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Düsseldorf-Derendorf: Wenn der grüne Park zur Wüste wird

Hitze in Düsseldorf : Wenn der grüne Park zur Wüste wird

Zwar hat es am Wochenende geregnet, aber viele Jungbäume brauchen nach wie vor dringend Wasser. In Derendorf kümmern sich Anwohner um einen Teil des Parks hinter dem Haus. In Friedrichstadt haben Nachbarn Bewässerungssäcke bei der Stadt geordert.

Einmal in der Woche zieht Daniel Shay mit seinem Neffen durch den Berty-Albrecht-Park vor der Haustür, um zu gießen. Zwischen den Hausnummern 19 und 23, wo sicher 50 Bäume stehen, junge Bäume, die nach der langen Trockenperiode in einem ziemlich schlechten Zustand sind. „Jeder von uns hat einen Gartenschlauch, und dann sind wir erst mal beschäftigt“, sagt der Derendorfer, der sich ein paar mehr Unterstützer wünscht. Nicht nur für die Anlage im Neubaugebiet an der Toulouser Allee. Sondern für alle Grünflächen in Düsseldorf. „Die Parks sehen aus wie Wüsten.“

Dabei ist der Park in Derendorf für viele ein Grund gewesen, in die Wohnungen an der Toulouser Allee zu ziehen. Platz für Kinder, Platz für Picknicks, eine kleine grüne Oase mitten in der Stadt. Entlang der Wege sind vor gar nicht so langer Zeit die jungen Bäume gepflanzt worden, die irgendwann eine tolle Allee werden sollten. Einige Exemplare hat die Stadt mit Bewässerungsbeuteln ausgestattet, längst nicht alle. Die Unterschiede sind gravierend. Die Bäume, die keinen Beutel bekommen haben, tragen inzwischen nur noch eine Handvoll vertrockneter Blätter an den Ästen. Aber auch die Bäume mit Beutel sehen nicht gesund aus, „sie müssten öfter mit Wasser befüllt werden“, sagt Shays Nachbarin Laura-Sophie Everding, die vor ein paar Tagen Besuch aus Singapur hatte, der sich wunderte über die karge Landschaft in Düsseldorf.

182 Gleditschien sind für die Stadtgartenallee gesetzt worden im Berty-Albrecht-Park. „Da dieser Bereich noch nicht in die Pflege des Gartenamtes übergegangen ist, erfolgt die Wässerung durch die vom Investor beauftragte Firma“, sagt ein Sprecher der Stadt. Die Bäume im Bereich des Weges würden über Wassersäcke versorgt, die Bäume im Bereich der Wiese separat bewässert. Die weiteren 100 Bäume im Berty-Albrecht-Park von 2011 und die 296 Bäume im Maurice-Ravel-Park aus dem Pflanzjahr 2013 werden vom Gartenamt gewässert. Die Straßenbäume auf der Toulouser Allee (129 Platanen) und der Marc-Chagall-Straße (339 Gleditschien) werden von beauftragten Unternehmen gegossen. „An der Marc-Chagall-Straße engagieren sich darüber hinaus zwei Bürger, die insgesamt sechs Wassersäcke angefordert haben“, sagt der Stadtsprecher, der sich freut, dass es im gesamten Stadtgebiet immer wieder Einzelpersonen gibt, die die Stadt beim Wässern der Stadtbäume unterstützen.

So wie am Fürstenplatz. Dort kümmern sich Ursula Struwe und Dieter Sawalies um einen lebenden Weihnachtsbaum und einen Trompetenbaum. „Und mir sind einige junge Mädchen aufgefallen, die direkt am Platz wohnen und mit einem langen Schlauch die Bäume wässern“, erzählt Struwe.

Wegen begrenzter personeller Ressourcen beschränkt sich die Stadt auf die Bewässerung von Wechsel- und Staudenbeeten, Rhododendren und Jungbäumen sowie Bäumen an schwierigen Standorten. „Bis Ende August wird das fortgesetzt“, sagt der Stadtsprecher. Rasen- und Wiesenflächen würden ausgelassen, „da sie bei Regen eine gute Regenerationskraft haben und sich dann wieder erholen“, sagt der Sprecher, der darauf hinweist, dass vereinzelt bereits Bewässerungsanlagen installiert worden sind, etwa an der Heinrich-Heine-Allee. Da die Stadt in Zukunft mit Phasen langanhaltender Trockenheit rechnet, wird das Gartenamt die Möglichkeiten der Installation von Bewässerungssystemen bei Neuanlagen prüfen. „Eine Nachrüstung von Bewässerungssystemen in bestehende Anlagen ist derzeit nicht vorgesehen.“

Auch wenn es in der Theorie Aufgabe der Stadt ist, öffentliche Grünflächen in Schuss zu halten, „ist das in der Praxis gar nicht zu leisten“, sagt Daniel Shay. „Die Leute müssen verstehen, wie wichtig Pflanzen für uns sind und selber Einsatz zeigen“, findet er und hat gleich noch einen Tipp für die Stadt: In Israel etwa, wo Shays Familie herkommt, sind die Temperaturen hoch, liegen in den Sommermonaten im Schnitt bei 31 Grad. Und trotzdem grünt es dort. „Wir haben überall Tröpfchenbewässerung“, sagt der Derendorfer. Eine Technik, bei der an Schläuchen, die auf dem Boden liegen, in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht sind, über die geringe Wassermengen abgegeben werden. „Kein Verdunsten, kein Verbrennen“, sagt Everding, deren Vater so eine Konstruktion schon vor zehn Jahren im eigenen Garten installiert hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dürre in den Stadtteilen