Gerresheim : Ein Geben und Nehmen

In die Givebox an der Heyestraße in Gerresheim stellen Anwohner Dinge ein, die sie nicht mehr brauchen. Seit dem Start floriert das gegenseitige Schenken. Eine weitere Box soll an der Benderstraße folgen.

Die sechsjährige Leonie hatte Kassetten, Bücher und Spiele gespendet. Lou, zwei Jahre alt, hatte beim Basteln der "Givebox" mitgewirkt. Warum das Ding beim Spielplatz an der Gerresheimer Heyestraße Neudeutsch "Givebox" heißen muss, kann allerdings niemand so recht erklären.

Die Idee ist aus Berlin importiert, ebenso der seltsam anmutende englische Name, aber dahinter steht immerhin eine Erfolgsgeschichte. Passanten können in einem etwa zwei Meter hohen Häuschen, errichtet auf einer Euro-Palette und geschützt durch einen transparenten Duschvorhang, Geschenke bringen und Geschenke abholen. Statt Sperrmüll also die Geschenke-Kiste: Was nicht mehr gebraucht wird, wird hier abgelegt, Kleidung, Spielzeug, Bücher, Schuhe, Geschirr, Dinge für den täglichen Gebrauch. Und wer fündig wird, darf das, was er braucht, mit nach Hause nehmen, ganz unbürokratisch und kostenlos. Eine magnetische Tafel bietet außerdem die Gelegenheit, Nachrichten zu hinterlassen. Name, Adresse, Rufnummer genügen, und sperrige Gegenstände, die sich in der Kiste nicht unterbringen lassen, werden abgeholt (Telefon 60283000).

Die erste dieser Geschenkpakete steht in Flingern, Gerresheim hat nun die zweite an der Heyestraße, eine dritte an der Benderstraße kommt bald hinzu. Auch Eller hat inzwischen seine Box auf dem Gertrudisplatz. Sie wurde mit Kaffee und Kuchen, Glühwein und Suppe eingeweiht. Weitere Geschenkekisten sollen folgen – in Oberkassel, Wersten, Pempelfort und Bilk. Dass das gut ankommt und ohne Vandalismus auskommt, war Motivation für eine Gruppe Gerresheimer Bürger, die über die Internetplattform Facebook zueinander gefunden haben. Und das Projekt wurde in einem atemberaubenden Tempo umgesetzt: Am Mittwoch hatte man sich getroffen, am Freitag darauf eingekauft, am Dienstag dann geschraubt und gezimmert. 200 Euro hat das Gehäuse gekostet, finanziert durch Spenden. Treibende Kräfte in Gerresheim waren Hildegard Düsing-Krems, Karl-Heinz Krems, Dagmar Neugebauer und Ina Bentner. Sie waren auch bei der Einweihung in Eller dabei.

Bei der Einweihung waren die Gerresheimer und Eller Kisten jedenfalls schon rappelvoll – auch dank Leonie, Lou und weiteren Kindern und Erwachsenen, die ebenso wertvolle wie für sie nutzlos gewordenen Dinge in die Boxen verfrachteten. Dagmar Neugebauer war schon eine Woche nach Eröffnung der ersten Geschenkekiste in Gerresheim begeistert: "Das läuft einfach bombig." Die Menschen würden bringen und abholen, dabei ins Gespräch kommen und sich sogar für Treffen in der Stadt verabreden. "In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Geschenke wichtig", meinte Hildegard Düsing-Krems bei der Einweihung der ersten Gerresheimer "Givebox".

(RP)
Mehr von RP ONLINE