Schule in Düsseldorf : Die App-Girls aus Düsseltal

Vor einem Jahr haben Schülerinnen der Werner-von-Siemens-Realschule an einem Workshop teilgenommen. Daraus ist eine AG entstanden, in der die Neuntklässlerinnen eine Traumberufe-App programmieren.

Dutzende Zeichnungen haben Lea und ihre Schulfreundinnen angefertigt, Plakate mit bunten Post-its beklebt. Ideen aufgeschrieben, Zettel wieder weggeschmissen. Bis sie das hatten, was sie wollten: „Eine Traumberufe-App“, sagt Lea, die im letzten Schuljahr an einem Workshop teilgenommen hat, der nur für Mädchen gedacht war, der gemeinsam mit den Initiativen Female Innovation Hub und ZDI (Zukunft durch Innovation) organisiert wurde. Im Mittelpunkt des Workshops stand das Programmieren einer App, und weil die Mädchen der Werner-von-Siemens-Realschule so engagiert waren, sollte der Workshop nicht einfach so enden nach ein paar Tagen. Lea und ihre Freundinnen wollten weitermachen, weiter an der App arbeiten, weil sie an ihre Idee glaubten. Seitdem treffen sie sich einmal in der Woche, immer donnerstags in einer AG, mit dem Ziel, die App bis zum Ende des Schuljahrs zum Laufen zu bringen.

Lea ist vom ersten Tag an dabei, „sie brennt für das Projekt“, sagt Schulleiter Thomas Bauerle, der ziemlich stolz ist auf die Mädels-Gruppe. Weil sie auch einen wesentlichen Anteil daran hat, dass die Realschule in Düsseltal vor Kur­zem von der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ als „Digitale Schule“ ausgezeichnet wurde. „Und das, obwohl wir bis heute noch kein Wlan haben“, sagt der Direktor, der der AG auch gerne einen Laptop zur Verfügung stellen würde. Bisher arbeiten die App-Girls oft mit den privaten Tablets der Lehrerinnen Agnes Schmitt und Saskia Klose. „Für 670 Schüler haben wir 46 iPads“, sagt Bauerle.

„In der AG reden wir sehr viel miteinander“, erzählt Lea. Ihre Vorstellungen halten die Neuntklässlerinnen meistens auf Papier fest, die sie dann in den Medienhafen mitnehmen, zum Startplatz, „wo wir digital arbeiten“, sagt Rona (14). Dort planen sie, wie die App aussehen soll. „Planung ist wichtig, nicht nur digital“, sagt Lea. Jeder Knopfdruck, jede Datenbank muss programmiert werden, „manche Aufgaben sind leichter, andere schwerer“, erzählt die 15-Jährige, die schon fast wie eine echte Informatikerin redet über Programme, die im Hintergrund laufen, und Daten, die ausgewertet werden müssen.

Ihre App soll sich an Schüler, Studenten und Erwachsene richten, die einen Job suchen. Am Anfang müssen die Nutzer einen Fragebogen ausfüllen. Darin wird abgefragt, welche Hobbys jemand hat und wie die Noten in den Schulfächern sind. „Wir wollen auch wissen, ob man spontan ist oder lieber plant“, sagt Jasmine. Die App soll den Nutzern schließlich sagen, welche Qualifikationen sie haben müssen, welche Noten, welche persönlichen Eigenschaften, um den Traumberuf zu bekommen. „Jeder will ja einen guten Job haben später, der einem Spaß macht“, sagt Lea, die weiß, dass Programmieren nicht für jeden etwas ist, die AG sich aber prima eignet, „um mal reinzuschnuppern“. Auch weil bei den App-Girls nur Mädchen zugelassen sind, „wenn Jungs dabei sind, trauen sich viele Mädchen oft nicht, was zu sagen“, meint Rona.

Dass sich die Traumberufe-App nicht nur für die Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule eignet, „das hat sich schon beim Workshop gezeigt“, sagt Agnes Schmitt. Damals soll schon die Arbeitsagentur Interesse gezeigt haben, „vielleicht können wir so Synergien schaffen“, hofft die Lehrerin. Und die App-Girls haben auch noch weitere Ideen, eine Mensa-App zum Beispiel, mit der sich die Schüler das Lieblingsbrötchen für den nächsten Tag reservieren können. Erstmal aber sind die Traumberufe dran, „die auch kontinuierlich ausgebaut werden können“, sagt Lea.