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Bilk/Flingern: Die Welt durch eine analoge Linse gesehen

Bilk/Flingern : Die Welt durch eine analoge Linse gesehen

Mehr als 30 Jahre lang entwickelte Renate Scherra die Bilder namhafter Fotografen wie Helmut Newton. Jetzt zeigt sie ihre eigenen Fotografien.

Menschen, die in bitterster Armut leben, die Skyline von Shanghai und der Karneval in Venedig – die Fotografien von Renate Scherra zeigen viele Facetten des Lebens. Entstanden sind sie auf Scherras Reisen um die Welt in den vergangenen 50 Jahren. Unter dem Titel "Renate Scherra – Wie sie die Welt sieht" sind die Bilder nun im BBK Kunstforum zu sehen.

"Ich bin immer nur gereist, um zu fotografieren. Am wichtigsten ist es mir dabei, dass die Bilder das zeigen, was ich sehe, so dass der Betrachter am Ende auch nur die Wirklichkeit sieht", sagt Scherra. Auf ihren Reisen ist sie deshalb meist mit einer Kamera mit 50-Millimeter-Objektiv unterwegs – denn dieses ähnelt dem Blickwinkel des menschlichen Auges. So ausgestattet bereiste Scherra die ganze Welt, war in Europa, Afrika und Asien. "Es gibt kaum einen Ort, den ich noch nicht gesehen habe", sagt sie. Die Frage, wohin sie denn noch einmal unbedingt hinfahren wolle, ist für sie deshalb schwer zu beantworten. Welche Reise sie am meisten beeindruckt hat, weiß sie jedoch genau: "Das war der Jemen. Dort war ich zweimal für eine längere Zeit und habe viel gesehen", sagt Scherra. Nie sei es ihr schwergefallen, Dritte-Welt-Länder zu besuchen, gleichwohl diese oftmals als gefährlich gelten. "Im Endeffekt ist es in den Ländern nie so gefährlich, wie es gesagt wird. Mir ist nie etwas passiert", sagt sie. Ein Motiv, das sie am liebsten fotografiert, hat Renate Scherra nicht. Was ihr vor die Linse kommt und beachtenswert erscheint, wird abgelichtet. Das kann eine Badeszene in den Geysiren von Chile sein, eine Straße in Afrika oder eine Frau mit Maske im Karneval von Venedig. "Aber wenn ich Menschen fotografiere, frage ich sie vorher immer", sagt die Künstlerin. Und das könne sie mittlerweile in vielen Sprachen.

Was das Material angeht, ist Renate Scherra jedoch altmodisch. Sie benutzt ausschließlich ihre analoge Kamera zur Fotografie und entwickelt die Bilder selbstständig in der Dunkelkammer. Das hat einen Grund: Mehr als 30 Jahre lang unterhielt die Fotolaborantin ihr eigenes Geschäft und entwickelte die Bilder vieler Düsseldorfer Künstler. "Dazu gehörten auch alle Werbefotografen, zum Beispiel diejenigen, die für Peek und Cloppenburg die Fotos machten", erinnert sich Scherra. Sogar der weltbekannte australische Fotograf Helmut Newton kam mit seinen Filmen zu ihr. "Ich selbst benutze die analoge Kamera, weil mir die Bilder heutiger Digitalkameras manchmal zu scharf sind. Die Bilder verlieren ihren Charme, den sie durch analoge Fotografie bekommen", sagt Renate Scherra. So ganz ohne Technik geht es aber auch bei ihr nicht: "Ich habe eine Digitalkamera. Die nenne ich immer meine 'Ritsch-Ratsch-Kamera'", sagt sie. Mit ihr fotografiert sie eines ihrer Lieblingsmotive: Gullideckel. Die hat die Künstlerin schon überall auf der Welt aufgenommen. Einige sind auch in der Ausstellung im BBK Kunstforum zu bewundern – und zwar nicht an der Wand, sondern auf dem Boden der Galerie. Allgemein hat die Bilkerin noch viel vor in der Düsseldorfer Kunstszene: Sie plant eine Ausstellung mit allen Fotos berühmter Künstler, die sie einmal entwickelt hat.

(RP)