Gerresheim: Die Linie als Kunstmotiv

Gerresheim: Die Linie als Kunstmotiv

Eine grün-bläuliche Fläche von rosa Balken wie eingerahmt. Dunkle Streifen rinnen über die Leinwand, die mit Lack versiegelt ist und wie ein Spiegel wirkt. Man möchte es anfassen, dieses Bild, es wirkt auf eigenartige Weise greifbar. Nicht ohne Grund hat Inga Braune ihre Ausstellung "Begegnungen" genannt. Begegnung von verschiedenen Materialien auf der Leinwand – Begegnung von Betrachter und Bild. Festgelegt fühlt sich die Künstlerin dabei nicht, im Gegenteil. "Mein Thema ist eigentlich: kein Thema", sagt Braune und lacht. Skizzen fertigt sie eigentlich nie an. Ihre Gemälde entwickeln sich bei der Arbeit mit dem Material: Acrylfarbe, Leinwand, Pinsel, Lack. Durch das Mischen von Farbe und Lack kommen auch neue Farbgebungen zustande oder Bildteile, die aussehen wie mit einem Schwamm hingewischt. An anderen Stellen wirkt die Frabe wie mit dem Spachtel aufgetragen, obwohl Braune ausschließlich Pinsel verwendet.

"Mein Aha-Erlebnis hatte ich während meiner Studienzeit in Gießen", erklärt Braune ihre Vorliebe für Linien. 2002 nahm sie an einer Gruppenausstellung der Justus-Liebig-Universität Gießen zu diesem Thema teil. Seitdem lässt es sie nicht mehr los. Mal scheinen die Linien über das Bild zu fließen, mal ergeben sie eine grafische Darstellung. Auch mit Ölkreide zeichnet Inga Braune. "Was mich selbst inspiriert und antreibt: Dass ich immer wieder neu gefordert bin, reagieren muss", sagt Braune.

Ihre Bilder bestehen aus vielen Farbschichten. Das soll auch die Herausforderung an den Betrachter sein, sich durch die Schichten bis auf den Grund zu graben. "Meine Kunst soll die Saiten der Menschen zum Schwingen bringen", so nennt es Inga Braune. So stellte sie im Herbst im Schlossmuseum Helikon Keszthely, Ungarn, unter dem Titel "Das Schälen der Emotionen" aus. Sehen lässt sich vieles in den Motiven, und da hilft auch der Bildtitel nicht weiter, denn meistens lautet er "Ohne Titel".

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Die 30-jährige Künstlerin aus der Nähe von Aachen lebt seit 2008 in Düsseldorf. Sie arbeitet auch als Kunstvermittlerin in der Kunsthalle und im Museum Kunstpalast. "Ich finde die Stadt inspirierend", sagt die Künstlerin. "Die klaren, geraden Formen der Architektur aus den 1950er Jahren gefallen mir." Vorher hat sie in Frankfurt am Main gelebt. Studiert hat Braune Kunstpädagogik in Gießen.

In der Galerie Otto Zwo werden ab heute mehr als 20 Arbeiten von Inga Braune zu sehen sein. Darunter finden sich große Leinwandgemälde, aber auch Miniaturbilder mit 20 mal 30 Zentimetern Größe. Bis Ende März 2012 stellt sie außerdem in der NVV Mönchengladbach aus.

(vpa)
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