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Düsseldorf: Die gute Seele von Flingern und Düsseltal geht

Abschied in Düsseldorf : Die gute Seele von Flingern und Düsseltal geht

Gerhard Aschendorf geht in den Ruhestand. Mehr als 20 Jahre leitete er die Bezirksverwaltungsstelle 2.

Als Gerhard Aschendorf 1999 seinen Schreibtisch in der Bezirksverwaltungsstelle 2 bezog, „war die Stimmung richtig schlecht“, erinnert sich der 63-Jährige. Nicht unter den Kollegen aus der Verwaltung, aber unter den Politikern, die waren sich zum Teil spinnefeind. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Arbeit von Gerhard Aschendorf, der schon nach einem Jahr in der Bezirksverwaltungsstelle die Leitung übernehmen sollte. „Mir war wichtig, möglichst schnell ein harmonisches Miteinander zu gestalten“, sagt Aschendorf, der bald zur guten Seele der BV wurde, ansprechbar für alle Fraktionen gleichermaßen, von allen geschätzt und respektiert, auch weil er immer schnell über den kurzen Dienstweg helfen konnte. Gerhard Aschendorf war mehr als 20 Jahre diese gute Seele – jetzt, mit 63, geht er in Rente. Ein bisschen früher als geplant, aber der Grund ist einfach und nachvollziehbar: „Ich könnte das Gremium keine volle Wahlperiode mehr begleiten“, sagt Gerhard Aschendorf, deshalb ist es Zeit für ihn zu gehen.

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Dass Gerhard Aschendorf einmal bei der Stadt arbeiten würde, das war mehr Zufall als gewollt. Eigentlich hatte der gebürtige Düsseldorfer vor, Kunst zu studieren, „Kunst und Musik waren meine Welt“. Deshalb wechselte er auch in der Oberstufe vom Rethel-Gymnasium nach Ratingen aufs Geschwister-Scholl, „da lag der Schwerpunkt auf
Pädagogik, das war mir näher als Latein“, sagt Aschendorf. Der gleich noch hinzufügt: „Das große Latinum habe ich aber geschafft.“ Mit dem Abi in der Tasche bewarb sich Aschendorf an der Kunstakademie, „ich war vielleicht ein bisschen naiv“, sagt er. Denn geklappt hat das Vorhaben nicht. Deswegen lernte er erstmal Zahntechniker, „etwas Anständiges, da waren dann auch meine Eltern glücklich“. Meisterprüfung, Selbstständigkeit – in den 70ern sei der Job sehr lukrativ gewesen. Und dann kamen die 80er: „Die Reformierung des Gesundheitssystems hat die Zahntechnik geschwächt, der Boom war vorbei“, erzählt Gerhard Aschendorf, der zu diesem Zeitpunkt zwei kleine Kinder hatte und sich Gedanken über die Zukunft machte. Als Seiteneinsteiger kam er schließlich zur Stadt, „ich war immer interessiert an Politik“, erzählt der Düsseldorfer, der fast immer in Hubbelrath gelebt hat. Er machte den Verwaltungsfachwirt, und wenn die Kinder im Bett waren, schrieb er seine Probeklausuren. In der Verkehrsregelung und -lenkung fing Aschendorf an und schaffte 1999 den Sprung in die Bezirksverwaltungsstelle.

Mit vier Bezirksbürgermeistern arbeitete Aschendorf zusammen: Almut Kollar war seine erste, dann kamen Gudrun Großer-Göbel und Annelies Böcker, zum Schluss Uwe Wagner. „Auch wenn es an der Spitze immer einen Wechsel zwischen CDU und SPD gab, hat es trotzdem funktioniert“, sagt Aschendorf. Weil er neutral war, weil er für alle gleich gearbeitet hat – ganz egal, wie groß oder klein eine Fraktion war. Und nicht nur für die Politik war er ansprechbar, auch für die Menschen draußen im Viertel, in Flingern und Düsseltal. Sie konnten immer in sein Büro kommen. „Auch wenn zum 100. Mal der dreckige Container-Standort Thema war – als Bezirksverwaltungsstellenleiter muss man die Anliegen ernst nehmen“, sagt Aschendorf, der stets versucht hat, den Menschen im Stadtbezirk 2 zu helfen. Wie den Schützen, die ein Vereinshaus gebraucht haben. Auch wenn Aschendorf selbst nicht in einem Brauchtumsverein ist, „lagen mir die Schützen hier im Bezirk am Herzen, weil sie sich so engagieren für Kinder und Senioren“.

Wenn Gerhard Aschendorf so zurückschaut auf seine Karriere, dann wirkt er zufrieden. Sogar das Dauerbrenner-Thema in der BV wird wohl kurz vor seiner Rente ein versöhnliches Ende nehmen. Als Aschendorf vor 20 Jahren anfing, gab es schon die ersten Probleme mit dem das alten Jugendstilhaus an der Ecke Birken-/Dorotheenstraße. Viele Jahre haben Politik und Verwaltung vergeblich versucht, mit dem Eigentümer eine Lösung zu finden. Und jetzt soll tatsächlich alles gut werden.

In ein paar Tagen wird Gerhard Aschendorf die Kisten in seinem Büro packen, und es werden nicht die einzigen bleiben. Denn der 63-Jährige wird nicht nur die Bezirksverwaltungsstelle verlassen, er wird auch aus Düsseldorf weggehen. Auch wenn ihm das ein bisschen schwerer fällt, weil er vor knapp einem Jahr zweifacher Opa geworden ist. „Aber meine Kinder haben eine große Affinität für die Landschaft im Norden“, sagt Aschendorf, der ans Meer will, irgendwo zwischen Kiel und Lübeck. Dort will er durchatmen, die Freiheit genießen. Er wird sich neue Joggingstrecken suchen und Routen, die er mit dem Rad fahren kann, so wie er das auch in Düsseldorf gemacht hat. Nur eben an einem Ort, wo es ruhiger ist als in der Landeshauptstadt. Und vielleicht wird er auch wieder malen – Kunst ist eine Leidenschaft geblieben, auch wenn der 63-Jährige dafür in den letzten Jahren wenig Zeit hatte.