Düsseltal : Die Kochschule, die gar keine ist

Kochen lernt man am besten, wenn man's selber macht. Mehr und mehr Kochschulen in der Stadt wollen aber eher einen netten Abend teuer verkaufen - bei dem die Bildung ein wenig auf der Strecke bleibt.

Eine Schule ist ein Ort zum Lernen, an dem sich meistens nur wenige Menschen freiwillig aufhalten. Bei Kochschulen ist das oft anders: Menschen geben viel Geld aus, um etwas beigebracht zu bekommen, das sie zu Hause später anwenden möchten. Das können so pragmatische Dinge sein wie der richtige Umgang mit scharfen Messern - aber auch die vielen präzisen Profi-Handgriffe, die dabei helfen, einen Mozzarella perfekt zu panieren. Die Nachfrage ist da, Kochschulen gibt es inzwischen einige in der Stadt - etwa die "Kochschule Düsseldorf" in Stadtmitte, "Da cookste" in Pempelfort oder - seit dem vergangenen Jahr - die "Kochschule im Medienhafen".

Ein Besuch in der "Düsseldorfer Kochschule" an der Uhlandstraße in Düsseltal macht deutlich, dass es in den Kochschulen aber neben dem Lernen vor allem auch um den Spaß geht. Küchenchef Marc Espig konzentriert sich darauf, dass seine 14 Schüler eine gute Zeit haben. In seinem Kurs, der an sechs Tagen in der Woche angeboten wird, schnibbeln, braten und essen die Besucher fleißig selbst, die gute Stimmung steht aber im Mittelpunkt.

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Das erste Glas Prosecco (oder Wasser) gibt es gleich beim Betreten der Küche. Etwas angespannt warten die Kursteilnehmer in einer Sitzecke, es wird schnell klar, dass sich hier kaum jemand kennt. Einige Ehepaare, ein junges Pärchen, vielleicht Studenten, sind dabei. Die Blicke gehen in Richtung der riesigen Arbeitsplatte, auf der 14 hölzerne Schneidbretter für die Köche bereitliegen, auch das Gemüse liegt schon bereit. Daneben zeigt ein Tisch mit edlen Gedecken, dass es an diesem Abend ums Genießen gehen soll. Espig, der sich und seine Kochkarriere kurz vor den im Halbkreis stehenden Schülern vorstellt - der 42-Jährige arbeitete auch schon in Österreich - kündigt das Menü an, Tapas und Fingerfood stehen auf dem Programm. Die Besucher lernen, dass sie mit den scharfen Messern aufpassen sollen ("wenn man rote Streifen auf dem Schneidbrett zieht, war ein Finger dazwischen"), dass sie nicht selbst abwaschen müssen und alle Getränke aufs Haus gehen - allerdings kostet der Kurs ja auch rund 70 Euro pro Kopf. Kochschürzen an, Hände waschen und los geht's.

Kaum sind alle an ihre Brettchen getreten, teilt eine Service-Kraft, die Espig als "Elli" vorstellt, schon das nächste Getränk aus. Die meisten halten sich eher zurück, die Distanz zwischen den Besuchern weicht nur langsam der lockeren Atmosphäre, die zum Kern der Kochkurse gehört. Espig verteilt Aufgaben, erklärt, wie man Zwiebeln hackt und die bittere Wurzel ausspart, wie man Tomatenscheiben schneidet, ohne dass das Fruchtfleisch herausfällt, wie oft man Mozzarella in Mehl, Ei und Paniermehl wälzen muss, damit beim Frittieren kein Käse aus der Panade läuft. Im Verlauf des vierstündigen Abends erfährt man unzählige nützliche Kleinigkeiten, von denen die Hälfte aber wohl schon am nächsten Abend vergessen ist.

Wer einen Kochkurs erwartet hat, bei dem sämtliche Gerichte im Detail erklärt werden, könnte enttäuscht sein. Um alle Kochschüler beschäftigt zu halten, verteilt Espig die Aufgaben, wie sie kommen. Gerade noch mit einem Quirl die Sahne für die Waldfrucht-Lasagne geschlagen (Muskelkater in den Unterarmen garantiert), schon müssen die Lammspieße im Sesam gerollt und die Rucolablätter mit Öl, Feta, Pinienkernen und Knoblauch zu einem grünen Pesto püriert werden. Alles scheint gleichzeitig zu passieren, Espig wirbelt in der Küche, stellt die Gerichte in einen der sechs Backöfen oder einen der drei Kühlschränke, nimmt seinen Schülern immer wieder Handgriffe ab, wo sie zu langsam gehen. Denn die zahlreichen Antipasti, Tapas und anderen Kleinigkeiten sollen alle rechtzeitig auf den Tisch.

Alle Rezepte bekommen die Gäste später als PDF-Datei zugeschickt, denn behalten kann man die Zubereitungsschritte kaum. Ist alles fertig, servieren die Köche die Gerichte, zum Abschluss gibt es Espresso und Grappa. Spätestens jetzt sind auch die Kochschüler gelöster, plaudern offener miteinander - und haben sich augenscheinlich auch an die frechen Kommentare und den Humor des Küchenchefs gewöhnt.

(bur)