Düsseltal: Realschule will weg von der Kreidezeit

Digital-Konzept : Realschule will Digital-Standort werden

Seit eineinhalb Jahren engagieren sich einige Lehrer der Werner-von-Siemens-Realschule, um die Einrichtung digitaler zu machen. Bisher gibt es nur eine Handvoll Tablets, mit denen der Unterricht gestaltet werden kann.

In einem Karton im Lehrerzimmer hebt Thomas Bauerle alle iPads auf, die der Werner-von-Siemens Realschule in Düsseltal derzeit zur Verfügung stehen. Zehn Stück sind das, für 670 Jungen und Mädchen. Dass so die digitale Gegenwart und Zukunft der Schule nicht aussehen könne, nicht aussehen dürfe, das wissen Bauerle und seine Kollegen. „Wir kaufen digital ein, wir verlängern unseren Personalausweis digital“, sagt der stellvertretende Schulleiter. Viele Grundschulen würden schon mit neuen Medien arbeiten, selbst das Verlagswesen im Bereich Bildung habe das digitale Zeitalter entdeckt. „Dazu braucht es aber die entsprechende Hardware“, sagt Thomas Bauerle, der gemeinsam mit drei Kollegen vor ein-einhalb Jahren angefangen hat, die Werner-von-Siemens-Realschule in einer Projektgruppe auf den neuesten Stand zu bringen.

Zwar ist die Schule noch lange nicht da angekommen, wo so manch andere Schule ist. „Wir wollen nicht jammern“, sagt Bauerle. Immer wieder betont er das. „Wir bekommen viel Unterstützung von der Stadt und haben den gleichen Etat wie die anderen für den digitalen Ausbau“, sagt Thomas Bauerle. Nur würde er auch heute schon gerne seinen Schülern die digitalen Grundkompetenzen vermittelt. Deshalb versuchen er und seine Kollegen auch über andere Wege Mittel zu generieren, um den Ausbau voranzutreiben. Jetzt war Bauerle mit seinen Kollegen Edda Williams, Agnes Schmitt und Samet Bahar zu Gast in der Bezirksvertretung 2, um Ideen und Pläne vorzustellen.

Die Werner-von-Siemens-Realschule ist die letzte Realschule in der Stadt, die noch kein Wlan hat. Das soll sich schon bald ändern, und auf den Tag irgendwann im Mai haben die vier Lehrer die letzten anderthalb Jahre hingearbeitet. „Wenn wir Wlan haben, wollen wir loslegen“, sagt Thomas Bauerle. Viel Engagement haben die Lehrer gezeigt, am Anfang sogar außerhalb des Lehrplans und Unterrichts. Inzwischen gehören weitere Kollegen der Realschule zum Team, sogar eine Stunde pro Woche ist im Stundenplan der Pädagogen dafür vorgesehen. „Unser Ziel ist es, dass jeder Schüler ein iPad hat“, sagt Schmitt, wohlwissend, dass es sich nicht alle Familien leisten können. „Wir haben einen hohen Anteil von alleinerziehenden Müttern“, erzählt Thomas Bauerle, „für manche ist es sogar schwer, das Essensgeld jeden Monat aufzubringen.“ Das Stichwort ist Chancengleichheit. Eine Idee ist, für die Kinder ab der siebten Klasse eine Art Leasingmodell einzurichten, „wenn absehbar ist, dass sie bei uns auf der Schule bleiben“, sagt Agnes Schmitt.

Auf Stift und Papier will die Schule dennoch nicht verzichten. Das Projektteam hat ein pädagogisches Medienkonzept erarbeitet, „Pädagogik kommt vor Technik“, sagt die Lehrerin. „Und da, wo die Technik einen Mehrwert hat, nutzen wir sie.“ Und das geht sogar im Fach Deutsch. „Wir kooperieren mit der Vodafone Stiftung“, erzählt Edda Williams. Dort wird die Deutschklasse, passend zum Lehrstoff Fabeln demnächst Fantasiewelten programmieren. Mit dem Start-up „Female Innovation Hub“ arbeitet die Düsseltaler Schule auch zusammen, zuletzt nahmen 23 Mädchen an einem App-Workshop teil. „Tolle Ideen sind entstanden“, sagt Schmitt. Eine Traumberufe-App etwa oder eine App, in der sich Schüler über ihre Praktikumserfahrungen austauschen können. Außerdem gibt es eine Kooperation mit der Gemeinschaftsoffensive ZDI (Zukunft durch Innovation).

„Wir wollen Kompetenzen am Standort bündeln“, sagt der stellvertretende Schulleiter, der auch das Thema Sicherheit fest im Blick hat. „Dazu bilden wir ältere Schüler zu Medienscouts aus“, sagt Bauerle. Die sollen den jüngeren Kindern zum Beispiel den Umgang mit – fragwürdigen – Mails und Whatsapps zeigen.