Düsseldorf-Derendorf: Aufbruch in die Zukunft

Stadtteil-Check Derendorf : Aufbruch in die Zukunft

In Derendorf ist Geschichte an vielen Orten spürbar. Aber Historisches verschwindet auch: Ulmer Höh’, Güterbahnhof, Rheinmetall, Schlösser Brauerei – alles weg. Stattdessen ist mit der Hochschule ein neuer Fixpunkt entstanden.

Ganz neu ist Nils Landtau zwar nicht mehr im Stadtteil, trotzdem gehört er immer noch zu den neueren, jenen, die das alte Derendorf eigentlich nur aus Erzählungen kennen. Damals, als es noch den Derendorfer Güterbahnhof gab oder die Ulmer Höh’, das Gefängnis, in dem Serienmörder Peter Kürten inhaftiert war. Gleich zwei Gründe hat der 28-Jährige gehabt, in den Stadtteil zu ziehen: Die alte Fachhochschule in Golzheim lag ganz nah und der neue Hochschul-Campus ist sogar noch näher. „Und obwohl ich zu Fuß nur noch zwei Minuten brauche, komme ich trotzdem zu spät“, sagt der Maschinenbau-Student und lacht. Er kann sich noch gut erinnern, dass die Menschen im Viertel viel Hoffnung in den neuen Campus gesetzt haben, dass er Aufschwung bringt in den Stadtteil. „Es sind zwar mehr Studenten hier“, sagt Nils Landtau, „aber nur tagsüber. Die WGs sind in Bilk, in Flingern.“ Bars hätten nicht viele eröffnet – wenn Landtau ausgehen will, dann macht er das auf der Nordstraße, geht in die Altstadt oder nach Unterbilk. Für ihn ist das okay, weil Derendorf andere Qualitäten hat: die kurzen Wege in den Supermarkt, eine bezahlbare WG und die Hochschule, „die hoffentlich noch positive Auswirkungen auf das Drumherum haben wird“, sagt Landtau.

Aufgewachsen ist der 28-Jährige in Rath, mitten in der Natur. „Fahrradfahren im Wald fehlt mir schon“, sagt er. Und auch wenn der Aaper Wald nicht weit ist, ist er nur noch selten dort. Die Uni und die Arbeit nehmen viel Zeit in Anspruch, zum Glück hat er ein Auto und einen Stellplatz. „Der ÖPNV nach Meerbusch ins Büro ist anfällig“, sagt Landtau. Für Derendorf wünscht er sich, dass die übriggeblieben alternativen Orte erhalten bleiben, der Alte Schlachthof zum Beispiel, dass Platz bleibt für Künstler und Musiker.

Manfred Hebenstreit im Garten seines Hauses, das einst sein Großvater baute und das zum Familienstammsitz geworden ist. Foto: Marc Ingel

Geboren wurde Manfred Hebenstreit zwar in der Flurklinik, einen Großteil seines Lebens hat  der 71-Jährige aber in Derendorf verbracht. Denn das Haus an der Hugo-Viehoff-Straße, in dem er heute noch wohnt, ist sozusagen der Familienstammsitz. „Das hat mein Opa gebaut, dann wohnte mein Vater hier, jetzt ich.“ Zählt man seine Kinder dazu, sind es mittlerweile vier Generationen. „Daraus resultiert dann wohl auch meine Heimatverbundenheit, diese Affinität zu diesem Stadtteil“, sagt Hebenstreit, der die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte hautnah miterlebt hat. Rheinmetall gibt es nicht mehr, die Ulmer Höh’ ebenso wenig, „und was ich vor allem vermisse, sind die alten Geschäfte. Früher gab es an der Ulmenstraße noch Bäcker, Metzger, sogar ein Milchgeschäft, in dem ich als Kind immer mit der leeren Kanne hin bin – alles weg“. An der Essener Straße ging er zur Grundschule, „da hatten die Katholiken noch vormittags und die Protestanten nachmittas Unterricht“. Später, am Leibniz-Gymnasium, waren die Jungen unter sich. Auch mit der Ingenieurschule am Kennedydamm blieb er Derendorf treu.

Im Alter hat Manfred Hebenstreit ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Für die Derendorfer Jonges hat er mal rund um die Buscher Mühle eine kleine Radtour angeboten, daraufhin versuchte ihn die Geschichtswerkstatt für sich zu gewinnen – mit Erfolg. Heute macht er gerne Führungen und erzählt den Menschen, wie das Leben in der alten Ulanenkaserne an der Tannenstraße früher war oder berichtet vom Strukturwandel rund um den Derendorfer Güterbahnhof.

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