Umsetzung kostete 50.000 Euro Anatol-Skulpturen für das Kobi-Gymnasium

Düsseldorf · Am späten Montagnachmittag gab es eine Feierstunde am Gymnasium Koblenzer Straße. Die Bezirksvertretungen 9 und 10 hatten der Schule das Kunstwerk „Die Wächter“, zwei überlebensgroße Figuren, gestiftet.

Freude über die Kunst: Schulleiter Philipp Radermacher (v.l.), Klaus Erkelenz (Stellvertretender Bezirksbürgermeister) und Roland Nachtigäller (Stiftung Hombroich).

Freude über die Kunst: Schulleiter Philipp Radermacher (v.l.), Klaus Erkelenz (Stellvertretender Bezirksbürgermeister) und Roland Nachtigäller (Stiftung Hombroich).

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Karl-Heinz Herzfeld, den eigentlich alle nur als Anatol kennen, war ein besonderer Mensch und Künstler: In Düsseldorf kannten ihn viele Generationen als Puppenspieler. Von 1953 bis 1991 war er als Verkehrspolizist in der Landeshauptstadt tätig; das hielt er auch während seines Studiums an der Kunstakademie in Düsseldorf als Schüler von Joseph Beuys durch. Mit einem Polizei-Kollegen ersann er ein Puppenspiel-Programm, mit dem die beiden über Jahre durch die Schulen tingelten.

Seit den frühen 1980er-Jahren war Anatol zudem auch künstlerisch auf dem Gelände der Museumsinsel Hombroich tätig. Hier wurde nach seinen Vorgaben ein Wohn- und Arbeitshaus für ihn errichtet. Das gesamte Areal um dieses Gebäude war mitsamt der auf ihm befindlichen Arbeiten Eigentum Anatols. Doch zwei seiner überlebensgroßen Figuren haben jetzt fast fünf Jahre nach seinem Tod den Standort gewechselt: Sie haben nicht nur einander, sondern auch die Schüler und Lehrer des Gymnasiums Koblenzer Straße ständig im Blick.

Auf einem schmalen Stück Grün zwischen Koblenzer Straße und dem naturwissenschaftlichen Anbau des Kobi gehen die beiden 3,40 Meter großen Skulpturen einen Dialog miteinander ein. Passenderweise tragen sie den Namen „Die Wächter“. Doch sie sollen die Mitglieder der Schulgemeinschaft nicht über-, sondern bewachen. Oberbürgermeister Stephan Keller fand in seiner Rede gleich noch mehr passende Begriffe: „Beschützen, bewahren, aufeinander aufpassen.“ Er verband das mit dem Appell an die Zuhörer des kleinen Festaktes, zu dem die Schule eingeladen hatte, wachsam zu sein, in einer Zeit, in der man die Werte Freiheit und Menschlichkeit und den Frieden wieder so dringend schützen müsse.

Und warum stehen die Kunstwerke ausgerechnet am Kobi? Schulleiter Philipp Radermacher klärt auf: 1969 war das Gymnasium Ausstellungsort der „Gymnasia“, Künstler von heutigem Weltruhm wie Uecker, Richter und Beuys, stellten in der Schule aus. 2019 wurde dieses Kunstevent mit einer Ausstellung wieder lebendig gemacht, diese ist immer noch im Neubau der Schule zu sehen, wie als Leihgabe übrigens auch die Puppen, die Anatol einst für die Polizei-Verkehrserziehung fertigte. Und wegen all dieser Anknüpfungspunkte stand für die Schulgemeinschaft fest: Die Kunst muss zum Schulalltag hinzugehören. Im gleichen Jahr gab es deswegen vorsichtige Anfragen bei Anatol, ob er eines seiner Werke abgibt. Doch dass diese Weitergabe nun Realität wurde, hat der Künstler nicht mehr erlebt. Er starb wenig später.

2022 trat CDU-Ratsherr Peter Labouvie, der bis zu seiner Pensionierung lange Jahre Schulleiter am Gymnasium Koblenzer Straße war, an den damaligen Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 10, Klaus Erkelenz (CDU), mit der Idee heran, ob man der Schule bei der Beschaffung der Wächter-Skulpturen nicht behilflich sein könne. Und da die Bezirksvertretung 10 das Projekt finanziell nicht alleine stemmen konnte, bat man die BV 9 um Unterstützung. Mit dem nötigen Fundament entstanden Kosten in Höhe von 50.000 Euro. Beide Gremien fassten im September 2023 die entsprechenden Finanzierungsbeschlüsse.

Das „Kobi“ hat nämlich eine Besonderheit: Die Altbauten stehen auf Urdenbacher Gebiet und damit im Stadtbezirk 9, die vor wenigen Jahren fertiggestellte Anbauten und die Sporthalle auf Garather Gelände im Stadtbezirk 10. Und bei all der Diskussion der vergangenen Wochen über eine mögliche Zusammenlegung oder -zerschlagung von Stadtbezirken zeigt diese Kooperation der Stadtteilpolitiker, dass das Zusammenspiel auch ohne Fusion oder Ähnliches funktioniert, oder wie es Karl-Heinz Graf, Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 9 sagte: „Ähnlich wie die beiden Wächter-Figuren sind auch wir einander freundlich zugewandt. Ich denke, wir werden zum Wohl der Stadt auch künftig stadtbezirksübergreifend aktiv werden können.“

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