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Ausstellung in ehemaligem Friseurladen in Düsseltal

Neuer Off-Raum im Zooviertel : Friseursalon wird zum Kunstraum

Haarmoden Junge an der Brehmstraße war eine Institution, hier ließen sich Hildegard Knef und Gabriele Henkel die Haare schön machen. Doch Susanne Junge hatte andere Pläne: Der Salon öffnet sich jetzt ausschließlich für die Kunst.

Ende der 50er Jahre hatte Hans-Ulrich Junge sein Friseurgeschäft eröffnet. Im Erdgeschoss eines Hochhauses an der Brehmstraße 11, das auf den ersten Blick so gar nicht in das noble Zooviertel passt, das aber doch zu einer architektonischen Ikone wurde. Es war ein palastähnlicher, nach einem späteren Durchbruch 150 Quadratmeter großer Salon mit viel Marmor und jeder Menge Spiegeln, der jedoch wegen einer dunklen Holzvertäfelung immer ein wenig angsteinflößend gewirkt habe, wie sich Tochter Susanne Junge erinnert. Aber der Friseurmeister hat seine Branche damals ein Stück weit revolutioniert, etwa die Einzelkabinen abgeschafft und so für mehr Flair und Ambiente gesorgt.

Damals hat sich Susanne Junge im benachbarten Löbbecke-Museum noch die Nase an den Scheiben der Aquarien plattgedrückt oder war gegenüber im Eisstadion Schlittschuh laufen. Denn auch wenn die Familie in Metzkausen wohnte, hat die junge Susanne nur zu gerne Zeit im und rund um den Salon verbracht. „Dieses Gewusel, das aufwendige Procedere, die Frauen mit blauen Haaren oder Dauerwellen, die ganzen Trockenhauben, das war unheimlich aufregend.“ Jedenfalls: Der Vater hatte Erfolg, eröffnete vier weitere Läden (zwei an der Kö) und eine Friseurschule in Köln, beschäftigte zeitweise 110 Mitarbeiter. „Der Salon war immer voll, das gesamte Zoo-Viertel war hier“, erzählt Junge. Gabriele Henkel zählte zu den Stammkundinnen, auch Hildegard Knef.

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Junge bewundert ihren vor zwei Jahren verstorbenen Vater ebenso wie Mutter Karin, die sich im Salon um Maniküre und Parfürmerie kümmerte und die eine wahre Kunstliebhaberin war. „Eine Frau wie Coco Chanel“, sagt die Tochter. In die Fußstapfen der Eltern wollte Susanne Junge aber nicht treten, und damit war der Vater auch einverstanden. „Er hat uns immer alle Freiheiten gelassen“, sagt Junge, die an der Kunstakademie studierte, Künstlerin wurde, sich einen Namen machte, nach Mexiko ging, eine Familie gründete und Produzentengalerien eröffnete. „Meine eine Schwester ist Dramaturgin und Regisseurin, die andere war Tänzerin und ist jetzt Ärztin. Alles kreative Beruf, die wir mit Leidenschaft ausführen, das war meinem Vater wichtig.“ Der konnte nicht nur mit Kamm und Schere umgehen, sondern war ebenso ein Weltumsegler, überquerte dreimal den Atlantik, „Düsseldorf blieb aber immer sein Heimathafen“, erzählt die Künstlerin, die zudem Kunstprofessorin ist.

Jetzt ist auch Susanne Junge zurück in Düsseldorf. Aber was sollte mit dem 2016 geschlossenen Friseurladen geschehen? Ein Nachfolger hat sich versucht, scheiterte aber, wohl nicht zuletzt an der Größe des Salons. Also wurde die 57-Jährige kreativ, hatte die Idee, das Friseurgeschäft in eine Art Galerie umzuwandeln. Den Umbau hat sie komplett alleine geschultert, sogar sämtliche Waschbecken herausgerissen, „ich kann schlecht delegieren, bin vielleicht auch etwas zu störrisch“.

Im April war die erste Ausstellung mit Werken namhafter Künstlerinnen unter dem Titel „Damensalon“, aktuell läuft die zweite mit Werken von Männern („Herrensalon“). Alles Freunde und Bekannte von Junge, die sie zum Teil jahrelang aus den Augen verloren hatte, die aber sofort von den ungewöhnlichen Räumlichkeiten in Düsseltal begeistert waren.

Inzwischen hat die Neu-Galeristin längst zahlreiche weitere Anfragen, könnte locker bis Ende des Jahres ihren Terminkalender mit Ausstellungen füllen und hat auch für sich Pläne geschmiedet. So will die auf riesige Acryl-Gemälde und ungewöhnliche Papierarbeiten spezialisierte Künstlerin zusammen mit der Koreanerin Ail Hwang den Friseursalon in ein offenes Atelier umfunktionieren.

Doch allzu weit in die Zukunft will die 57-Jährige, die praktischerweise direkt über dem Salon wohnt, dann auch nicht blicken, „dafür bin ich zu intuitiv. Ich kann nichts versprechen“. Optimalerweise kann sie sich ein halbes Jahr in Mexiko, wo ihre Familie lebt, und ein halbes in Düsseldorf vorstellen.

Nur einen Namen benötigt die neue Galerie im Zooviertel noch: „Es läuft wohl auf Salon am Zoo hinaus. Das würde bestimmt auch meinem Vater gefallen“, sagt Susanne Junge.