet, dass sie nichts wert sind."

(RP/ila)