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Düsseldorf: Derendorfer CDU stößt am Computer an

Politik in Düsseldorf : Derendorfer CDU stößt am Computer an

Weil es im Augenblick ein Kontaktverbot gibt, hat sich der Ortsverband kurzerhand zum Stammtisch online getroffen.

Um kurz vor halb acht tauchen die ersten Gesichter auf dem Monitor auf, eins nach dem anderen. Manche ein bisschen wackelig, andere noch etwas unscharf, „das ist alles neu hier“, stellt Dieter Arensmann fest, der es sich auf der Couch gemütlich gemacht hat. Die Unsicherheit legt sich schnell, „die Technik funktioniert exzellent“, sagt André Simon, der zum Treffen eingeladen hat. Zum Stammtisch des CDU-Ortsverbands Derendorf, der auch in Zeiten von Corona irgendwie stattfinden soll, findet Simon, eben nur nicht im Weiss Blauen Haus an der Nordstraße, wie sonst, wo alle eng zusammensitzen und miteinander anstoßen. An diesem Abend prosten sich die Mitglieder des Verbands per Kamera zu, beim ersten Video-Stammtisch des Ortsverbands. Video-Konferenzen sind in diesen Tagen das, was die Menschen zusammenbringt, ob im Beruf oder privat. Also warum nicht auch Politik am Laptop machen, sagt Simon, als plötzlich Jubel ausbricht.

„Danke, Stephan, dass du es geschafft hast“, sagt André Simon. Der Oberbürgermeister-Kandidat der CDU ist aus seinem Büro in Köln zugeschaltet, und natürlich beherrscht den Stammtisch ein Thema: Corona. „Das Virus hält uns alle in Atem“, sagt Keller, für den es aber in den letzten Tagen ein bisschen einfacher geworden ist. Beruflich. Die Doppelbelastung sei nahezu weg, der Wahlkampf in Düsseldorf finde ja nun nicht mehr statt, „der Terminkalender hat sich drastisch geleert“. Im Augenblick konzentriert sich Keller auf das Krisenmanagement in Köln. Bald soll das dritte Abstrichzentrum in der Stadt eröffnen, ein viertes sei bereits in Planung, und dass die Erlasse des Landes nicht mehr in städtisches Recht umgesetzt werden müssen, vereinfache die Lage in den Städten, sagt Keller.

Wie es Oberbürgermeisterin Henriette Reker geht, will Simon dann wissen, die in den letzten zwei Wochen in Corona-Quarantäne musste. „Am Mittwoch ist ihr letzter Tag, bevor sie am Donnerstag ins Büro zurückkehrt, wird Frau Reker sich testen lassen“, sagt Stephan Keller. Symptome habe Reker bisher aber keine gezeigt. „Wird die Kommunalwahl stattfinden?“, will Dieter Arensmann wissen, der angesichts der letzten Tage und Wochen Sorge hat. Bisher gehen alle davon aus, so Keller, „bis zum 16. Juli kann noch die Benennung der Kandidaten erfolgen, Einladungen für die Aufstellungsversammlungen sind bis zum 26. Juni möglich“, sagt Keller. Trotzdem sei das alles ganz unsicheres Terrain, ein Virologe der Charité in Berlin habe gesagt, dass es keine Bundesliga in diesem Jahr mehr gibt. „Im Augenblick haben die Menschen auch keinen Nerv für politische Debatten“, so der OB-Kandidat. Welche Folgen das Coronavirus auf die Wirtschaft hat und die Luftqualität, ob es ausreichend Tests gibt und wie Keller menschlich mit der Lage zurechtkommt – die Parteikollegen wollen viel wissen von ihrem OB-Kandidaten.

Und weil die Videokonferenz immer noch ein Stammtisch ist, muss zwischendurch auch mal angestoßen werden. Flaschen und Gläser klappern, „wir machen jetzt einen Screenshot“, sagt Frank Sarfeld. Irgendwo im Hintergrund ist plötzlich Alexa zu hören, von der sich Aletta Mansheim angesprochen fühlt und fragt, ob Stephan Keller ein Kölsch trinkt. Nur Apfelschorle, antwortet Keller, „das zeigt, dass du zurück nach Düsseldorf kommen musst“, meint Mansheim.

Eine ganze Weile sitzen die Parteikollegen noch zusammen – vor ihren Rechnern und Smartphones, plaudern dann auch über Privates. Denn viele sind mehr als Kollegen, „wir haben das Glück, dass der Ortsverband in Derendorf sehr gut funktioniert“, sagt Simon. „Und wir hatten Sehnsucht nacheinander“, ergänzt Aletta Mansheim. Die Premiere ist geglückt, weitere Stammtische per Video sollen folgen. Bis die Welt wieder ein bisschen so ist, wie sie es vor ein paar Wochen war.