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Düsseldorf-Düsseltal: Mikroapartments so groß wie Puff-Zimmer

Wohnungsbau in Düsseldorf : Mikroapartments für die Rethelstraße

Seit 2014 sind die einstigen Luxus-Bordelle von Bert Wollersheim an der Rethelstraße dicht. Ideen für das Areal hat es bereits einige gegeben. Es scheiterte meist an den Kosten. Jetzt hat ein Investor einen Bauantrag gestellt.

Es gab eine Zeit, da war die Rethelstraße berüchtigt. Champagner, nackte Haut, Männer auf der Suche nach Spaß. Bert Wollersheim schuf an der Rethelstraße eine Welt, die anders war, verboten und doch so gefragt. Und irgendwann ging diese Welt unter – 2014, als die Bordelle geschlossen wurden. Geblieben sind die Häuser an der Rethelstraße, die alten Bordelle, die leeren Liebes-Zimmer, schon kurz nach der Schließung forderten die Ersten Wohnungsbau auf den Grundstücken. Verschiedene Anläufe hatte es gegeben, Ideen, die immer am Preis, an der Wirtschaftlichkeit scheiterten.

Doch es gibt einen Investor, der es jetzt ernst meint mit seiner Planung. Die List-Gruppe hat einen Bauantrag gestellt für das Grundstück mit den Nummern 73, 75 und 77, sie will dort ein Wohnhaus errichten mit 70 Einheiten plus zwei weiteren im Innenhof – alles Mikroapartments, die zwischen 17 und 27 Quadratmeter groß sind. „Für Berufseinsteiger und Wochenendpendler“, sagt Anja Federlein von der Bauaufsicht, die das Projekt in der Bezirksvertretung 2 vorstellt. Dazu gibt es Gemurmel im Sitzungssaal, etwa, dass es schon immer viel Kommen und Gehen in den kleinen Zimmern gegeben hat.

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„Es ist gut, dass die Berti-Wollersheim-Gedächtnisstätte endlich verschwindet“, findet der parteilose Harald Gaspers, der sich aber etwas Nachhaltigeres gewünscht hätte, nicht nur temporären Mietraum. Brigitte Reich (Grüne) ist zwar zufrieden, dass der Innenhof entsiegelt wird, kann aber nicht nachvollziehen, warum ein Innenhofgebäude mit zwei Apartments geplant ist. Annelies Böcker (CDU) formuliert es so: „Warum wird für den hinteren Teil überhaupt in Erwägung gezogen, zwei Bungalows hinzuknallen?“ Für sie ist die Darstellung der Verwaltung wie so oft unverständlich.

Bei Ulf Montanus läuten gleich die Alarmglocken, wenn er Mikroapartments hört: „Mir kommt sofort AirBnB in den Sinn“, sagt der FDP-Politiker. „Mit dem Gartenhaus ist für uns die Vorlage nicht zustimmungsfähig“, fasst es Harald Neuhaus (CDU) zusammen – auch wenn das Gremium eigentlich nur über die Befreiung der festgesetzten Fluchtlinie und die Ablösung von Stellplatzverpflichtungen beschließen soll. „Der Baukörper samt Gartenhaus ist planungsrechtlich zulässig“, sagt Federlein.

Über einen Bauantrag abzustimmen, der so nicht eingereicht wurde, bereitet Bezirksbürgermeister Uwe Wagner (SPD) dann auch Bauchschmerzen, „Sie können den Antrag ablehnen und zu Protokoll geben, dass es am Häuschen scheiterte“, sagt Gerhard Aschendorf, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle. So weit soll es dann aber nicht kommen, Raoul Schmid von der List-Gruppe lenkt ein, auch wenn sein Vorgehen nicht ganz ordnungsgemäß ist. „Ohne Gartenhaus tut es weh, aber daran soll es nicht scheitern“, so Schmid, der noch mal verdeutlicht, dass er und sein Team das Areal ernsthaft entwickeln wollen. „Wir sind keine Spekulanten“, sagt Schmid, 3000 Projekte habe die Firma bereits realisiert. „Bauen ist unser Ding, wir können was aus den alten Bordellen machen.“ Mit einer knappen Mehrheit wird die kurzfristig geänderte Vorlage beschlossen, „auf dieser Basis könnte Baurecht erteilt werden“, sagt Aschendorf.