Düsseldorf: Rettung für das Brehmplatz-Büdchen

Düsseldorf : Rettung für das Brehmplatz-Büdchen

Der Kiosk sollte abgerissen werden. Vier junge Düsseldorfer wollen ihn restaurieren und selbst bewirtschaften.

Sie sind um die 30, und mit Einzelhandel hat keiner der vier neuen Büdchenbesitzer je zu tun gehabt. Doch für den Kult-Kiosk am Brehmplatz wollen sich Markus Reuter, Christian Böhmer, Nick Piepenburg und Jan Schmitz dieser Herausforderung stellen. Sie haben den heruntergekommenen Kiosk auf das Gelände eines Abschleppunternehmens bringen lassen und wollen ihn dort restaurieren und dann auch selbst bewirtschaften.

Die vier sind Nachbarn, kennen das Büdchen aus besseren Zeiten und haben dessen Niedergang in den vergangenen Jahren mit Wehmut gesehen. Als im Zuge der Brehmplatz-Neugestaltung der Abriss des kleinen Kiosks ins Gespräch gekommen war, beschloss das Quartett, das sich zufällig auf dem Heimweg getroffen hatte: "Das müssen wir retten." Und als sich die Bezirksvertretung gerade erneut für den Abriss ausgesprochen hatte, nahm Ende März der Abschlepper den Kiosk bereits an den Haken. Jetzt soll er - gern mit ehrenamtlicher Unterstützung anderer Büdchen-Fans - wieder schön gemacht werden, bevor er mit neuem Konzept wieder ins Geschäft kommt.

Ob es die "gemischte Tüte", die sich Markus Reuter schon als kleiner Junge regelmäßig am Brehmplatz-Büdchen holte, auch künftig dort geben wird, ist allerdings unklar. Denn ob der Kiosk, der zuletzt hauptsächlich von einem Düsseldorfer Künstler als Fläche für seine Streetart-Malerei genutzt wurde, auf den Brehmplatz zurück darf, ist offen. "Am liebsten wollen wir natürlich dort hin, wo das Büdchen her kommt, wo es Jahrzehnte lang zum Stadtbild gehörte", sagt Reuter. Deshalb war ja überhaupt die Rettungsidee entstanden. "Der Kiosk ist ein Stück Zoo-Geschichte, das wir für die Bürger hier erhalten wollen."

Damit waren Reuter und seine Freunde nicht allein, auch ein Stadtteilmagazin hatte sich für's Büdchen interessiert. Jetzt arbeiten sie zusammen an der Zukunft ihres Lieblings-Kiosks. Und die sieht selbst ein bisschen aus wie die berühmte gemischte Tüte. Denn das Konzept der Jung-Unternehmer zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass alles möglich ist. "Wir machen, wofür es Interesse gibt - und wenn das Interesse schwindet, machen wir was Neues", sagt Markus Reuter.

Denkbar etwa, dass das Büdchen eine Zeit lang ausschließlich der Kunst vorbehalten sein wird. Eine Mini-Galerie für Steet-Art-Künstler etwa. Erste Gespräche hat es da bereits gegeben. Auch eine Metzgerei könnte sich vorstellen, den Kiosk für einen Mittagessen-Service zu nutzen. "Auch ein Kaffee-Laden wäre super, bei uns im Viertel gibt's nämlich keinen richtig guten Kaffee zum Mitnehmen", so Reuter. "Popup"-Konzept heißt das auf Neudeutsch, Ideen verwirklichen, wenn sie denn auftauchen.

Das klingt nach einem unberechenbaren unternehmerischen Risiko, was das Quartett aber nicht stört. "Uns geht es nicht darum, Geld mit dem Kiosk zu verdienen, sondern darum, ein Stück Kultur zu erhalten." Außerdem seien kreative Geschäftskonzepte in Düsseldorf in den vergangenen Jahren ein bisschen selten geworden.

Möglich ist bei dem Popup-Programm natürlich auch, dass der Kiosk irgendwann im Sinne der Nachfrage auch mal als das genutzt wird, was er ursprünglich war - ein klassischer Kiosk. Und dann könnte da auch die gemischte Tüte wieder geben.

(RP)
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